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Panik bei Lewis Hamilton

Das Rosberg-Geheimnis

Nico Rosberg - Mercedes - GP Abu Dhabi 2015 Foto: Wilhelm 110 Bilder

Der Siegeszug von Nico Rosberg hat sich in Abu Dhabi fortgesetzt. Lewis Hamilton sucht immer panischer nach Gründen für seine Niederlagen. Es liegt aber weder am Setup, noch an der Strategie. Wir erklären, warum Rosberg plötzlich Oberwasser bekommen hat.

02.12.2015 Michael Schmidt

Nico Rosberg wird sich denken: Hätte die Weltmeisterschaft nur mit dem GP Japan begonnen. Ab da hatte er Teamkollege Lewis Hamilton im Griff. Mit 6 Pole Positions in 6 Rennen, 3 Siegen und 950:855 Führungskilometern. Es hätten gut und gerne 3 Siege mehr sein können. In Suzuka ließ er sich von Hamilton beim Start austricksen, in Sochi streikte das Gaspedal, in Austin schenkte er dem Teamkollegen mit einem Ausrutscher den Triumph.

Spätestens seit Rosberg seine Trainingsbestzeiten in Siege ummünzt, muss er sich die stereotype Frage gefallen lassen, was er seit dem GP Japan anders macht. Seit dieser Zeit treibt auch Hamilton dieses Thema um. Ohne es zuzugeben. Doch die jüngsten Panikreaktionen auf der Seite des Weltmeisters lassen keinen anderen Schluss zu.

Welche Rolle spielt die Psychologie?

Drei Rennen lang hat Hamilton unterschätzt, dass sich das Blatt gewendet hat. Es gab ja auch keinen Grund, Verdacht zu schöpfen. Sollte Rosberg in der Startaufstellung ruhig vor ihm stehen. Die Grand Prix von Japan, Russland und USA gingen alle an Hamilton. Doch als Rosberg auch noch zu gewinnen begann, ging auf der anderen Seite der Garage das Rätselraten los.

Lange war von den Beteiligten kein verwertbarer Hinweis zu hören, wieso das Kräfteverhältnis im Team gekippt ist. Teamchef Toto Wolff hatte die Psychologie im Verdacht, und liegt dabei gar nicht so falsch. "Lewis ist immer noch der gleiche Fahrer mit dem gleichen Talent und dem gleichen Einsatz. Es lässt sich sicher nicht auf den einen entscheidenden Grund reduzieren. Lewis muss eine Liste aufstellen, was es sein könnte und daraus seine Lehren ziehen."

Hamilton verzettelt sich

Der Weltmeister suchte in den letzten Wochen immer panischer nach Gründen, um zu erklären, was nach seinem Selbstverständnis nicht sein kann. "Wenn ich keinen Fehler mache, kommt an mir keiner vorbei", lautet das Credo des Weltmeisters. Die Ingenieure sehen das Bild schärfer: "Lewis will sich wie alle Top-Fahrer nicht eingestehen, dass ein anderer schneller ist. Also sucht er anderswo nach Ursachen. Bei der Strategie, beim Auto oder beim Setup."

Nicht ohne Grund hat Mercedes seinem meuternden Superstar im letzten Rennen seinen eigenen Willen gelassen. Hamilton baute in Abu Dhabi die Abstimmung um, und er bekam seine eigene Strategie. Mit beidem schoss er sich ein Eigentor. Was die Techniker so kommentierten: "Je mehr er sich verzettelte, umso langsamer ist er geworden." Nur der Wunsch, das Rennen mit einem Stopp durchzufahren, wurde ihm verwehrt. "Weil ihn Nico dann spätestens in der 48. Runde überholt hätte."

Doch warum traut sich Hamilton dann nicht die Supersoft-Reifen für die letzten 15 Runden zu? Nach langen Diskussionen am Funk entschieden sich Renningenieur Pete Bonnington und sein Fahrer dagegen. Das ist nicht Hamilton-like. Es zählt zu seinen Stärken, auf die Karte Risiko zu setzen und damit meistens auch Recht zu behalten. Das Votum gegen die Supersoft-Reifen zeigt seinen Grad der Verunsicherung.

Hamilton sucht nach Ausreden

Hamilton hörte zuletzt die Flöhe husten. Zu seinen Verdachtsmomenten zählte auch die Gewichtsverteilung. Sein Auto ist um Heck um eine Nuance schwerer. "Aber nur, weil er etwas mehr Gewicht auf die Waage bringt als Nico. Das macht gar nichts aus", winken die Ingenieure ab.

Deshalb rät Niki Lauda seinem Schützling: "Fahr nächste Woche in die Fabrik und geh mit den Ingenieuren alle Daten durch. Wenn du weißt, woran es liegt, gehst du unbelastet in den Winter."

Es ist nach Aussage der Ingenieure ein Märchen, dass sich das Auto und die Abstimmung seit der Pleite von Singapur dramatisch verändert hätten. "Wir haben hauptsächlich unsere Arbeitsprozeduren neu überdacht", bestätigt Technikdirektor Paddy Lowe.

Tatsächlich war es so: Rosberg studierte Hamiltons Setup, entwickelte das weiter, veränderte die Abstimmungsphilosophie leicht und fühlt sich seither wohler im Auto. Hamilton machte erst gar nichts und dann zu viel. Eine Stimme aus dem Team: "Seit Lewis Weltmeister ist, arbeitet er nicht mehr ganz so hart, Nico dafür umso eifriger. In der Top-Liga, in der beide spielen, merkst du so etwas."

Rosberg ist heute ein stärkerer Gegner, weil mit jedem Sieg über den Teamkollegen das Selbstvertrauen wächst. Das zeigt sich beim Start und beim Reifenmanagement. Seit Suzuka hat Rosberg kein Beschleunigungsduell mehr verloren. Und seitdem hält er die Reifen besser in Schuss als Hamilton.

Bestes Beispiel war Abu Dhabi. Da kam Rosberg im zweiten Stint mächtig unter Druck, weil bei ihm der rechte Vorderreifen körnte. Und warum war es im Schlussabschnitt nicht genauso? "Weil Nico seinen Fahrstil umgestellt hat", erklärte Strategiechef James Vowles.

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