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Pirellis neue Formel 1-Reifen für 2013

Weicher, schneller, bunter

Pirelli F1 Reifen 2013 Foto: Pirelli 26 Bilder

Pirelli hat auch für die Saison 2013 neue Reifen gebaut. Die Teams müssen wieder bei Null beginnen. Die Mischungen werden weicher, die Seitenwände flexibler, die Reifenschulter härter. Und es gibt eine neue Farbe.

23.01.2013 Michael Schmidt

Es ist ein stetiger Kampf. Pirelli baut neue Reifen, und die Teams versuchen sie zu verstehen. In der ersten Phase garantiert das spannende Rennen. Doch sobald die Ingenieure und Fahrer die Reifen verstanden haben, folgen die Rennen einem vorbestimmten Muster.

2011 war das nach der Hälfte der Saison der Fall, im letzten Jahr nach zwei Drittel der Grand Prix. "Das macht die Rennen vorhersehbarer, kalkulierbarer und langweiliger", bedauert Reifenchef Paul Hembery. "Deshalb müssen wir jedes Jahr neue Reifen bauen, um die Uhren wieder auf Null zu stellen."

Neue Pirelli-Reifen sind zwei Kilogramm schwerer

Der Pirelli-Reifen der Saison 2013 ist innen und außen neu. Die Auflagefläche des Reifens wurde vergrößert. Da gibt der Schulter eckigere Form. Die Seitenwände sind um zehn Prozent weicher und federn mehr. Um den Verlust an Seitenstabilität aufzufangen, wurde die Schulter steifer ausgelegt.

Der zusätzliche Stahlring erhöht das Gewicht des Vorderreifens um 300, das des Hinterreifens um 700 Gramm. Ein Satz wiegt also insgesamt zwei Kilogramm mehr als im Vorjahr. Deshalb wird auch das Mindestgewicht der Autos auf 642 Kilogramm angehoben.

Weil sich die Reifen in Zukunft beim Bremsen und in Kurvenfahrt deutlich mehr verformen, musste Pirelli den Teams bereits im September die neuen Windkanalreifen zur Verfügung stellen. Dazu Hembery: "Die Form des Reifens hat einen großen Einfluss auf die Aerodynamik. Wir haben sehr viel Entwicklungsarbeit in die bessere Korrelation unserer Windkanalreifen mit den Originalprodukten gesteckt."

Rundenzeiten mindestens eine halbe Sekunde schneller

Die Maßnahmen werden das Fahrverhalten dramatisch verändern. Paul Hembery verspricht eine bessere Traktion, ein aggressiveres Einlenkverhalten, mehr Bremsstabilität und eine bessere Temperaturverteilung über die gesamte Lauffläche des Reifens. Das erschwert die Blasenbildung.

Dazu kommen weichere Mischungen, die sich über die vier Reifentypen hart, medium, soft und supersoft in Abständen von jeweils einer halben Sekunde staffeln. "Die Fahrer können jetzt in Kurven hineinbremsen, und sie können früher Gas geben. Ich erwarte, dass die Rundenzeiten um 0,5 bis 0,8 Sekunden sinken", prophezeit Hembery.

Für die Zuschauer wird sich auch etwas ändern. Die Reifentypen sind durch den Einsatz von Leuchtfarben einfacher zu erkennen. Das Farbschema bleibt mit einer Ausnahme erhalten. Der harte Reifen trägt den Pirelli-Schriftzug nicht mehr in dunkelgrau sondern in orange.

Priorität hat eine gute Show

Im Vordergrund der neuen Reifenentwicklung stand erneut der Wunsch der Teams und von Bernie Ecclestone nach einer guten Show. Die 2013er Autos werden nur eine Weiterentwicklung der Vorjahresmodelle sein. Es ist das letzte Jahr des seit 2009 gültigen Reglements. Keiner wird das Rad neu erfinden, bevor 2014 das Turbozeitalter beginnt. Somit ist auf der Autoseite nicht mit großen Überraschungen zu rechnen. Deshalb musste Pirelli nachhelfen.

Pirelli-Präsident Mario Tronchetti Provera umreißt die Philosophie der Mailänder Reifenfirma in vier Worten: "Mehr Performance, mehr Überraschungsfaktor." Der Vorwurf, Pirelli erwecke damit den Eindruck, man könne keine langlebigen Reifen bauen, entkräftet der oberste Dienstherr über 30.000 Mitarbeiter: "Es gibt nichts einfacheres als einen Reifen zu bauen, der ein ganzes Rennen hält." Sein Rennleiter Paul Hembery bestätigt: "Das haben wir letztes Jahr in Austin gezeigt. Die Reifen dort hätten vier Renndistanzen durchgestanden."

Pirellis Ziel: zwei Boxenstopps pro Rennen

Die Rundenzeiten werden 2013 zwar deutlich schneller, aber dafür nutzen sich die Reifen auch schneller ab. Der Fachmann spricht von "thermischer Degradation". Pirelli hat sich zwei Boxenstopps pro Rennen zum Ziel gesetzt. "In den letzten Rennen des vergangenen Jahres ist uns genau das passiert, was wir vermeiden wollen. Die Autos sind trotz der Reifenabnutzung wegen der abnehmenden Benzinmenge immer schneller geworden", klagt Hembery. "Dagegen mussten wir etwas unternehmen."

Die Fahrer bekamen bereits einen Vorgeschmack auf die neuen Reifen. Pirelli stellte im Freitagstraining zum GP Brasilien allen zwei Reifensätze mit der neuen Konstruktion zur Verfügung. Die Gummimischung war noch Stand 2012. "Aber allein die Konstruktion des Reifens hat die Rundenzeiten um zwei bis drei Zehntel verbessert", resümiert Hembery. "Dazu kommen jetzt deutlich weichere Mischungen. Einfach gesprochen: Der harte Reifen 2013 ist mit einem Medium-Reifen von 2012 zu vergleichen."

Sind Button und Räikkönen die Profiteure?

Wer wird von den neuen Reifen am meisten profitieren, wer wird am meisten bestraft? Diese Frage wollte Paul Hembery nicht beantworten. "Wir können es nie allen Recht machen. Einigen Fahrern kommen die Fahreigenschaften der neuen Reifen mehr entgegen als anderen. Aber sie sind alle gut genug, sich anzupassen."

Jean Alesi, Pirellis neuer Botschafter, wirft ein: "Dann gibt es da auch noch die Möglichkeit der Ingenieure, mit der Aufhängungsgeometrie oder dem Setup darauf zu reagieren." Wir würden sagen: Die neuen Reifen sind maßgeschneidert für Kimi Räikkönen und Jenson Button. Weil sie sich schneller aufheizen und rascher verschleißen.

In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen die neuen Pirelli-Reifen für 2013 im Detail und haben einige verrückte Gummi-Statistiken zur Vorsaison.

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