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Zwei Pflichtstopps als Spannungskiller

Gleiche Strategie bedeutet Langeweile

Lewis Hamilton - GP USA 2013 Foto: Wilhelm 26 Bilder

Der GP USA hat gezeigt, was der Formel 1 blüht, wenn Pirelli Zweistopprennen zur Pflicht macht. Fahren alle mit der gleichen Taktik, werden die Rennen eine Prozession. In Austin waren 18 der 22 Fahrer mit einer Einstoppstrategie unterwegs. Das Ergebnis war Langeweile.

20.11.2013 Michael Schmidt

Die 113.162 Zuschauer am Sonntag in Austin hatten ein besseres Rennen verdient. Der GP USA war nicht nur wegen Sebastian Vettels Überlegenheit eine Schlaftablette. Es gab auch im Feld wenig Bewegung. Nur 21 Überholmanöver in 56 Runden. Im letzten Jahr waren es noch 32. Und eines davon im Kampf um die Spitze. Das Problem lag auf der Hand. 18 von 22 Fahrern fuhren ein Einstopprennen.
 
Bei gleicher Taktik entscheidet die Qualität der Autos. Wer im Training schneller ist, fährt auch im Rennen besser. Zumal das Reifenmanagement immer professioneller wird. Ausreißer, wie der zweite Boxenstopp von Paul di Resta, sind eine Seltenheit. Die Teams wissen vorher schon ziemlich genau, wie der Hase laufen wird. Und die Fahrer werden von ihren Kommandoständen ferngelenkt. Sie können also auch nicht mehr viel falsch machen.

Hamilton durfte sich nicht wehren

Lewis Hamilton war so ein Beispiel. Der Mercedes-Pilot bekam ständig Anweisungen, wie er seine Reifen zu behandeln hat. "Wir können die Temperaturen der vier Reifen am Monitor erkennen, und sagen Lewis und Nico wie sie zu fahren haben", erzählte Teamchef Ross Brawn. Als Mark Webber von hinten angeflogen kam, hörte Hamilton am Funk: "Leiste keinen großen Widerstand. Das macht dir nur die Reifen kaputt. Dein Gegner heißt Alonso"
 
 Erfahrung und Feingefühl spielen nur noch eine untergeordnete Rolle. Brawn: "Es ist schwierig vom Fahrer zu verlangen, dass er so langsam wie möglich fährt, damit die Reifen bis zu der Zielvorgabe halten. Wir müssen ihn dabei unterstützen, weil er allein diesen Punkt gar nicht erfühlen kann." Das ist ein weiteres Problem in diesem Sport. Die Perfektion killt jeden Überraschungsfaktor. Ohne Telemetrie und Datenerfassung wären die Rennen spannender. Dann wären die Fahrer auf sich gestellt.

Nur Taktik-Unterschiede schaffen Überholmanöver

Der GP USA hat gezeigt, was auf die Formel 1 zukommt, wenn sich Pirelli mit seinem Wunsch nach zwei Pflichtboxenstopps durchsetzt. In Austin war ein Stopp quasi Pflicht, wollte man in die Punkteränge fahren. Das Ergebnis ist bekannt. Der Start hat fast alles entschieden. Wäre jeder gezwungen zwei Mal zu stoppen, würde es noch schlimmer. Weil dann bei harten Gummimischungen das Reifenmanagement noch einfacher wird. Die Reifensätze müssen kürzere Distanzen zurücklegen.

Felipe Massa verzweifelte im Mittelfeld genau daran: "Es gab kein Vorwärtskommen, weil alle mit ähnlicher Taktik und ähnlicher Reifenabnutzung fahren. Dadurch ergeben sich nicht die Unterschiede, die ein Überholmanöver erst möglich machen. In Austin liegen vor den Überholstellen schnelle Passagen. Da ist es schwierig, nah am Vordermann dranzubleiben, um dann mit DRS zuzuschlagen. Hätte das Auto vor dir ein Reifenproblem, könntest du schon vor der Gerade dichter aufschließen."

2014 sind Autos und Motoren die Unbekannte

Inzwischen wünschen sich viele wieder die erste Saisonhälfte zurück. Da wurde Pirelli noch beschimpft, weil dem Zufall Tür und Tor geöffnet wurden. Es war aber kein Zufall, sondern einfach eine andere Herausforderung. Und die stellte sich für alle gleich. Die Rennen waren für die datenwütigen Formel 1-Teams nur viel schwieriger zu kalkulieren und zu simulieren. Und genau darüber haben sich Pirellis Kritiker aufgeregt.
 
Die kurzlebigen Reifen waren ihnen egal. Hätte Red Bull sie in jedem Rennen beherrscht, wären aus Milton Keynes auch keine Klagen gekommen. Muss man sich jetzt Sorgen machen, dass die 2014er Saison noch eintöniger verläuft, weil Pirelli in der nächsten Saison noch härtere Reifen liefert? Ross Brawn glaubt nicht: "Nächstes Jahr werden nicht die Reifen für Überraschungen sorgen, dafür aber die neuen Autos und Motoren."

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