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Pirellis Problem-Analyse

Vier Faktoren lassen Reifen platzen

Red Bull Reifen Pirelli Tyre-Swapping GP England 2013 Foto: xpb 25 Bilder

Pirelli hat die Fehleranalyse zu den Reifenschäden in Silverstone abgeschlossen. Danach haben gleich vier verschiedene Faktoren zu den explodierenden Gummis geführt. Die Teams selbst waren offenbar nicht ganz unschuldig an den Problemen.

03.07.2013 Tobias Grüner

Direkt nach dem Grand Prix von England stocherte Pirelli noch im Nebel. Zwei Tage später ist man offenbar etwas schlauer, was die Gründe für die ungewöhnliche Häufung geplatzter Reifen in Silverstone angeht. Die Analyse ist abgeschlossen. Die Gummi-Experten aus Italien haben nach eigener Auskunft den Übeltäter für die explodierenden Slicks gefunden - genauer gesagt, die Übeltäter.

Pirelli schiebt Schuld auf die Teams

In einem am Dienstag (2.7.2013) veröffentlichten Statement erklärte der Lieferant, dass gleich vier Faktoren gemeinsam zu den unerwarteten Problemen geführt haben. Dabei haben die Teams die Schäden teils sogar selbst mit zu verantworten. So waren laut Pirelli einige Autos mit zu geringem Reifendruck unterwegs gewesen - niedriger als von Pirelli empfohlen. Auch extrem hohe Sturzwerte der Räder spielten offenbar eine entscheidende Rolle.
 
Eine weitere Ursache für die Probleme liege zudem im seitenverkehrten Wechsel der Reifen auf der Hinterachse - von links nach rechts und andersherum. Die aktuellen Gummis seien von der Struktur her asymmetrisch aufgebaut und für die seitenverkehrte Verwendung nicht entwickelt. So habe man zum Beispiel die äußere Reifenflanke speziell verstärkt, um den hohen Fliehkräften in schnellen Kurven standzuhalten.

Pirelli bittet FIA um Hilfe

Pirelli gibt zu, in der Vergangenheit nicht strickt genug gegen die gängige Praxis des so genannten "Tyre-swappings" vorgegangen zu sein. Nun will man den Trick mit Hilfe der FIA verbieten lassen. Außerdem bittet Pirelli den Weltverband darum, künftig die Einhaltung fester Limits für Radsturz und Luftdruck durch technische Delegierte zu kontrollieren. Hier hatten die Teams früher freie Hand, was der Sicherheit nicht immer zuträglich war.

Als vierten Grund für die Reifenschäden nannte Pirelli außerdem die ungewöhnlich aggressiven Kerbs von Silverstone. Vor allem die Randsteine in den schnellen Kurven - vor allem Kurve 4 - haben zu den Beschädigungen an den sowieso schon extrem belasteten Reifen geführt.

Pirelli betonte, dass die 2013er Gummi-Generation bei richtigem Gebrauch keine Gefährdung der Sicherheit darstelle. Die Fälle von Delaminierung, die bei einigen Rennen zuvor festgestellt wurden, hätten mit den aktuellen Problemen nichts zu tun. Laut Pirelli habe man den festen Zusammenhalt der einzelnen Reifenschichten durch einen geänderten Herstellungsprozess und die Verwendung von mehr Klebemasse sicherstellen können.

Teams sollen Daten offenlegen

"Was in Silverstone passiert ist, kam total unerwartet und ist in der Motorsport-Historie von Pirelli noch nie vorgekommen", entschuldigte sich Sportchef Paul Hembery. "Wir kennen das Bemühen der FIA, der FOM (Formula 1 Management), der Teams und der Fahrer an, gemeinsam an einer schnellen Lösungen zu suchen. Insbesondere die Einführung von aussagekräftigen Wintertests, wie mit der FIA vereinbart, und die Möglichkeit von Testfahrten während der Saison helfen die Sicherheits- und Leistungsstandards zu verbessern."

Hembery forderte die Teams zudem auf, den Reifenlieferanten schneller und offener mit Daten zu versorgen. "Ich möchte noch einmal betonen, dass unser Produkt, die 2013er Reifen, bei ordentlicher Nutzung, komplett sicher sind. Doch die Erfahrungen aus Silverstone zwingen uns die Teams zur Herausgabe aller Daten zu bitten, um die richtige Verwendung sicherzustellen. Bis die neuen Regeln in Kraft treten, werden wir neue Reifen einführen, die leichter zu handhaben sind."

Alle Informationen zu den neuen Reifen für den Nürburgring und den Rest der Saison erfahren Sie in unserer separaten Story.

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