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Perspektivenwechsel in Bahrain

Ein Streckenspaziergang in der Wüste

Trackwalk - Formel 1 - GP Bahrain - 20. April 2038 Foto: ams 26 Bilder

Nur selten bietet sich die Gelegenheit, den Formel-1-Fahrern bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen. Wir haben uns in Bahrain auf den Weg an die Strecke gemacht und die Piloten von der Leitplanke aus genau beobachtet.

21.04.2013 Bianca Leppert

Bahrain, Samstagvormittag, 10.50 Uhr. Die Sonne brennt. Die Frisur sitzt. Mit einem Latz um den Hals stapfe ich durch die Wüste. Der soll nicht etwa verhindern, dass ich mir mein T-Shirt mal wieder mit Schokolade einsaue, sondern ist die Uniform der Fotografen. Auf jedem ist eine Nummer notiert, wer sich daneben benimmt, ist schnell identifiziert. Es hat 35 Grad Celsius. Einen kurzen Moment denke ich an das schockgefrostete Pressezentrum. Doch als plötzlich mit einem Riesengeschrei ein Caterham vorbeibollert, weiß ich, dass ich am richtigen Fleck bin.

Selten Zeit für Streckenspaziergänge

Während für die Formel-1-Piloten die Strecke an einem Grands Prix Wochenende das Zuhause ist, nennen wir Journalisten das Fahrerlager unser Wohnzimmer.  Hier unterhalten wir uns entweder mit Fahrern und Teamchefs oder sitzen im Pressezentrum, beobachten das Geschehen während der Trainingssitzungen und des Rennens auf dem Fernsehbildschirm und schreiben parallel unsere Texte oder betreuen wie bei auto motor und sport den Live-Ticker. Nur selten bleibt Zeit, sich auf den Weg an die Strecke zu machen. Zu beobachten, wie die Perspektive der Fahrer aussieht. Wie sie ihren Job erledigen.

Im dritten Training am Samstagvormittag nehme ich mir die Zeit. Draußen an der Strecke schlägt das Herz dieses Sports. Und viel zu selten können wir diesen Herzschlag im Fahrerlager zwischen all den Floskeln und oberflächlichen Gesprächen schlagen hören. Bam, bam, bam. Als der Caterham vor Kurve zehn herunterschaltet, liegen auch meine Hände an den Schaltwippen – zumindest im Kopf. Auch wenn für viele der Klang beim Beschleunigen einzigartig sein mag, mich fasziniert das einzigartige Geräusch beim Herunterschalten und Anbremsen einer Kurve noch viel mehr.

Caterhams putzen die Strecke

Zu Beginn des Trainings ist noch nicht viel los. Die Top-Teams lassen die Hinterbänkler die Strecke putzen. Viel Sand ist allerdings nicht zu sehen. Gemeinsam mit einem Kollegen laufen wir weiter zu Kurve sieben und acht. "Willst du nicht mal deine Ohrstöpsel reintun?", fragt er mich. Ich habe welche dabei, aber keine Lust sie in die Ohren zu stopfen. Die Autos sind verdammt laut, keine Frage, aber wie oft hat man schon die Gelegenheit so eine einzigartige Band mitten in der Wüste spielen zu hören?

In Kurve acht steht eine Meute von Fotografen neben der Leitplanke. Mir wird klar, was sie hier Tag für Tag leisten. Bei über 30 Grad in der Hitze brüten. Immer die schwere Ausrüstung herumschleppen. Auf der ständigen Jagd nach einem Motiv, das man nicht schon hundertmal gesehen hat.

Der Hüftschwung des RB9

Der Kollege und ich beobachten das Fahrverhalten der einzelnen Autos. Ein guter Indikator: Die Kurvenkombination sechs und sieben. In dieser Rechts-Links-Kombination sieht Mark Webber verdammt schnell aus. Sein RB9 fährt so flüssig und fix durch die Kurve, als würde er mal eben einen Hüftschwung nach links und rechts machen. Auch die Force India beeindrucken uns. Sie scheinen wie auf Schienen zu liegen.

Die letzte Ecke, bei der wir Jury spielen wollen, ist Kurve vier. Auf den Fernsehbildern sieht die ganze Strecke ziemlich flach aus, doch hier wir bekommen die Steigungen zu spüren. Nach ein paar Minuten Fußmarsch erreichen wir die enge Rechts. Hier lässt sich ganz genau beobachten, wie die Piloten anbremsen und hören, zu welchem Zeitpunkt sie wieder aufs Gaspedal stehen. Umso besser das Auto liegt, umso eher können sie wieder beschleunigen.

Auf der Geraden wirken Autos langsam

Auf der Geraden, an der wir auf unserem Weg zurück ins Fahrerlager vorbeikommen, wirken die Autos von außen betrachtet nicht so schnell, wie ich mir das vorgestellt hatte – jeder, der schon einmal im Kart saß, weiß aber, dass man im Cockpit einen völlig anderen Eindruck hat.

Nach 40 Minuten ist unser Spaziergang schon wieder beendet. Auf dem Rückweg kommen wir an einer Zeitentafel vorbei. "Meistens stimmen die Eindrücke von der Strecke tatsächlich mit den Rundenzeiten überein", meint der Kollege, der schon viele Jahre in der Formel 1 arbeitet. Für die spannenden Minuten am Ende des Trainings, bei dem alle Fahrer für die Vorbereitung des Qualifyings am Limit sind, bleibt aber keine Zeit. Der Bericht vom dritten Training muss geschrieben und auf die Website gestellt werden.

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