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Panik im Reifenlager

Pirelli korrigiert Reifendruck erneut

Pirelli - Formel 1 - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 20. August 2015 Foto: ams 21 Bilder

Pirelli hat zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden den Startdruck der Reifen korrigiert. Die Teams begrüßen den Schritt, doch sie sind auch beunruhigt. Weiß Pirelli, was sie da tun? Zur Ehrenrettung der Italiener: Auch Michelin hatte einmal ein Reifendebakel in Spa.

04.09.2015 Michael Schmidt

Es sah aus wie eine Panikreaktion. Pirelli schrieb für den GP Italien als Antwort auf die Reifenschäden von Spa extreme Reifendrücke vor. So sollten die Reifen die Boxen mit einem Startdruck von 23 PSI (1,38 bar) vorne und 22 PSI (1,32 bar) verlassen. Während Fahrt hätte sich der Luftdruck durch die Erwärmung der Reifen dann um jeweils 2 PSI (0,12 bar) erhöht. Das lag um 5 PSI über den üblichen Werten und über Vorjahr.

Lotus-Einsatzleiter Alan Permane wirft ein: "Selbst 18 PSI sind für einen Rennreifen noch zu hoch." Noch bevor die Autos die ersten Runden in Monza drehen konnten, bekam Pirelli Gegenwind von den Teams. Die Ingenieure warnten vor neuen Problemen, hohem Verschleiß und starker Blasenbildung.

Für sie war die Maßnahme des Reifenherstellers ein Eingeständnis dafür, dass die Probleme von Spa vielleicht doch einen anderen Hintergrund hatten. Ein Ingenieur: "Den Reifendruck erhöhst du, um die Konstruktion des Reifens besser zu schützen."

Neue Pirelli Gremzwerte sind 21 und 19,5 PSI

Am Donnerstagabend bekam Pirelli dann kalte Füße. Den Teams wurde mitgeteilt, dass die Startdrücke auf 22 und 21 PSI reduziert werden. Was aus Sicht der Ingenieure immer noch zu viel war. 12 Stunden später bekamen die Teammanager erneut Post von Pirelli. Die Startdrücke wurden weiter gesenkt. Jetzt auf 21 PSI vorne und 19,5 PSI hinten. Ohne dass es dazwischen irgendwelche neuen Erkenntnisse gegeben hätte.

Möglicherweise ist die Angst von Pirelli vor weiteren Schäden unbegründet. Die Kräfte auf die Reifen sind in Monza trotz der hohen Geschwindigkeiten geringer als in Spa. Dort gibt es mit Eau Rouge und Blanchimont zwei Kurven jenseits von 300 km/h. Die provozieren in den Reifenflanken stehende Wellen. Besonders hinten. Fotos hatten gezeigt, dass sich die Reifen dieses Jahr mehr verformt haben als je zuvor.

Sebastian Vettel gibt zu bedenken: "Wir sind in Eau Rouge auch so schnell wie noch nie." Bernie Ecclestone lässt das Reifendrama von Spa kalt. Er lobte Pirelli als hervorragenden Partner. Und er ist es auch, der die endgültige Entscheidung trifft, wer ab 2017 für weitere 3 Jahre den Zuschlag erhält. Die FIA kann nur ihre technische Expertise geben.

Dass es zwischen Paris und Mailand Meinungsverschiedenheiten gibt, zeigten die beiden Pressemitteilungen zu Spa. Der Unterschied bestand darin, dass Pirelli die schmutzige Strecke in Spa bemängelte und das mit den vielen Beschädigungen in den Reifen in Verbindung brachte. Ein FIA-Mann schüttelte den Kopf: "Selbst wenn die Strecke zu Rennbeginn absolut sauber ist, bleiben während eines Rennens immer kleine Teile auf der Strecke liegen. Das müssen Reifen aushalten können."

Michelin 2004 mit 4 Reifenplatzern in Spa

Spa war nicht nur für Pirelli ein Stolperstein. Viele haben verdrängt, dass Michelin 2004 ein noch viel größeres Problem hatte. Insgesamt 4 Reifenschäden schreckten die Franzosen damals auf. Im Freitagstraining entgleiste Toyotas neuer Ersatzpilot Ryan Briscoe in Eau Rouge, nachdem ein Reifen explodiert war. Im Rennen ging bei Jenson Button, Juan Pablo Montoya und David Coulthard jeweils der linke Hinterreifen bei 330 km/h auf der Kemmel-Geraden hoch. Button flog spektakulär von der Strecke und räumte dabei auch noch den unschuldigen Baumgartner mit ab.

Michelin hatte interessanterweise die gleichen Erklärungen wie Pirelli heute. Die Franzosen redeten sich mit Trümmerteilen in der Lauffläche und Beschädigungen der Reifenschulter auf den Randsteinen heraus. Unter der Hand wurde erzählte, dass die hohen Fliehkräfte in Eau Rouge stehende Wellen in den Reifenflanken provozierten. Dabei brach die Reifenschulter auf. Es waren die Vorboten eines Schadensmusters, das ein Jahr später den GP USA zur Farce machen sollte.

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