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Pirelli-Sportchef Paul Hembery

Mercedes und Lotus mit Schritt nach vorne

Fahrerlager - Impressionen - GP Australien - 14. März 2012 Foto: Grüner 29 Bilder

Pirelli hat die Daten der Testfahrten genau analysiert. Wie Sportchef Paul Hembery vor dem Saisonauftakt verriet, haben Mercedes und Lotus in Sachen Reifenverschleiß einen Schritt nach vorne gemacht. Der Brite warnt zudem davor, Ferrari zu früh abzuschreiben.

15.03.2012 Tobias Grüner

Nach dem ersten Lehrjahr 2011 ist Pirelli bereit für die zweite Saison in der Formel 1. Mit Reifen, die für viel Action sorgten, hatte sich der italienische Gummi-Lieferant bei den Fans viele Freunde gemacht. Gerne würde man diesen Trend dieses Jahr fortsetzen. Pirelli Motorsportchef Paul Hembery warnt aber, dass man nicht zu viel erwarten darf.

Pirelli will Action nicht erzwingen

"Letztes Jahr sind sie die Fahrer beim Reifenabbau plötzlich von der Klippe gefallen. Jetzt wissen sie, was sie erwartet. Es ist nicht leicht, sie vor neue Herausforderungen zu stellen. Wir könnten sicher einige dramatische Dinge in Sachen Verschleiß machen, aber wir wollen es nicht erzwingen. Man muss sich irgendwann die Frage stellen: Akzeptieren die Fans so etwas? Es ist nicht leicht, den richtigen Weg zu finden."

Hembery hofft, dass es auch ohne wilde Boxenstopp-Orgien zu unterhaltsamen Rennen kommt. So langweilig wie in den letzten Rennen der Saison 2011 sollte es nicht weitergehen: "Das wichtigste ist, dass mehr Autos enger zusammen sind. Wir haben letztes Jahr vielleicht einige etwas konservative Entscheidungen getroffen. Man muss aber auch sagen, dass einige Autos deutlich schneller waren als andere. So große Unterschiede kann man durch Reifenstrategie nicht ausgleichen."

Zweistopp-Strategie in Australien

In Australien erwartet der Reifenpapst wie schon im Vorjahr bei den meisten Teams ein Zweistopprennen. "Ein Einstopp-Rennen ist theoretisch auch möglich, aber nach unseren Berechnungen nicht die schnellste Strategie. Außerdem gibt es noch das Risiko mit dem Safety-Car. Viel spielen kann man hier leider nicht mit der Taktik."

Mehr Spannung in Sachen Strategie erwartet Hembery im zweiten Rennen in Malaysia. "Dort steigt die Asphalttemperatur auf bis zu 60°C. Die Oberfläche ist sehr rau. Mit diesen Reifen gehen wir da wirklich aggressiv heran. In meinem Team haben einige schon die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Da sollte es mindestens drei Stopps geben. Es wird auf jeden Fall eine Herausforderung."

Mercedes schont die Reifen besser

Nach Analyse der Daten hat der Pirelli-Sportchef auch schon einige Überraschungskandidaten ausgemacht. "In Sachen Reifenverschleiß haben Mercedes und Lotus den größten Sprung nach vorne gemacht haben. Ich kann aber nicht sagen, wie die Reihenfolge der ersten sechs Teams genau aussieht. Mit den Eindrücken aus der letzten Saison würde ich aber sagen, dass Red Bull und McLaren aktuell noch in der stärksten Position sind."

Hembery warnt zudem, Ferrari vorschnell abzuschreiben. "Das ist sehr gefährlich. Von den Daten, die ich gesehen habe, hat Ferrari ab und zu eine richtig gute Pace gezeigt. Sie hatte viele Änderungen und Innovationen am Auto. Da finde ich es zu diesem Zeitpunkt etwas seltsam, ein Team wie Ferrari abzuschreiben. Sie haben noch viel Zeit es hinzubekommen. Ich erinnere nur an 2010, als sie auch einen schlechten Start hatten und die WM am Ende nur mit einem Punkt verloren haben. Von den Daten, die ich kenne, sieht es so aus, als hätten sie Potenzial. In der Formel 1 kann sich so etwas sehr schnell ändern."

Hembery warnt vor Grosjean

Spannend wird laut Hembery auch das teaminterne Duell bei Lotus. Räikkönen hinterließ bei den Tests einen guten Eindruck. Aber auch Grosjean dürfe man nicht unterschätzen. "Kimi war drei Jahre weg und ist Rallyes gefahren. Das scheint ihm aber nichts ausgemacht zu haben. Es wird interessant, wie er gegen Grosjean aussieht. Der war letztes Jahr in der GP2 und musste da immer sehr gut auf die Reifen aufpassen. Vom Verschleiß sind die noch aggressiver als in der Formel 1. Da hatten wir zum Teil Probleme, Rennen überhaupt zu beenden. Er ist also gut mit der Situation vertraut, seine Reifen zu managen."

Zu den Formel 1-Reifen der Generation 2012 gibt es laut Hembery noch einige Fragezeichen. "Es ist für die Piloten etwas schwerer zu verstehen, wann und wie der Reifen die beste Leistung bringt. Das ist aber auch gut so. Das ist eine Herausforderung für die Fahrer. Im letzten Jahr haben sie sich sehr schnell angepasst. Wir werden das genau beobachten. Während der Saison dürfen wir aber leider keine Veränderungen an den Reifen vornehmen, um niemand zu bevorzugen."

Hembery konnte auch noch nicht beantworten, ob es möglich ist, dass sich ein Reifen während des Rennens erholt, nachdem er zuvor zu hart angefahren wurde. Das Wissen über die neuen Regenreifen ist nach nur einem kurzen Schauer bei den Testfahrten ebenfalls gering. "Wichtig ist vor allem der Crossover-Punkt - also bei welchen Bedingungen der Intermediate-Reifen langsamer als der softe Slick ist. Das haben nur zwei Teams beim Testen ausprobiert. Im letzten Jahr konnte man schon sehr früh den Soft-Reifen aufziehen. Das dürfte sich aber etwas geändert haben."

Pirelli-Testfahrten in Europa

Ab Mai will Pirelli auch eigene Testfahrten durchführen, um die neuen Reifen besser kennenzulernen und neue Mischungen für die nächste Saison auszuprobieren. "Wir planen vier oder fünf Tests. Monza, Spa, Barcelona und Jerez - wir werden wohl in Europa bleiben. Wir würden auch gerne einen Nässe-Test durchführen. Vielleicht gehen wir nach Paul Ricard, wo man die Strecke wässern kann. Die Teams sind alle eingeladen, einen Beobachter zu schicken. Mehr als zuschauen ist aber nicht drin."

Als Testwagen bekommt Pirelli einen Renault R30 aus der Saison 2010 gestellt. Hembery ist damit nicht ganz zufrieden. "Wir hätten gerne ein 2011er Auto gehabt. Wir sind also einen Schritt weiter von dem entfernt, wo wir gerne sein würden." Dass es ein Renault und kein Red Bull wurde, war übrigens Absicht. "Wir wollten ein Auto aus dem Mittelfeld haben. Mit dem Weltmeisterauto hätten sich vielleicht einige beschwert. Zudem haben auch die Kosten eine Rolle gespielt."

Einen Fahrer für die Testfahrten habe man noch nicht verpflichtet. Der Auswahlprozess läuft aktuell. "Viele Namen sind auf der Liste. Auch welche, die man nicht auf der Rechnung hat. Wir hätten natürlich idealerweise gerne einen mit der Erfahrung aus der Saison 2011. Das würde den Kandidatenkreis dann schon auf eine kleinere Zahl reduzieren."

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