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Pirelli wehrt sich

Rundenzahl-Limit abgelehnt

Pirelli - GP Belgien 2015 Foto: xpb 68 Bilder

Pirelli hat sich öffentlich beklagt, dass ein Anfrage nach strikten Rundenzahl-Limits im Jahr 2013 abgelehnt wurde. Damit soll die Schuld an Vettels Reifenplatzer auf die damaligen Verweigerer geschoben werden. Dabei bezweifeln Experten, dass die Laufleistung wirklich der Grund für den Schaden war.

24.08.2015 Michael Schmidt

Für Pirelli-Sportchef Paul Hembery gibt es für das Reifendrama beim GP Belgien nur eine mögliche Erklärung. Sebastian Vettel ist mit seinem zweiten Reifensatz zu lange gefahren. Ferrari ist ein Risiko eingegangen und hat dafür bezahlt. Vettel befand sich mit seinen Medium-Reifen in der 28. Runde, als 200 Meter hinter Eau Rouge der rechte Hinterreifen bei geschätzten 315 km/h ohne Vorwarnung explodierte.

Ferrari will sich auf ein verbales Pingpong-Spiel mit Pirelli nicht einlassen, bestreitet aber vehement, zu hoch gepokert zu haben. "Die Entscheidung für ein Eintopprennen basierte auf Daten. In unserer Garage sitzt auch ein Pirelli-Ingenieur, und der kaut dort nicht nur Kaugummi. Wir sind nicht so dumm, unsere Fahrer einem Risiko auszusetzen", machte Rennleiter Maurizio Arrivabene den Standpunkt von Ferrari klar.

Pirelli-Pressemitteilung unterstützt Verschleiß-Theorie

Pirelli hatte den Teams vor dem Rennen eine Richtlinie mit auf den Weg gegeben. Der harte Reifen sollte 40 Runden halten. Doch Hembery relativierte, dass sich diese Vorgabe ändern könne, je nachdem wie schnell und wie hart im Rennen gefahren werde. Diesen Einwand ließen Lotus-Einsatzleiter Alan Permane und Force India-Technikchef Andy Green nicht gelten: "Der Reifen muss 28 Runden halten können, wenn die Richtlinie bei 40 Runden liegt."

Als Hembery gefragt wurde, ob man besorgt gewesen war, als sich herausstellte, dass Vettel nach seinem Boxenstopp in Runde 14 das Rennen auf dem Reifensatz zu Ende fahren würde, antwortete er: "Nicht besorgt, aber schon überrascht."

Neun Stunden nach dem Rennen verschickte Pirelli eine Pressemitteilung, die indirekt die Verschleiß-Theorie von Hembery erhärten soll. Darin heißt es: "Im November 2013 fragte Pirelli um Regeln an, die die maximale Laufzeit eines Reifensatzes beschränken sollte, so wie es andere Parameter gibt, die den korrekten Umgang mit dem Reifen vorschreiben. Dieser Vorschlag wurde nicht akzeptiert."

Es bleibt offen, wer Pirelli Ansinnen abgelehnt hat. In Frage kommen nur die FIA oder die Teams oder beide. Hembery meinte auf die Frage, warum Pirelli damals nicht insistiert habe. "Weil es einigen Teams gegenüber vielleicht ungerecht gewesen wäre. Wer ein Auto gebaut hätte, das schonend mit den Reifen umgeht, wäre durch so eine Regelung bestraft worden."

Dafür wurden die anderen Parameter, von denen Pirelli spricht, zur Vorschrift. Es geht um maximale Werte für Radsturz, Reifendruck beim Losfahren und den Temperaturen in den Heizdecken.

Reifenplatzer als Munition für Michelin?

Pirelli hatte seinerzeit gefordert, dass der härtere Reifen maximal 50 Prozent der Renndistanz benutzt werden dürfe und der weiche 30 Prozent. Wären diese Maximalwerte in Spa 2015 eingehalten worden, dann hätte Vettel auf dem härteren Reifensatz höchstens 22 Runden fahren dürfen.

Die Ingenieure verschiedener Teams halten das für ein Ablenkungsmanöver. Tenor: Es ist unmöglich, dass zu hoher Verschleiß zu dem Reifenplatzer geführt hat. Weil schon lange vorher die Rundenzeiten so dramatisch gestiegen und die Reifentemperaturen mangels Gummischicht so drastisch gesunken wären, dass Vettel entweder ganz von alleine an die Box gekommen wäre oder Ferrari ihn dorthin beordert hätte.

Man kann Vettel nicht einmal Fahrlässigkeit vorwerfen. Er hatte über Funk gefragt, ob man nicht einen zweiten Boxenstopp nachdenken soll. Das Team antwortete: "Wir schauen uns das an." Schon vorher teilte ihm Renningenieur Ricardo Adami mit, dass die Daten gut aussehen und alles für ein Einstopprennen spreche.

Für Pirelli kommt die Diskussion um die Sicherheit der Reifen zum dümmsten Moment. Pirelli bewirbt sich gerade um den Reifenvertrag ab 2017. Auch Michelin hat eine Bewerbung eingereicht. Und die Franzosen plädieren im Gegensatz zu dem Konkurrenten für eine längere Haltbarkeit der Reifen. Da könnten die Reifenschäden von Spa zur scharfen Munition werden.

Was halten Sie von den Erklärungen von Pirelli, Ferrari und Vettel? Muss Pirelli stärkere Reifen bauen, oder hat Ferrari zu hoch gepokert? Schreiben Sie uns.

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