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Pirelli verteidigt Reifen-Test

"Mercedes-Test nicht mit 2013er Reifen"

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - Test - Barcelona - 2. März 2013 Foto: ams 26 Bilder

Pirelli hat sich im Mercedes Reifentest-Skandal aus der Deckung gewagt. Der Gummilieferant betont, dass Mercedes nicht bevorzugt wurde und es sich bei den getesteten Reifen um Modelle für die kommende Saison gehandelt habe.

31.05.2013 Tobias Grüner

Pirelli geht in die Offensive. Nachdem die Fachwelt eine Woche über den gemeinsamen Reifentest mit Mercedes in Barcelona diskutiert hat, versucht der Reifenhersteller nun seine Sicht der Dinge darzustellen. In einer öffentlich über das Internet ausgestrahlten Telefonkonferenz verteidigte Pirelli-Sportchef Paul Hembery das Vorgehen.

Am vehementesten wehrte sich der Reifenausrüster gegen Vorwürfe, man habe Mercedes mit dem Test einen Vorteil verschafft. "Wir haben im März 2012 alle Teams darüber informiert, dass die Möglichkeit von 1.000 Kilometer Reifen-Tests besteht. Da kam aber keine Antwort. Die Einladung haben wir in unterschiedlichem Umfang an einige Teams widerholt", erklärte Hembery.

Pirelli hat nicht um 2013er Mercedes gebeten

"Wir müssen den Teams aber in Kürze Informationen über die 2014er Reifen geben. Deshalb war es wichtig, mit einem repräsentativen Auto zu testen. Wir haben dabei nicht konkret um ein 2013er Auto gebeten. Dass Mercedes ein Auto von 2013 eingesetzt hat, wurde zwischen dem Team und der FIA abgesprochen."

Das eigene Testauto, ein Renault von 2010, das laut Pirelli 4 Sekunden langsamer als die aktuelle Formel 1-Generation ist, sei nicht repräsentativ und stand außerdem nicht zur Verfügung. Es war bei einem Promo-Event auf dem Philippinen im Einsatz.

Keine Reifendaten für Mercedes

Pirelli bestreitet, dass Mercedes bei dem Test große Erkenntnisse gesammelt hat. "Der Test war komplett blind. Die Reifen waren nicht markiert. Wir haben Mercedes nicht erlaubt, Setup-Änderungen durchzuführen. Wir haben dem Team nur gesagt, welche Runs sie absolvieren sollen. Es kam außerdem nur eine Reifenmischung zum Einsatz, die 2013 nicht verwendet wird. Mit dieser Mischung haben wir 12 verschiedene Konstruktionen getestet, nur eine davon mit Kevlar."

Die verbesserten 2013er Reifen, die im Kanada-Training erstmals von allen Teams getestet werden dürfen, seien nicht zum Einsatz gekommen. "Deshalb ist der Nutzen für die Piloten auch gleich null", so Hembery. Dass Mercedes in Monaco gewonnen hat, habe nichts mit dem Test zu tun. "Mercedes war auch im Vorjahr schon auf Pole Position und Rosberg auf Rang zwei. Der Verschleiß in Monaco ist bekanntermaßen gering und nicht repräsentativ."

Auch den Vorwurf der Geheimniskrämerei versuchte Pirelli zu entkräften. "Wir haben die Strecke in Barcelona offiziell unter unserem Namen angemietet und bezahlt. Unsere Trucks standen für jeden sichtbar im Fahrerlager. Unser Personal war in offizieller Pirelli-Teamkleidung unterwegs", so Hembery. Ein Test mit mehreren Teams war niemals vorgesehen. "Das wäre einfach nicht praktikabel gewesen."

Pirelli-Ingenieur Mario Isola gab allerdings zu, dass man die anderen Teams nicht über den Test informiert hat und auch keine Daten herausgeben will. "Da es sich um 2014er Reifen gehandelt hat, sind die Entwicklungsdaten vertraulich. Wir haben den Teams nur grob gesagt, wie unser Fahrplan aussieht."

Pirelli 2014 mit konservativen Reifen

Pirelli bat um Verständnis, dass die Entwicklung der 2014er Reifen besondere Maßnahmen erfordert. "Durch die neuen Motoren erhöht sich das Drehmoment. Die Reifen drehen wohl noch im vierten und fünften Gang durch. Es könnte sein, dass der Top-Speed um 20 bis 30 km/h steigt. Auch die Gewichtsverteilung könnte sich ändern. Es gibt viele Fragen, auf die wir vorbereitet sein müssen", erklärte Hembery.

Der Brite kündigte an, dass Pirelli in Sachen Reifenmischungen in der kommenden Saison einen "konservativeren Ansatz" wählen wird, um die Teams nicht auch noch an der Gummi-Front vor neue Probleme zu stellen. Für dieses Jahr scheinen aber keine größeren Änderungen an der Mischungen mehr möglich zu sein.

"Wir hätten gerne den harten Reifen so geändert, dass wir das Limit von 3 Stopps auf allen Strecken sicher einhalten. Aber dafür bräuchte wir die Unterstützung aller Teams. Einige haben bei der Entwicklung ihrer Autos vor der Saison Priorität auf den Reifenverschleiß gelegt. Es ist klar, dass sie durch Änderungen nicht bestraft werden wollen."

Geänderter Reifen ab Silverstone

Hembery hofft, dass wenigstens die neue Struktur des Reifengürtels für das Rennen in Silverstone durchgeht, um das Delaminierungsproblem zu beseitigen. Eigentlich wollte man die Änderung schon in Kanada im Rennen einsetzen. "Da waren wir aber wohl etwas zu schnell", gab Hembery zu. "Wir werden die neuen Reifen jetzt im Freien Training testen und sie dann in Silverstone im Rennen einsetzen."

Sollte sich die Charakteristik durch den neuen Kevlar-Ring (statt Stahl) in der Reifenschulter stark ändern, könnte aber wieder Protest drohen. "Die Teams haben uns signalisiert, dass es Verständnis für unser Problem gibt und wir die Delaminierung verhindern müssen", so Hembery vorsichtig.

Wie es nun mit dem Protest von Ferrari und Red Bull zum Mercedes-Reifentest weiter geht, konnte Pirelli auch nicht sagen. "Wir arbeiten mit der FIA konstruktiv zusammen und geben gerne Auskunft über die Vorgänge." Gerne würde Pirelli noch weitere Teams zu 1.000 Kilometer-Reifentests einladen. "Einige Teams haben bereits Interesse signalisiert", so Hembery.

FIA ermittelt auch gegen Ferrari

Am Freitagabend veröffentlichte der Weltverband übrigens ein Statement, nach dem die Sport-Behörden nicht nur gegen Mercedes und Pirelli ermitteln sondern nun auch gegen Ferrari. Die Italiener hatten ebenfalls einen umstrittenen 1.000 Kilometer-Reifentest in Barcelona absolviert. Allerdings mit einem drei Jahre alten Auto. Nun muss Ferrari wie Mercedes alle Unterlagen dazu offenlegen.

Mit einem schnellen Urteil ist nicht zu rechnen. Nach dem ersten Report der Rennkommissare beim GP Monaco ist die FIA ist aktuell immer noch dabei, Fakten und Daten zu sammeln. Hat man genügend Beweise zusammen, soll das unabhängige Internationale Berufungsgericht (Tribunal) zusammengerufen werden, um eine endgültige Entscheidung zu treffen.

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