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Pirelli unter Verdacht

"Das Leid eines Reifen-Lieferanten"

Felipe Massa - Reifenschaden - GP China 2016 Foto: sutton-images.com 95 Bilder

Drei Reifenschäden im ersten Freien Training ließen den Blick schnell auf Pirelli schweifen. Dabei konnte der Gummi-Lieferant für die Pannen am Auto von Felipe Massa und Kevin Magnussen nichts dafür. Pirelli-Sportchef Paul Hembery nahm es locker.

15.04.2016 Andreas Haupt

Pirelli hat einen der schwersten Jobs der Formel 1. Wenn nicht sogar den schwersten. Der Reifenlieferant muss die FIA, Bernie Ecclestone, 11 Teams und 22 Fahrer glücklich machen. Ein Ding der Unmöglichkeit. Mindestens einer schimpft immer.

Pirelli überdenkt hohe Reifendrücke

Nach dem ersten Trainingstag zum GP China 2016 war es Romain Grosjean. Der Haas-Pilot klagte über die hohen Reifendrücke von 23 PSI vorn und 20 PSI hinten. "Es fährt sich wie auf Holzrädern. Das Auto untersteuert, du blockierst vorne dauernd die Bremsen. Und hast keine Traktion. Es ist null Grip da." Dagegen drückte sich Max Verstappen diplomatischer aus: "Es ist für alle gleich. Durch die hohen Drücke hast du einfach weniger Grip. Aber so ist es halt."

Pirelli-Sportchef Paul Hembery nahm die Kritik von Grosjean locker. Auch er sah die mangelnde Traktion als ein Problem an. Dann die sachliche Antwort auf die Grosjean-Attacke: "Wir müssen jetzt analysieren, uns die Telemetrie-Daten der Teams und die Simulationen vor dem Wochenende anschauen. Dann überprüfen wir, ob die Vorschriften, die wir gemacht haben, korrekt sind." Heißt: Die Vorschriften könnten gelockert werden.

Reifenplatzer gingen nicht auf Pirelli-Konto

Die 3 Reifenplatzer aus dem ersten Freien Training an den Autos von Felipe Massa und Romain Grosjean brachte Pirelli nicht aus der Ruhe. Dass alle im ersten Moment mit dem Finger auf die italienische Reifenfirma zeigen, sobald es zu Reifenschäden kommt, ist Pirelli gewohnt. "Das ist das Leid eines Reifenlieferanten. Aber so ist das Leben", resümiert Hembery.

Die Ursache für die platten Reifen lag bei den betroffenen Teams. Am Renault von Kevin Magnussen war die Aufhängung gebrochen. Am Williams von Felipe Massa hatte die Bremsverkleidung die Felge durchgescheuert.

Hembery erklärt, wie Pirelli ausschloss, an den Schäden die Schuld zu tragen. "Es ist ein Prozess der Eliminierung. Du gehst durch die Daten, die du von den Teams bekommen kannst. Dann gibt es die Hinweise vom Fahrer. Und dann hast du ja noch den objektiven Beweis, wenn du die Reifen anschaust." Und natürlich Erfahrungswerte.

Für den GP China bringt Pirelli wie bei den vorherigen Rennen die Mischungen supersoft, soft und medium. Die Unterschiede zwischen den Sätzen sind nicht ganz wie erwartet. "Es liegen 7 Zehntel zwischen Supersoft und Soft. Zwischen Soft und Medium wiederrum eine Sekunde. Da müsste eigentlich mehr dazwischen liegen", erklärt Hembery.

Der Reifenpapst erwartet, dass die weichste Mischung nur im Qualifying und den ersten Rennrunden eine tragende Rolle spielen wird. "Der Supersoft ist mehr oder weniger ein Quali-Reifen. Wir erwarten, dass er nach 7 oder 8 Runden abgelegt wird."

Pirelli will Überholen 2017 einfacher machen

Eine gute Nachricht brachte der Freitag in Shanghai auch für Pirelli. Die FIA schaffte Rahmenbedingungen für Reifentests mit Blick auf die neu geplante Autogeneration 2017. Es soll noch in diesem Jahr mit modifizierten 2015 Autos getestet werden. Dafür müssen aber erst Testautos gebaut werden.

Mercedes, Ferrari, Red Bull, McLaren und Williams haben ihr Interesse bekundet. "Es ist eine Frage, wer es machen kann", sagt Hembery. Einen möglichen Zeitpunkt für erste Reifentest mit den umgebauten 2015er Autos hat der Pirelli-Sportchef schon ins Auge gefasst. "Ich würde Ende Juli antizipieren. So rund um Hockenheim."

Mit den breiteren Reifen will Pirelli auch das Überholen erleichtern. "Wir arbeiten an Reifen, die ein breiteres Arbeitsfenster haben und in den Turbulenzen nicht zu schnell überhitzen." Das vereinfacht das Hinterherfahren. Und dann nach Hoffnung der Verantwortlichen auch das Überholen.

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