Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Pirelli-Sportchef Paul Hembery

"Schumacher ist frustriert"

Paul Hembery Pirelli 2012 Foto: xpb 107 Bilder

Pirelli-Reifenchef Paul Hembery hat auf die Kritik von Michael Schumacher an der Bedeutung der Reifen reagiert. Der Engländer keilt zurück. Er führt die Äußerungen des Rekordsiegers auf eine gehörige Portion Frust zurück.

01.05.2012 Michael Schmidt
Herr Hembery, haben Sie schon mit Michael Schumacher gesprochen?

Hembery: Wir haben noch nicht miteinander gesprochen. Ich habe gerade im Netz eine Aussage von seinem Teamkollegen Nico Rosberg gelesen. Der sagt etwas ganz anderes über die Reifen. So ziemlich das Gegenteil.

Hat Sie die Kritik von Schumacher an den Reifen geärgert?

Hembery: Wir haben die Reifen gebaut, die man von uns verlangt hat. Die FIA, Bernie Ecclestone, aber auch die Teams wollten das so. Der Sprecher der Teams war seinerzeit Ross Brawn, also Schumachers Teamchef.

Was wird denn von Ihnen verlangt?

Hembery: Dass wir einen Reifen bauen, der in einem kontrollierten Maß Grip verliert. Wir hatten bislang vier Rennen und vier verschiedene Sieger. Das allein zeigt, dass wir etwas richtig gemacht haben müssen. Als Fan wäre ich begeistert. Sie wollen nicht, dass wie früher ein Auto am Horizont verschwindet und alles gewinnt. Deshalb hat man KERS und DRS eingeführt, und uns gebeten, Reifen mit einem bestimmten Gripabbau zu fertigen. Die weltweiten TV-Zahlen haben gezeigt, dass wir in der Ära, in der ein Auto überlegen war, massiv Zuschauer verloren haben. Die einzige Ausnahme war natürlich Deutschland, weil fast immer ein deutscher Fahrer gewonnen hat.

Können Sie Schumachers Verärgerung wenigstens verstehen? Ein Rennfahrer will eben immer am Limit fahren.

Hembery: Sie fahren am Limit. Die vier Sieger in dieser Saison sind doch kein Zufallsprodukt gewesen. Das waren die absoluten Top-Piloten und sie waren in diesen Rennen jeweils schneller unterwegs als ihre Teamkollegen. Ich kann verstehen, dass Michael in den letzten Rennen frustriert war. Unter den vier Siegern waren zwei deutsche Fahrer, und dann kommt auch noch Kimi, der schon im vierten Rennen nach seinem Comeback auf das Podium gefahren ist. Rennfahrer sind Siegertypen. Die sind nie happy, wenn sie nicht gewinnen.

Ist es gut, wenn der Reifen eine größere Rolle spielt als der Fahrer?

Hembery: Das ist doch ein Irrglaube. Der Fahrer hat einen riesigen Einfluss. Ich hatte letztes Jahr bei einem Abendessen sieben Fahrer am Tisch. Sie hatten anfangs alle ihre Zweifel, ob das mit den Reifen der richtige Weg ist. Dann haben sie uns Recht gegeben. Weil der Fahrer wieder den Unterschied macht. Er kann mit seiner Fahrweise bestimmen, ob er aus dem Reifen das Maximum herausholt.

Die Teams kennen die Pirelli-Reifen nun seit einem Jahr. Warum stehen sie jetzt schon wieder vor einem Rätsel?

Hembery: Wir haben die Mischungen weicher gemacht und hinten die Auflagefläche verändert. Das war ein mutiger Schritt. Aber die Autos haben einen viel größeren Wandel durchgemacht, als wir alle geglaubt haben. Sie haben im Heck deutlich weniger Abtrieb. Deshalb müssen die Teams wieder neu lernen, wie sie ihre Autos auf die Reifen abstimmen. Ich bin überzeugt, dass sie spätestens ab Silverstone das Problem im Griff haben. So war es letztes Jahr auch. Tatsächlich wurde uns in der zweiten Saisonhälfte 2011 vorgeworfen, dass wir mit unseren Reifen zu konservativ waren, und dass die Rennen zu vorhersehbar wurden. Martin Whitmarsh von McLaren hatte uns gebeten, seinen Ingenieuren mit neuen Reifen wieder eine Aufgabe zu geben.

Könnte Pirelli überhaupt Reifen bauen, die länger halten?

Hembery: Das ist doch kein Kunststück. Unsere Mischungen hart und medium hatten 2011 eine so genannte negative Degradation. Das heißt, die Rundenzeiten wurden trotz alternder Reifen dank des abnehmenden Tankinhalts schneller. Wenn es verlangt wird, dass die Reifen das ganze Rennen ohne gravierenden Gripverlust durchhalten sollen, dann tun wir das. Ich zweifle aber, ob das der richtige Weg wäre. Wir würden dann langweilige Rennen sehen.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden