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Personalabbau durch Budget-Limit

F1-Teams schrumpfen auf 300 Mitarbeiter

Williams F1 Foto: Williams 143 Bilder

Das von der FIA geplante Budgetlimit von 45 Millionen Euro lässt in Formel 1-Kreisen die Wogen hochschlagen. Bei Williams rechnet man mit einem Personalabbau auf 300 bis höchstens 350 Angestellten.

01.05.2009 Michael Schmidt

45 Millionen Euro sind viel Geld. Wenn man sie nicht hat. Für Formel 1-Teams sind das alltägliche Summen. Die fünf Top-Teams Ferrari, BMW, McLaren-Mercedes, Toyota und Renault liegen trotz Sparmaßnahmen noch jenseits von 200 Millionen Euro pro Jahr. Auch Red Bull kratzt an dieser Grenze. Williams wird auf 120 Millionen geschätzt, Force India auf 100, Toro Rosso auf 80. Brawn GP lebt noch vom Honda-Geld, aber irgendwann sind die 150 Millionen Euro auch aufgebraucht. Die drei Millionen Euro von Sponsor Virgin sind im Vergleich dazu Peanuts.

Die großen Rennställe, allen voran Ferrari, jammern, dass 45 Millionen eine utopisch niedrige Grenze seien. Die FIA sieht das anders. Man sei den Teams bereits damit entgegengekommen, dass die Fahrergehälter und die Motorenkosten (nur für 2010) nicht zum kontrollierten Budget zählen.

Mit 45 Millionen Euro könnten nach Berechnungen der FIA mindestens 70 Prozent der existierenden Teams einen Gewinn erwirtschaften. Was in Zeiten der Autokrise als zusätzlicher Anreiz für die Hersteller gesehen wird. Wenn Norbert Haug bei Mercedes und Mario Theissen bei BMW-Sauber Überschüsse an den Konzern abführen können, hat die Formel 1 auch unabhängig vom Erfolg im Konzern eine Existenzberechtigung.

Massiver Personalabbau

Die große Angst der Herstellerteams betrifft strukturelle Fragen. Sie müssen ihre Rennställe aus dem Konzern herauslösen und eigenständige Unternehmen schaffen, damit sie von der FIA besser überprüft werden können. Sie müssen teilweise massiv Personal abbauen. Ferrari und Toyota beschäftigen mehr als 800 Leute. Auch bei McLaren-Mercedes, Renault, Red Bull, BMW und Williams stehen jenseits von 500 Angestellten auf der Lohnliste.

Williams schätzt, dass in Zukunft nur noch 300 bis höchstens 350 Mitarbeiter ihren Job behalten werden. "Es sind dann auch wieder mehr Leute mit einem Gesamtüberblick gefragt", erklärt Technikchef Sam Michael. Das Spezialistentum, das für jede Komponente einen eigenen Ingenieur kreiert hat, gehört der Vergangenheit an.

Was fließt in den Etat ein?

Einige Fragen lässt das neue Reglement der FIA jedoch noch offen. Wie werden Sachwerte bewertet? Fabrikmieten oder Abschreibungen von Werkzeugen fallen möglicherweise unter den Punkt, dass Ausgaben, die nicht direkt mit der Leistung des Autos zu tun haben, frei gestellt sind. Einer spottet: "Die Toyota-Fabrik ist so groß, dass die schon mal zehn Millionen Euro los sind, ohne dass sich da drin ein Rad dreht."

Es muss auch eine Regelung für neue Teams getroffen werden. Würde sich ein Neubewerber einen Windkanal anschaffen, hätte er das Budgetlimit bereits ausgeschöpft. "Wir werden da von Fall zu Fall individuell entscheiden müssen", erklärt ein FIA-Sprecher. Auch der Punkt der Dividenden und Gewinne, die nicht zum Gesamtbudget zählen, kann noch für Spannungen sorgen.

Chefdesigner Adrian Newey verdient bei Red Bull knapp ein Viertel des maximal zur Verfügung stehenden Budgetrahmens. Man kann sich ausmalen, wie Red Bull dieses Problem umschifft. Newey wird zu Direktor oder Teilhaber erklärt, bekommt ein kleines Alibigehalt und den Rest über die Gewinnbeteiligung. Auch da will die FIA ein Auge drauf halten. "Wer es übertreibt oder eindeutig gegen den Geist des Reglements handelt, muss mit Konsequenzen rechnen."

Drakonische Strafen bei Verstößen

Stichwort Betrügen. Die FIA setzt auf einen Selbstreinigungsprozess und drakonische Strafen für systematischen Betrug. Doch was passiert, wenn den Prüfern kleine Unregelmäßigkeiten auffallen? "Das hängt vom Fall ab. Es gibt keine festgeschriebenen Strafen. Die Kosten-Kommission wird über den Grad der Verfehlung befinden und daraufhin die Strafen festlegen." Das riecht nach altem FIA-Prinzip. Der Verband spielt das Zünglein an der Waage. Ross Brawn hat für solche Fälle einen guten Vorschlag. "Wer mit fünf Millionen Euro über dem Limit liegt, der darf im Jahr darauf einfach fünf Millionen weniger ausgeben."

Es sind die Teams, die in Vorlage gehen müssten, sagt die FIA. Die Teamchefs müssen mit ihrem Namen garantieren, dass sämtliche Finanzflüsse offengelegt werden. Das Risiko später aufzufliegen ist viel zu groß. Gerade in der englischen Formel 1-Szene wechseln die Mitarbeiter die Teams wie ihre Hemden. Damit fließt auch Information ab. Fest steht bereits, welche Firma die Untersuchungen durchführen soll. Es handelt sich um die Forensik-Spezialisten von Deloitte. Die US-Firma machte sich bereits im Spionagefall 2007 einen Namen, als sie bei McLaren belastendes Material fand, das schließlich zu der Verurteilung des englischen Rennstalls führte.

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