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Piquet

Der falsche Mann auf dem Podest

Foto: Renault F1 47 Bilder

Flavio Briatore verließ fluchtartig die Rennstrecke. Da hatte Renault mit dem zweiten Platz von Nelson Piquet den ersten Podestplatz der Saison geholt, und der Teamchef war verstimmt. In seinen Augen triumphierte der falsche.

21.07.2008 Michael Schmidt

Sein Starpilot Fernando Alonso blieb punktelos. Alonso stolperte von einem Fehler zum nächsten. Entsprechend verhalten fiel Briatores Rennbilanz aus: "Nelsinho hatte ein erstaunliches Rennen. Vom Nirgendwo an die Spitze. Er hat im Finale gezeigt, dass er starkem Druck standhalten kann, aber er hat es auch nicht geschafft, Hamilton hinter sich zu halten, der klar schneller war." Euphorie sieht anders aus.

Piquets zweiter Platz kommt für Briatore zum dümmsten Zeitpunkt. Am 1. August läuft die Option auf den Brasilianer aus. Wenn Briatore sie einlöst, ist Piquet junior die nächsten zwei Jahre Stammpilot. In einer Zeit, in der bei Renault keiner weiß, was Alonso vorhat, kommt diese Entscheidung aus Briatores Sicht zu früh.

Piquet mit Scheuklappen ins Ziel

Trotz der guten Eigenwerbung bleibt Piquet auf dem Teppich. "Wir werden in Ungarn nicht gleich wieder auf das Podest fahren. Ich hatte viel Glück. Das gute daran war, dass ich meine Chance nutzen konnte. Mit den weichen Reifen ist das Auto geflogen. Ich war so schnell wie Massa."

In den letzten Runden schaute Piquet nicht mehr nach links und nach rechts. "Ich wusste nicht, in welcher Runde ich war. Ich wollte mich nur noch aufs Fahren konzentrieren und habe nicht mal mehr auf der Zielgeraden auf die Boxentafel geschaut. Die Ingenieure durften mit mir nicht mehr sprechen, um mich nicht abzulenken." Erst als Hamilton in der letzten Runde Fahrt herausnahm, ahnte Piquet: "Hetzt muss bald Schluss sein, wenn Lewis so langsam fährt."

Piquet feierte seinen Durchbruch an einem Ort, an dem sein Vater drei Mal gewonnen hat. Fast wäre es zu der Sternstunde nicht gekommen. Piquet bettelte bei den Ingenieuren, ihn mit wenig Sprit auf die Reise zu schicken. Die betankten das Auto aber für ein Einstopprennen. "Wer von Platz 17 startet, muss Risiko spielen", rechtfertigte sich Chefingenieur Pat Symonds. 

Pures Glück

Bis kurz vor dem ersten und schließlich einzigen Tankstopp in Runde 36 wurde bei Renault diskutiert, ob man Piquet auf einem Einstopprennen belässt oder ihn auf einen kurzen zweiten Turn schickt, um später ein zweites Mal zu tanken. "Wir entschieden uns dafür, es bei einem Stopp zu belassen, weil die Reifen gut über die erste Rennhälfte gekommen waren", erklärte Symonds. "Dass wir in der Runde tanken wollten, in der Glock in die Mauer flog, war pures Glück. Nach soviel Pech in diesem Jahr haben wir es verdient, auch mal Glück zu haben."

Für Piquet wird der zweite Platz ein Befreiungsschlag sein, glaubt Symonds. "Wir haben letztes Jahr mit Kovalainen das gleiche erlebt. Ein gutes Resultat, und Heikki hat wieder an sich selbst geglaubt." Piquet feierte nach dem Rennen mit seinen Ingenieuren und Betreuern. Und Flavio Briatore? "Den habe ich gar nicht mehr gesehen. Als ich von der Siegerpressekonferenz zurückkam, war Flavio schon weg."

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