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Pirelli zieht zurück

Keine breiteren Reifen

Pirelli Reifen - Formel 1 - GP England - 29. Juni 2013 Foto: xpb 18 Bilder

Pirellis Kampagne für breitere und größere Hinterreifen endete in einer Sackgasse. Mit Ausnahme von Mercedes stimmten alle Teams gegen größere Reifendimensionen. Die Mehrheit war auch gegen breitere Hinterreifen. Offenbar haben die Daten von Renault und Ferrari Pirelli überzeugt. Das lässt die Frage offen: Ist der neue Mercedes-Motor um so viel stärker?

19.08.2013 Michael Schmidt

Beim GP Ungarn hatte Pirelli Teams und Motorhersteller ultimativ aufgefordert, Daten der 2014er Autos und Triebwerke zu liefern. Das sollte die Basis für eine Entscheidung für oder gegen neue Dimensionen für die Hinterreifen sein. Pirelli wollte sich danach nur noch bei der FIA rückversichern. "Wir brauchen die Zustimmung der Teams nicht. Es geht hier um reine Sicherheitsfragen", erklärte Reifenchef Paul Hembery in Budapest. Nach Einschätzung von FIA-Rennleiter Charlie Whiting waren nach Durchsicht der Daten unterschiedliche Gummimischungen vorne und hinten "sicher", breitere Reifen "möglich" und größere Durchmesser "eher unwahrscheinlich".

Unterschiedliche Mischungen statt neue Reifengrößen

Pirelli hat sich mit seiner Entscheidung drei Wochen Zeit gelassen. Jetzt bestätigt Hembery, dass es 2014 bei den aktuellen Dimensionen (380 mm Breite, 660 mm Durchmesser) bleibt. Allerdings habe man bei der FIA beantragt, vorne und hinten mit unterschiedlichen Mischungen operieren zu dürfen.

Hembery: "Aufgrund der Informationen, die wir vom Großteil der Teams bekommen haben, sind wir zu dem Schluss gekommen, die Reifendimensionen beizubehalten. Obwohl die Autos im nächsten Jahr völlig unterschiedliche Anforderungen an uns stellen werden. Wir haben der FIA jedoch vorgeschlagen, das Sportgesetz 2014 dahingehend zu ändern, dass die Teams vorne und hinten unterschiedliche Gummimischungen verwenden dürfen, sollte es notwendig sein. Außerdem haben wir angefragt, in das Regelwerk die Möglichkeit einzubauen, während der Saison bei Bedarf neue Mischungen einzuführen."

Lauda fürchtet ein Reifenfiasko wie 2013

Pirelli machte sich zunächst Sorgen, 2014 ein ähnliches Fiasko zu erleben wie in diesem Jahr. "Die Daten eines Motorenherstellers sind alarmierend", verriet Hembery ohne Namen zu nennen. Es war leicht herauszufinden, um welchen der drei Motorenlieferanten es sich handelte. Mercedes hatte als erster Daten eingereicht. Und Niki Lauda warb um größere und breitere Reifen.

"Wenn wir da Pirelli nicht lückenlos die Daten über die Motoren und Autos liefern, dürfen wir uns nicht wundern, wenn wir nächstes Jahr in Melbourne wieder dastehen und über die Reifen schimpfen. Pirelli soll ohne Einfluss der Teams festlegen, wie die nächstjährigen Reifen auszusehen haben. Gerade mit den neuen Autos und Motoren ist es wichtig, dass wir stabile Reifen haben. Nur so können wir vernünftig testen."

Größerer Durchmesser erfordert ein neues Getriebe

Offenbar war der Einfluss der Teams größer als gedacht. Gegen einen Durchmesser von 690 statt 660 Millimeter sträubten sich alle mit Ausnahme von Mercedes. Sogar die Mercedes-Kundschaft. McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh erklärt als Hauptproblem. "Größere Durchmesser der Hinterreifen bedeuten höhere Kräfte für den Antriebsstrang. Wir hätten das Getriebe umkonstruieren müssen. Das ist bei fast allen aber bereits fertig, weil es neben dem Chassis die Komponente mit dem längsten Fertigungsvorlauf ist. Ein nachträglicher Umbau wäre zu teuer gekommen."

Das Reglement verlangt von allen Teams 2014 ein neues Getriebe. Künftig wird die Power über acht statt sieben Gänge verteilt. Dazu hätten noch die Antriebswellen und das Differential modifiziert werden müssen. Dafür gibt es weder Zeit noch Geld. Die Teams müssen wegen des Testbeginns im Januar früher fertig sein als je zuvor.

Soll Mercedes über die Reifen eingebremst werden?

Der Widerstand gegen breitere Hinterreifen überrascht. Die aerodynamischen Folgen sind nicht so schlimm wie bei den Vorderreifen, die entscheidend die Strömung nach hinten mitbestimmen. Nach den Erfahrungen dieser Saison sollten die Teams gewarnt sein, wie leicht man mit den Reifen auf der falschen Seite liegen kann. Ganz offenbar haben die Daten von Ferrari und Renault Pirelli beruhigt.

Damit stellen sich zwei Fragen. Ist der neue Mercedes-V6-Turbo schon auf dem Papier um so viel stärker wie befürchtet? Oder sehen Ferrari und Renault in der Beibehaltung der Reifengrößen eine mögliche Chance gegen die vermeintliche Übermacht Mercedes? Man kann ja auch so rechnen: Was nützen mehr Power und mehr Drehmoment, wenn man damit die Hinterreifen ruiniert?

Je weniger die Reifen aushalten, umso mehr wird der bestraft, der Qualm an der Kette hat. Ein Gleichgewicht auf der Motorenseite wären auch im Sinne der FIA und von Bernie Ecclestone. Nichts schadet dem Geschäft mehr als ein überlegenes Paket. Egal, wie der Sieger heißt. Damit wäre Pirelli einmal mehr der ausgleichende Faktor.

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