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Peter Sauber in Australien

Zittern bis zum Schluss

Sauber GP Australien 2012 Foto: xpb 60 Bilder

Peter Sauber musste beim ersten Grand Prix des Jahres viel zittern, bis seine beiden Autos auf den Plätzen sechs und acht ins Ziel kamen. Die letzte Runde verlief so chaotisch, dass man auch punktelos hätte bleiben können. Zum Schluss gab es zwölf Zähler für die Schweizer.

19.03.2012 Michael Schmidt

Nach dem Training herrschte getrübte Stimmung im Lager von Sauber. Die Startplätze 13 und 22 entsprachen nicht dem Leistungsstand der Autos. Kamui Kobayashi war nach einem Fehler in der zweiten Runde der Qualifikation hängengeblieben, und ein Getriebeschaden am Sauber von Sergio Perez zog eine Strafversetzung um fünf Startplätze nach sich. Beim Runterschalten hatten Vorder- und Hinterräder blockiert. Das brachte die Elektronik durcheinander. Normalerweise wird der Gangwechsel verhindert, wenn die Hinterräder stehen. Bei dieser unglücklichen Konstellation aber nicht. Peter Sauber ärgerte sich: "Unsere Autos hatten den Speed für die Top Ten."

Perez wieder als Reifenflüsterer unterwegs

24 Stunden später wurden hinter der Sauber-Box die Bierflaschen geköpft. Der Schweizer Rennstall steht mit zwölf WM-Punkten hinter McLaren und Red Bull auf Platz drei in der WM-Tabelle. Doch der Weg dorthin war eine Zitterpartie. Bereits in der elften Runde tauchte beide Sauber-Piloten in den Punkterängen auf. Sauber wunderte sich: "Wie Perez in einer Runde von ganz hinten auf Platz 13 vorkommt, ist mir ein Rätsel." Dann wurde es wegen der Boxenstopps unübersichtlich. Kamui Kobayashi war wie der Rest auf einer Zweistopp-Strategie unterwegs, und Sergio Perez versuchte das Kunststück aus dem Vorjahr zu wiederholen und mit einem Stopp über die Distanz zu kommen. Das spülte den Mexikaner kurzfristig sogar bis auf Platz zwei nach vorne. Als er am Ende der 24. Runde von Medium-Reifen auf die weiche Mischung wechselte, da musste noch bezweifelt werden, ob der Plan aufgehen kann. Perez hatte 33 Runden mit den weichen Reifen vor sich.

Der Mann aus Guadalajara ist ein Reifenflüsterer. Sicher haben die fünf SafetyCar-Runden geholfen, doch bei der Durchsicht der Rennrunden zeigt sich auch die Stärke des 22-Jährigen. Er fuhr 1.31er Runden am Fließband. Erst in den letzten beiden Umläufen brachen die Reifen ein. Kobayashis Rennen war dagegen ein ständiges Auf und Ab. Der Japaner pendelte zwischen Platz 8 und Rang 14 hin und her, wurde oft überholt und holte sich seine Positionen genauso oft wieder zurück. Im letzten Umlauf war er jedoch hellwach.

Sauber: Wir haben ein schnelles Auto

Die Sauber-Piloten gingen auf den Plätzen 7 und 9 in eine der verrücktesten Runden der letzten Jahre. "Das war Chaos pur", staunte Daniel Ricciardo von seinem Logenplatz auf Rang 12. Peter Sauber gab zu: "Wir haben zwölf Punkte geholt, hätten aber genauso gut zehn Punkte verlieren können." Zunächst tat Pastor Maldonado all jenen einen Gefallen, die mit elf Sekunden Abstand auf ihn in einem Siebenerpaket kämpfen, das in der 57. Runde nur durch 5,9 Sekunden getrennt war. Die Sauber-Piloten lagen mittendrin.

Perez führte die Schlange an, wurde in der Schikane von Nico Rosberg ausgebremst, hielt dagegen und schlitzte dem Mercedes-Piloten den linken Hinterreifen auf. Rosberg beschwerte sich, Perez habe ihn von der Straße drängen wollen, doch die Aufnahmen der Bordkamera zeigen, dass der Deutsche ziemlich früh wieder auf die Rennlinie zurückschwenkt. Als der Mercedes langsamer wird, bildet sich dahinter ein Stau, den Kobayashi eiskalt ausnutzt. Er überholt den Teamkollegen, nur um ihn gleich wieder vor der Nase zu sehen. Perez hatte durch die schnelle Schikane abgekürzt. Seine Reifen waren total am Ende.

Normalerweise gibt das eine Durchfahrtstrafe oder 25 Sekunden auf die Gesamtzeit. Doch der Mexikaner schaltete sein Hirn ein. Als Force India-Teammanager Andy Stevenson bei FIA-Rennleiter Charlie Whiting nachfragte, zeigte der ihm ein Video. Perez ließ am Ausgang der Schikane Kobayashi sofort wieder vorbei. Also kein Platzgewinn. Dass auf den letzten zwei Kilometern noch Kimi Räikkönen vorbeizog, sei Perez verziehen. Er kämpfte auf Uralt-Reifen mit dem Rücken zur Wand. Wie eng Jubel und Trauer beinander lagen, demonstrierte der Zieleinlauf. Den Sechsten Kobayashi trennten nur 3,1 Sekunden dem Elften Jean-Eric Vergne.

Für Sauber war der Grand Prix nach der Zieldurchfahrt noch nicht zu Ende. Im letzten Jahr flogen beide Autos wegen nicht reglementskonformer Heckflügel aus der Wertung. Diesmal ging nach zwei Stunden Zittern der Daumen nach oben. Die zwölf Punkte gingen in die Schweiz. Der Chef zog ein versöhnliches Resümée: "Wir haben uns im Training das Leben selbst schwer gemacht. Unsere Fahrer haben ein sehr gutes Rennen abgeliefert. Die schönste Erkenntnis aber ist, dass wir ein schnelles Auto haben." 

 

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