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Pirelli reagiert ab Montreal

Neuer alter Reifen zum GP Kanada

Jean-Eric Vergne GP Spanien 2013 Foto: Daniel Reinhard 26 Bilder

Pirelli kehrt ab dem GP Kanada in Teilen zu den Reifenkonstruktionen von 2012 zurück. Die Mischungen werden aber, wenn überhaupt, nur minimal geändert. Pirelli versucht so den Spagat zu schaffen, einerseits die Zahl der Boxenstopps zu reduzieren, die Probleme mit der Delaminierung der Lauffläche zu verhindern und Ferrari und Lotus nicht allzu sehr zu verärgern.

14.05.2013 Michael Schmidt

Ab dem GP Kanada gibt es neue Reifen. Pirelli hat die Änderung um ein Rennen vorgezogen, weil man sich nicht länger Kritik aus den Reihen der Fans, der Fahrer und der Teams anhören will. Sportchef Paul Hembery nahm sich besonders die Klagen der Zuschauer zu Herzen: "Die Fans sind uns wichtig. Zuletzt gab es aus ihren Reihen zunehmend negative Stimmen, dass es zu viele Boxenstopps gibt. Auch wir sind der Meinung, dass zwei oder drei Stopps besser wären." Die Klagen der Teams und Fahrer kann Hembery nicht ganz verstehen. "Vettel hat 2011 in Barcelona mit vier Stopps gewonnen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sich vor zwei Jahren irgendjemand beschwert hätte."

2012er Karkasse fordert Aerodynamiker

Die Grundsatzentscheidung über die Modifikationen an den Reifen ist bereits gefallen. Details werden den Teams am Donnerstag mitgeteilt. Ab Freitag beginnt die Produktion. Fest steht, dass Pirelli zu großen Teilen die 2012er Karkasse übernimmt. "Es werden aber noch einige Elemente der diesjährigen Konstruktion enthalten sein. Das Ziel der Änderung ist, dass sich die Mischungen nicht so stark aufheizen, vor allem an der Hinterachse."
 
Für die Aerodynamiker bedeutet das viel Arbeit. Die neuen Reifen werden weniger stark walken und sich in Kurvenfahrt weniger verformen. Das könnte unter Umständen die Rettung für Teams wie McLaren, Sauber und Williams sein. Es wird auf jeden Fall auch Red Bull und Mercedes helfen, weil sie ein kleineres Spektrum an Fahrwerksabstimmungen haben, um auf das starke Walken der Reifen zu reagieren. Für Ferrari, Lotus und Force India ist es möglicherweise eine schlechte Nachricht. Dazu Hembery: "Pirelli muss jetzt an Pirelli denken."

Alte Reifen-Konstruktion mit 2013er Mischungen

In den nächsten beiden Tagen laufen in Mailand Prüfstandstests um über die Mischungen zu entscheiden. Hembery will hier den Teams einen Stein in den Garten werfen, die sich mit der Karkassenänderung benachteiligt fühlen. "Es kann gut sein, dass wir die Mischungen beibehalten wie wir sie in Barcelona eingesetzt haben. Wenn überhaupt, wird es nur geringe Änderungen geben. Wir wollen mit den Mischungen auf der aggressiven Seite bleiben, um die Rennen spannend zu halten und nicht die Teams zu bestrafen, die mit den Reifen gut zurecht gekommen sind. Wenn wir es schaffen, mit den neuen Konstruktionen die Temperaturen in den Mischungen zu senken, müssen wir an der Gummistruktur wahrscheinlich nichts oder nicht viel ändern. Und so hätten wir dann Rennen mit zwei bis drei Stopps."

Sorge um Delaminierung der Lauffläche

Als Grund für den Umkehrschwung gibt Hembery an, dass nicht nur der Aufschrei der Fans ausschlaggebend gewesen sei, sondern auch die Sorge um die Ablösung der Lauffläche in extremen Fällen. Im Rennen passierte es auch am Toro Rosso von Jean-Eric Vergne. Es war bereits der fünfte Fall von Delamination in dieser Saison. Ein Sicherheitsrisiko, so wie Red Bull-Berater Helmut Marko zu erklären versuchte, waren diese Reifenschäden nie.

Im Gegenteil. Die Fahrer konnten ihre Autos auch in Extremsituationen auf der Strecke halten oder an die Boxen zurückbringen. Mit der alten Karkasse wären die Reifen explodiert. Es sieht halt nur blöd aus, wenn es die Lauffläche vom Unterbau schält. In einem Sport, in dem jeder nur seinen eigenen Vorteil sieht, bestimmt das Resultat das Urteil.

Red Bull trommelt gegen die Reifen, Lotus will das nicht verstehen. Kimi Räikkönen kam nach dem GP Spanien zu Paul Hembery und wunderte sich über die Reifenschelte einiger seiner Kollegen. "Kimi hat mir gesagt, dass der Fahrer ganz einfach den Verschleiß kontrollieren kann. Er verstünde nicht, warum sich die Leute jetzt so aufregen. Im letzten Jahr war es genauso."

Pirelli fordert Wintertests im Sommer

Nach der Erfahrung von diesem Jahr fordert Pirelli jetzt vehement für die Saison 2014 Wintertests bei sommerlichen Temperaturen. Zum Beispiel in Bahrain oder Abu Dhabi. "Wir können es nicht mehr akzeptieren, nur bei kaltem Wetter zu testen, weil wir da nichts über die Reifen lernen."

Hembery hätte auch gerne ein 2013er Auto für eigene Testfahrten. "Der Renault, den wir haben, ist drei Jahre alt und vier Sekunden langsamer als die heutigen Autos. Die haben jetzt schon wieder so viel Abtrieb wie 2011 mit dem angeblasenen Diffusor. Auf dieser Basis kann man keine Reifen entwickeln."

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