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Pirelli Reifen-Zukunft

Mehr Speed? Mehr Auswahl? Quali-Reifen?

Michael Schumacher Foto: Pirelli 21 Bilder

Pirelli arbeitet bereits an der Reifenzukunft der Formel 1. Ausgeschlossen ist nichts. In der Diskussion stehen mehr Mischungen zur Auswahl, schnellere Reifen für 2013 und vielleicht sogar ein spezieller Qualifying-Reifen für nur eine schnelle Runde. Die Teams dürfen entscheiden, was sie wollen.

24.06.2011 Tobias Grüner

Die Pirelli-Reifen haben den Teams viel Freude gemacht in dieser Saison. Mehr Überholmanöver, mehr Boxenstopps, mehr Action, eine bessere Show. Nach nur sieben Rennen weint Bridgestone niemand mehr eine Träne nach. Damit das auch so bleibt, hat Pirelli für die Zukunft schon viele kreative Ideen. Der italienische Lieferant hat Blut geleckt. Das Thema Reifen soll auch in Zukunft im Mittelpunkt stehen.

"Wir denken jetzt schon für die kommende Saison nach, wo es noch Schwächen im System gibt, die man beheben kann", erklärte Pirelli-Sportchef Paul Hembery in Valencia. Eine konkrete Änderung betrifft zum Beispiel die Regenreifen. "Wenn die beiden ersten Freien Trainings unter nassen Bedingungen stattfinden, dann brauchen wir wohl einen zusätzlichen Satz Intermediates für den Rest des Wochenendes. Wir haben uns darauf geeinigt, dass das für nächstes Jahr in das Reglement kommen soll."

Teams lehnen Änderung der Quali-Reifenregel ab

Eine weitere Änderung hatte sich Hembery für das Qualifying ausgedacht. Fahrer, die in der dritten Runde ohne gezeitete Runde blieben, um sich einen Satz zu sparen, sollten dafür nicht noch mit freier Reifenwahl am Start belohnt werden. "Sie sollten auf den Reifen starten, mit denen sie im Q2 ihre schnellste Runde gedreht hatten", so Hembery. "Von der Formel 1-Kommission wurde der Vorschlag begrüßt, jetzt geht es wieder zurück zur Arbeitsgruppe für das sportliche Reglement (SWG). Wenn es da durchgeht, muss es nur noch durch den FIA-Weltrat."

Eine Nachfrage bei den Teams ergab, dass FIA-Chef Charlie Whiting sogar schon bei der SWG nachgefragt hat. Dort war man allerdings nicht so begeistert. Der Pirelli-Vorschlag wurde mit einfacher Mehrheit von den Teamverantwortlichen abgelehnt. Wenn es doch noch für die Saison 2012 in das Sportgesetz kommen soll, müsste die Änderung beim nächsten SWG-Meeting nun sogar mit einem einstimmigen Votum  beschlossen werden. Solch ein Stimmungsumschwung ist jedoch sehr unwahrscheinlich.

Laut Hembery sollen die Mischungen bis zum Saisonende 2011 nun nicht mehr verändert werden, solange die Teams keine größeren Klagen vorbringen. "Wir wollen die Sache aber noch ein bisschen abwechslungsreicher machen. Mit ein paar Überraschungen. Wir müssen nur schauen, dass wir insgesamt im Schnitt bei zwei bis drei Boxenstopps pro Auto liegen. Dann sind wir zufrieden."

Große Änderungen an den Mischungen soll es auch für nächstes Jahr nicht geben. Für die langfristige Zukunft hat Hembery aber schon viele verschiedene Ideen im Köcher. "Wir wollten erst einmal die halbe Saison abwarten. Nach Silverstone werden wir uns zusammensetzen und den Teams etwas präsentieren."

Pirelli High-Performance Reifen für 2013

Relativ sicher soll 2013 ein Reifen kommen, der unter Rennbedingungen deutlich schneller ist. "Da haben wir noch Arbeit vor uns", so Hembery. "Die Aerodynamik wird beschnitten und wir müssen den Teams einen kleinen Schub geben, damit sie auf Rundenzeit kommen."

Um weiter Würze in die Formel 1 zu bringen, hat der Brite noch weitere interessante Ideen. "Wir haben viele Möglichkeiten. Vielleicht erhöhen wir die Anzahl der verschiedenen Reifen. Vielleicht bringen wir drei Mischungen zu einem Rennen. Vielleicht mit sechs Mischungen insgesamt zur Auswahl. Ich weiß es noch nicht. Es gibt viele Ideen."

Bringt Pirelli die Qualifying-Reifen zurück?

Eine weitere Idee hatten wir in der Formel 1 sogar schon einmal. Hembery überlegt, einen reinen Reifen für die Qualifikation zu bauen. "Diese Super-Qualifier, die dann nur eine Runde halten und super-klebrig sind. Am Ende liegt die Entscheidung bei den Teams, ob Sie etwas Außergewöhnliches wollen. Vielleicht sagen Sie nein. Dann machen wir ganz normal weiter. Das ist auch gut."

Eine kurze auto motor und sport-Umfrage im Fahrerlager zeigt, dass Fahrer und Teams eigentlich ganz zufrieden mit dem aktuellen Modell sind. RTL-Experte Christian Danner kennt reine Qualifying-Reifen noch aus seiner eigenen Laufbahn als Formel 1-Pilot. "Davon halte ich nicht so viel. Da hat jeder Fahrer nur einen Schuss. Sonst ändert sich eigentlich nichts", so der Experte. "Ich finde das aktuelle System hervorragend. Aber ich finde es auch gut, dass man bei Pirelli trotzdem offen für alles ist und sich Gedanken macht."

Die aktuelle Fahrergeneration kann mit reinen Qualiying-Reifen ebenfalls nicht allzuviel anfangen. "Von mir aus", zuckt Michael Schumacher wenig begeistert mit den Schultern. "Ich weiß aber nicht, ob das so viel bringt." Timo Glock fügt ebenso lustvoll an. "Sollen sie ruhig machen. Mal schauen, was dabei rauskommt."

Sebastian Vettel überlegt etwas länger, kommt aber ebenfalls zu keinem eindeutigen Ergebnis. "Für den Zuschauer verändert sich nichts. Dem Fahrer geht natürlich schon einer ab, wenn er statt 1:20 plötzlich eine 1:18er Runde fährt. Aber wenn damit der Rennreifen noch zwei Sekunden weiter entfernt ist, haben wir auch nichts gewonnen. Ich hätte gerne, dass die Rundenzeit im Rennen so nahe wie möglich am Qualifying liegt." Und was ist mit dem Vorschlag zu mehr verschiedenen Mischungen? "Bedeutet nur mehr Arbeit", grinst Vettel kopfschüttelnd.

Medium-Reifen auch in Silverstone

Die nahe Zukunft heißt für Pirelli aber nicht 2012 oder 2013 sondern Silverstone. Hembery gibt zu, dass man in Valencia vielleicht lieber mit den beiden Mischungen super soft und soft angetreten wäre. Jetzt hat man den Medium-Reifen im Gepäck, der vielen Piloten etwas zu hart ist. Laut Hembery wollte man sehen, wie sich der Medium unter Rennbedingungen schlägt, weil er zwei Wochen später auch auf der Highspeed-Strecke in Silverstone zum Einsatz kommen soll.

Dort wollte man den Teams nicht auch noch einen neuen Reifen präsentieren, weshalb man die Premiere auf Valencia vorverlegte. "In Silverstone haben die Teams mit den Regeländerungen schon genug Sachen, die sie beschäftigen", erklärt Hembery. Welche Mischungen in England gefahren werden, konnte er aber noch nicht genau sagen. "Eigentlich haben wir mit medium und hard statt medium und soft geplant. Aber je nachdem, wie der Medium-Reifen hier abschneidet, werden wir das vielleicht nochmal überdenken."

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