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Pirelli lobt Mercedes-Reifentest

"Der beste Test, den wir je hatten"

Lewis Hamilton - Formel 1 - GP England - 28. Juni 2013 Foto: xpb 18 Bilder

Die Mercedes-Affäre ist juristisch abgehakt. Aber sie hat politisch noch ein Nachspiel. Pirelli hofft, dass es weitere Reifentests dieser Art heben wird und lobt, dass man nie bessere Ergebnisse erzielt hätte als an diesen drei Tagen von Barcelona. Die Konkurrenz schreibt jeden Fortschritt bei Mercedes diesem Reifentest zu.

28.06.2013 Bianca Leppert

Aus dieser Falle kommt Mercedes nicht mehr raus. Jeder Fortschritt, den die Silberpfeile in Bezug auf die Reifennutzung machen werden, führt die Konkurrenz automatisch auf die 1000 Kilometern zurück, die Mercedes bei dem Reifentest von Pirelli in Barcelona abgespult hat. Da könnte am Ende des GP England das Geschrei ziemlich groß sein.

Der neue Mercedes-Direktor Paddy Lowe ist zuversichtlich, dass Silverstone für Mercedes zum Durchbruch werden könnte. "Wir haben schon in Montreal einen signifikanten Fortschritt gesehen. Red Bull und Ferrari waren im Rennen einfach nur schneller als wir. Das hatte aber nichts mit dem Reifenverschleiß zu tun. Das Team hatte sich zuletzt so darauf konzentriert, den Verschleiß in den Griff zu bekommen, dass wir den Gripabbau aus den Augen verloren haben. Der war bei uns höher als bei unseren Gegnern.“

Silverstone ist nicht die ultimative Reifenprüfung

In Silverstone will Mercedes auch in dieser Disziplin Fortschritte machen. Ein neuer Unterboden, eine geänderte Hinterachs-Geometrie, modifizierte Bremsbelüftungen sind die Antwort auf die Restprobleme, die Mercedes mit den Reifen noch hat. Pirelli-Sportchef Paul Hembery lobte nach dem ersten Trainingstag: "Mercedes macht einen starken Eindruck. Red Bull ist schnell, aber die Reifen bauen stark ab. Geradezu sensationell sind die ToroRosso. Praktisch null Gripverlust über die Distanz. Die müssen irgendetwas gefunden haben."

Mercedes werden jetzt bereits wieder die Lektionen aus dem Reifentest unter die Nase gerieben. "Damit werden wir leben müssen. Wir wissen, dass die jüngsten Fortschritte auf der Reifenseite nichts damit zu tun haben. Pirelli hat uns Reifen hingestellt, und wir sind gefahren. Wir hatten keine Ahnung, was wir da testen", beteuert Lowe. Teamchef Ross Brawn warnt, Silverstone mit den Rennstrecken gleichzusetzen, auf denen die Hinterreifen in Gefahr sind. "Hier ist der linke Vorderreifen die kritische Größe. Auf diesem Typ Rennstrecke haben wir uns schon zu einer Zeit wohler gefühlt, als wir große Reifenprobleme hatten."

Sebastian Vettel bestätigt: "Silverstone ist vom Reifen her viel einfacher als Barcelona. Dort werden hauptsächlich die linken Reifen belastet. In Silverstone sind Links- und Rechtskurven gleichmäßiger verteilt."

Pirelli hat Mercedes absichtlich angelogen

Auch Paul Hembery bestätigt: "Silverstone ist nicht mehr so schlimm wie es schon einmal war. Auf dem neuen Streckenteil ist der Asphalt ziemlich glatt. Das hilft den Reifen.“ Dann kommt Pirellis Reifenpapst noch einmal auf dem ominösen Test von Barcelona zurück: "Für uns war dieser Test der beste, den wir je gemacht haben. Wir haben bei keinem anderen Test annähernd viel gelernt."

Hat dann Mercedes nicht automatisch auch davon profitiert? Hembery verneint. Er gibt sogar zu, Mercedes angelogen zu haben. Das Team sei die ganze Zeit der Meinung gewesen, Pirelli habe hauptsächlich sein Problem mit der Delaminierung der Lauffläche lösen wollen. "Ross Brawn war echt überrascht, als wir ihm sagten, dass von allen Reifensätzen, die wir ausprobiert hatten, nur einer mit dem Kevlargürtel dabei war. Alle anderen Reifen waren für 2014 bestimmt. Das war für uns ein klares Indiz dafür, dass er keine Ahnung hatte, was wir da getestet haben."

Laut Hembery hätte man das Reifenproblem auf der Rennstrecke ohnehin nicht lösen können. "Wir hatten seit Saisonbeginn bei 9500 Kilometern 13 Vorfälle, sieben davon durch Trümmerteile provoziert. Das bei einem 1000 Kilometer-Test reproduzieren zu wollen, wäre ein Lotteriespiel gewesen. Wir hatten es schon vorher durch Prüfstandsversuche erkannt und dann das Ergebnis in Barcelona nur verifiziert."

Gummischicht löst sich ab

Pirelli hat einen Trommelprüfstand so umgebaut, dass man die Zwischenfälle im Labor nachstellen konnte. "Dabei kam heraus, dass mit den alten Reifen eine Kraft von 350 Newton ausgereicht hat, eine große Gummischicht von der Lauffläche zu ziehen. Mit dem Kevlargürtel haben wir die Widerstandskraft auf 600 Newton erhöht." Doch die Reifen mit der Kevlar-Auflage werden wahrscheinlich nie in einem Rennen eingesetzt. "Ich habe meinen Zweifel. Einige Teams waren nach dem Freitagstraining in Montreal zwar sehr zufrieden damit, aber genau deshalb lehnen ein paar andere Teams diesen Reifen ab."

Laut Hembery  ein unhaltbarer Zustand. "Wir müssen uns da andere Entscheidungsmechanismen überlegen, wenn wir mal schnell auf ein Problem reagieren wollen. Mehrheitsentscheidungen sind da besser als Einstimmigkeit." Das Problem der Delaminierung ist durch Einbringung von mehr Klebemittel trotzdem gelöst. "Unsere Prüfstandsläufe haben uns gezeigt, dass der Effekt genauso gut ist wie bei dem Kevlargürtel."

Pirelli bietet anderen Teams Testtermine an

Der Mercedes-Test soll nicht der letzte gewesen sein. "Wir haben den anderen Teams mehrere Termine abgeboten und auch Interesse bekommen. Die Teams wollen sich bei der FIA noch rückversichern, was sie dürfen und was nicht. Was uns angeht, haben wir kein Problem damit, die Bedingungen des Verbandes zu erfüllen. Wir werden wie gewünscht vorab unser gesamtes Testprogramm offenlegen und auch sicherstellen, dass die Reifendaten nicht an das entsprechende Team gehen."

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