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Peter Sauber im Interview

Hohe Ziele mit dem C30 für 2011

Peter Sauber Foto: Sauber F1 32 Bilder

Vor einem Jahr hat Peter Sauber das Formel-1-Team von BMW zurückgekauft. In der ersten Saison lief ohne den bayerischen Partner nicht alles reibungslos. Der Teamchef blickt auf eine bewegte Saison zurück.

01.12.2010

Haben Sie den Schritt, das Team zurückzukaufen, jemals bereut?
Peter Sauber: Nein, das habe ich nicht, und ich werde es auch nie tun, obwohl ich wusste, dass es eine sehr schwierige Aufgabe werden würde, das Team am Leben zu halten. Aber wenn ich es nicht versucht hätte, dann hätte ich mir jeden Tag Vorwürfe gemacht. Wir haben ein Hindernis nach dem anderen aus dem Weg geräumt. Und wenn ich schaue, wie sich die Situation vor einem Jahr darstellte und wo wir heute stehen, dann dürfen alle im Team ein wenig stolz darauf sein, was wir erreicht haben.

Der Saisonstart war sehr harzig. Was ging da in Ihnen vor?
Sauber: Das war in der Tat hart. Das Auto war nicht nur zu langsam, sondern auch unzuverlässig, was für unser Team sehr ungewöhnlich ist. Dann kam - wie es im Sport so ist - in dieser Situation auch noch Pech dazu. Das ging nicht nur an die Nerven, sondern machte auch Verhandlungen mit potenziellen Sponsoren fast unmöglich.

Und dann, ab Valencia, lief es plötzlich. Was ist geschehen?
Sauber: Im April trat James Key sein Amt als Technischer Direktor an. Er hat schnell viel erreicht. Er hat, zusammen mit seinem Team, die Schwachstellen des C29 identifiziert und klare Vorgaben für Verbesserungen gemacht. Diese wurden zügig umgesetzt und haben auch ihre Wirkung nicht verfehlt. Nachdem wir in den ersten acht Rennen gerade mal einen WM-Punkt geholt hatten, wurden es in den nächsten acht Grands Prix 36 Zähler. In den letzten drei Rennen kamen dann noch sieben hinzu. Darüber hinaus hat James auch organisatorische Änderungen vorgenommen. Dass wir es geschafft haben, uns während der Saison aus dieser schwierigen Situation zu befreien, spricht für die Qualität und die Moral der Mannschaft.

Vor dem Rennen in Singapur haben Sie einen Fahrerwechsel vorgenommen und Pedro de la Rosa durch Nick Heidfeld ersetzt. Würden Sie das rückblickend wieder tun?
Sauber: Ja, ich würde das wieder tun. Wir waren in einer Situation, in der wir nicht wussten, wo wir leistungsmäßig stehen. Beide Piloten waren neu im Team, wir kannten sie kaum, und wir wussten nicht, wie gut das Auto war. Uns fehlte ein verlässlicher Maßstab. Nick kennen wir aufgrund der langjährigen Zusammenarbeit, also konnten wir die Dinge richtig einordnen.

Wie sind Sie mit Kamui Kobayashi zufrieden?
Sauber: Kamui begeistert alle im Team. Seine frische, kämpferische Art bereitet ganz einfach Freude. An vielen Reaktionen sieht man, dass ihn auch die Formel-1-Fans lieben - seine Überholmanöver sind jedes Mal ein Genuss. Man würde ihm aber Unrecht tun, ihn nur darauf zu reduzieren. Kamui fährt auch sehr clever und versteht es, eine vorgegebene Strategie umzusetzen. Er hat sich in diesem Jahr prächtig entwickelt, und ich bin sicher, dass da in Zukunft noch mehr kommt. Als ich ihn vor einem Jahr verpflichtete, habe ich mir von einigen Experten kritische Kommentare anhören müssen. Aber mein Gefühl hat mir gesagt, dass Kamui speziell ist. Und heute freue ich mich ganz einfach darüber, dass wir ihn im Team haben.

Ihr Team tritt im kommenden Jahr mit Sergio Pérez, einem Rookie, und Kamui Kobayashi an, der auch erst ein Jahr Erfahrung in der Formel 1 hat. Ist das nicht ein Risiko?
Sauber: Ich bin überzeugt, dass wir für das kommende Jahr fahrerisch sehr gut aufgestellt sind. Kamui hat in dieser Saison auch im technischen Bereich große Fortschritte gemacht, und ich habe keine Zweifel, dass er an seiner neuen Aufgabe weiter wächst. Sergio besitzt sehr viel Talent. Für ihn geht es darum, schnell zu lernen. Er kann dabei genauso von Kamui lernen, wie das Kamui von Pedro und Nick getan hat. Übrigens zur Erinnerung: 2001 war eines der erfolgreichsten Sauber-Jahre. Wir fuhren damals mit Rookie Kimi Räikkönen und Nick Heidfeld, der in seinem erst zweiten Formel-1-Jahr war.

Wird Kamui Kobayashi dann automatisch die Nummer 1?
Sauber: Es gibt bei uns keine Nummer 1, beide Piloten werden in jeder Beziehung gleich behandelt. Aber natürlich erwarte ich von Kamui, dass er sein Mehr an Erfahrung einbringt.

Wie läuft die Entwicklung des neuen Autos?
Sauber: Die Entwicklung des Sauber C30-Ferrari ist im Plan. Wir haben uns hohe Ziele gesetzt, und das sieht bis jetzt gut aus. James Key hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er weiß, wie man schnelle Autos baut. Aufgrund aller Änderungen des technischen Reglements - Verbot des Doppel-Diffusors, Einführung der Pirelli-Reifen und des verstellbaren Heckflügels sowie KERS als Option - ist das diesmal eine besondere Herausforderung.

Man konnte immer wieder lesen, dass das Team zum Verkauf stünde. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge?
Sauber: Das Team gehört zu hundert Prozent mir, und es gibt derzeit keine Pläne, den Rennstall oder Teile davon zu verkaufen. Auch unsere Partnerschaft mit Telmex, die am 1. Januar 2011 in Kraft tritt, umfasst keine Beteiligung, sondern ist ein Sponsoring.

Wie lange bleiben Sie noch Teamchef?
Sauber: Vor einem Jahr habe ich gesagt, dass ich mit 70 nicht mehr an der Boxenmauer stehen möchte. Das gilt immer noch, und ich bin jetzt 67. Für mich ist entscheidend, dass noch mehr Stabilität ins Team kommt und wir eine finanzielle Basis haben, auf der wir uns sportlich nach vorne orientieren können. Wenn wir das erreicht haben, ist für mich die Zeit gekommen, einen Schritt zurück zu machen.

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