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Pirelli Sportchef Hembery

"Ideal sind drei Stopps pro Fahrer"

Paul Hembery Pirelli 2011 Foto: Pirelli 29 Bilder

Sportchef Paul Hembery erklärt auto motor und sport Pirellis neue Reifenwelt. Der 45-jährige Engländer spricht über Konstruktionen und Mischungen und über die Schwierigkeiten einen Reifen zu bauen, der nicht zu gut und nicht zu schlecht ist.

26.01.2012 Michael Schmidt
Wie ändert sich die Form der Reifen?

Hembery: Sie sind an der Schulter eckiger. Das macht sie um zwei Zentimeter breiter. Wir konnten am Verschleißbild der Vorjahresreifen erkennen, dass die Kanten zu wenig Straßenkontakt hatten.

Was bringt das?

Hembery: Die Temperatur verteilt sich über eine größere Fläche. Das reduziert die Blasenbildung. Mehr Gummi auf der Straße bedeutet auch mehr Grip. Wir können weichere Mischungen fahren. Deshalb werden drei der vier Mischungen weicher.

Der Hinterreifen soll im Vergleich zum Vorderreifen besser werden. Um wie viel?

Hembery: Der Vorderreifen wird zwei Prozent mehr Grip bieten, der Hinterreifen sechs Prozent. Die Teams werden ihre Autos besser für die Reifen maßschneidern, weil sie unser Produkt besser einschätzen können. Wer letztes Jahr noch Mühe hatte mit der Balance, wird sie dieses Jahr in den Griff bekommen.

Werden Starts durch den verbesserten Hinterreifen einfacher?

Hembery: Die Fahrer haben die Reifen im Verlauf der Saison immer besser verstanden. Es muss aber nicht unbedingt das Ziel sein, den Fahrern das Leben einfacher zu machen. Am Ende der Saison kamen einige auf mich zu und haben gesagt, dass es ihnen lieber ist, wenn der Fahrer den Unterschied ausmachen kann. Ganz im Gegensatz zum Saisonbeginn, wo einige noch Angst hatten, sie könnten die Reifen gar nicht kontrollieren.

Wäre es im Sinne der Unberechenbarkeit nicht besser, die Telemetrie zu verbieten? Weniger Daten, weniger Knowhow.

Hembery: Es wäre ein interessanter Ansatz, aber die Formel 1 ist heute zu komplex, als dass man auf die Datenauswertung verzichten könnte. Schon allein aus Sicherheitsgründen. Wir haben immer noch einige Möglichkeiten, dem Überraschungsfaktor nachzuhelfen.

Welche?

Hembery: In dem wir den Teams die beiden Reifentypen erst mitteilen, wenn wir an der Rennstrecke sind. Oder 20 Mischungen anbieten. Das ist jetzt ins Extrem gesprochen. So weit wird es nicht kommen. Es könnte aber in die Richtung gehen, wenn wir das Gefühl haben, dass die Rennen zu vorhersehbar sind.

Die Autos haben mit dem Verbot des angeblasenen Diffusors möglicherweise weniger Abtrieb. Sind die neuen Reifen dafür dann nicht zu gut?

Hembery: Darauf würde ich nicht setzen, auch wenn die Teams das jetzt behaupten. Wie oft wurde uns erzählt, dass Abtrieb verlorengeht, und dann kam es ganz anders? Und selbst wenn es so wäre, würde es ein neues Problem schaffen. Es gäbe hinten mehr Schlupf, einen höheren Verschleiß und mehr Körnen.

Wann legen Sie sich für die ersten vier Rennen fest?

Hembery: Intern haben wir uns schon für die ganze Saison ein Bild gemacht, welche zwei Reifentypen zum Einsatz kommen. Wir werden unter den vier Mischungen mehr durchwechseln und im Vergleich zu 2011 weniger oft den Reifentyp "soft" bringen. Das kann sich aber nach den ersten Testfahrten noch ändern, sollten diese unvorhersehbare Ergebnisse liefern. Ich fürchte nur, dass die Teams ihre Karten frühestens beim zweiten Testtermin oder sogar noch später aufdecken werden.

Steht die Show wieder im Vordergrund?

Hembery: Auf jeden Fall. Aber ich sage ihnen, dass es gar nicht so einfach ist, einen Reifen zu bauen, der zwölf bis 14 Runden hält. Da besteht immer die Gefahr, dass man über das Ziel hinausschießt und dann einen Reifen hat, der vier oder fünf Wechsel im Rennen verlangt. Für uns wäre es viel leichter, Reifen zu konstruieren, mit denen man die ganze Renndistanz fahren kann. Aber das wäre für die Zuschauer zu langweilig. Wir kennen unseren Auftrag und behalten es uns vor, jederzeit auf die Situation zu reagieren. Ideal wären im Schnitt drei Stopps pro Rennen und Fahrer.

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