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Poker um Concorde Abkommen: Wer hat die besseren Nerven?

Das Concorde Abkommen sollte in der Woche nach dem GP Deutschland unterschrieben werden. Doch eine Einigung steht weiter aus. Jetzt wird eine Unterschrift bis Ende August angepeilt. Wir sagen Ihnen, warum sich der Deal weiter verzögert.

Das siebte Concorde Abkommen nach 1981, 1987, 1992, 1997, 2004 und 2009 ist eine schwierige Geburt. Seit März heißt es im Vierwochentakt, dass der Grundlagenvertrag zwischen der FIA, den Inhabern der kommerziellen Rechte und den Teams unterschrieben wird. Genauso oft scheiterte die Unterschrift. Meistens an Kleinigkeiten.

Die Teams und Bernie Ecclestone sind sich schon lange einig. Die im so genannten "Financial Agreement" festgelegte Ausschüttung aus den TV-Einnahmen und den Startgeldern wurde bis 2020 festgeschrieben. Zum Nutzen der sechs so genannten "privilegierten Teams".

Das sind im Moment Ferrari, Red Bull, McLaren, Mercedes, Williams und Lotus. Die anderen haben von dem neuen Geldsegen nicht viel, weil die Bonuszahlungen an die Privilegierten abgezogen werden, bevor der Rest zur Verteilung kommt.

Streit um Medien-Kontrolle verzögert Concorde-Abkommen

Im Concorde Abkommen geht es nicht nur um die Finanzen. Darin wird festgelegt, wer für was zuständig ist. Früher galt: Die FIA macht die Regeln und überwacht sie. Bernie Ecclestone ist Herr über die Finanzen. Doch das ist nicht mehr so einfach. Ecclestone will mehr.

Auf Druck einiger Teams versucht er den Einfluss des Weltverbandes auf das Reglement zu reduzieren. Der Regelfindungsprozess wurde im Verlauf der Verhandlungen mehrfach modifiziert. Beim ursprünglichen Modell hätten die sechs bevorzugten Teams das Reglement praktisch im Alleingang geschrieben. Das konnte abgewendet werden, vor allem auch, weil es gegen jedes Wettbewerbsgesetz verstoßen hätte.

Der jüngste Streit entzündet sich daran, wer für die schreibenden Journalisten und Fotografen zuständig ist. Ecclestone hätte gerne die Kontrolle über alle Medienvertreter. Bis jetzt müssen nur die TV-Journalisten nach seiner Pfeife tanzen. Was Sinn macht, da sie für die Übertragungsrechte Geld bezahlen und damit auch einen Vertrag mit den Rechteinhabern abschließen.

Bei den Printjournalisten jedoch regt sich Widerstand. Man fürchtet um das Recht auf freie Berichterstattung, zumal aus Kreisen der Rechteinhaber Stimmen laut wurden, Sponsoren, Teilnehmer und Ausrüster wünschen sich eine positivere Berichterstattung. Also eine "freie Presse" nach dem Modell totalitärer Staaten.

Börsengang gefährdet Ecclestones Job

Der aktuelle Fall ist wie die meisten Aufschübe zuvor Teil einer Verzögerungstaktik. Experten glauben, dass Bernie Ecclestone im Moment kein großes Interesse am Abschluss eines Concorde Abkommens hat. Hauptsächlich aus Selbstschutz.

Das Concorde Abkommen ist die Voraussetzung eines Börsengangs, den Hauptaktionär CVC (35,1 Prozent) eifrig vorantreibt. Die Besitzer der Formel 1 wollen noch Geld einspielen bevor es zu spät ist. Der augenblickliche rechtlose Zustand ist für CVC brandgefährlich, denn die Zusagen der Teams bis 2020 gelten erst, wenn das Concorde Abkommen von allen unterzeichnet ist. Mercedes könnte also immer noch jederzeit aussteigen. Was den Wert der Aktie Formel 1 deutlich drücken würde.

Bei einem Börsengang aber sind Ecclestones Tage gezählt. Nicht nur, weil dann mehr Leute mitreden wollen und eine gewisse Transparenz der Finanzen eingefordert wird. Sollte es zu einer Anklage in der Bestechungsaffäre kommen, wäre der 82-jährige Engländer ein zu großer Risikofaktor für potenzielle Anleger. Dann kann ihn auch CVC nicht mehr stützen.

Todt braucht Formel 1-Geld für Wiederwahl

Es gibt aber noch andere Gründe, warum Bernie auf Zeit spielt. Er weiß, dass FIA-Präsident Jean Todt einen Abschluss braucht, um endlich an die vollen 40 Millionen Euro zu kommen, die Teams und Rechteinhaber in Zukunft jährlich an den Verband abliefern sollen. Bis jetzt haben nur die Teams bezahlt. Das aber reicht gerade mal dazu, die eigenen Kosten zu decken.

Die neue Geldquelle soll Todt helfen, Projekte wie sein Road Safety-Programm und den Aufbau der kleinen Automobilclubs rund um den Globus zu unterstützen. Ein Insider sagt es deutlich: "Wenn die Kohle aus der Formel 1 nicht kommt, ist die FIA pleite."

Das ist vielleicht etwas übertrieben, doch ein Stück Wahrheit steckt schon darin. Todt könnte dann nicht die Reformen durchziehen, die er für eine Wiederwahl braucht. Man nimmt an, dass er im September offiziell für eine zweite Amtszeit kandidiert.

Wenn er dann vor die Generalversammlung tritt, will er nicht mit leeren Händen dastehen. Ansonsten würden Todts Gegner in der FIA Oberwasser bekommen und die schlechte finanzielle Lage des Verbandes zum Anlass nehmen, um vielleicht doch noch einen Gegenkandidaten aus dem Hut zu zaubern.

Wer hat die besten Nerven im Concorde-Poker?

Todt läuft die Zeit davon. CVC läuft die Zeit davon. Und Ecclestone? Er spielt wie üblich mit dem Feuer. In Bezug auf das Concorde Abkommen hat er alle Zeit der Welt. Doch auch bei ihm tickt die Uhr. Wenn das Münchener Landgericht die Klage gegen ihn bestätigt, wird er einen schweren Stand haben. Dann muss Mercedes wegen seiner Compliance-Regeln seine Ablösung fordern. Zumindest vorübergehend, bis der Prozess abgeschlossen ist.

Auch Ferrari wird sich dann schwer tun, dem Formel 1-Chef weiter Rückendeckung zu geben. CVC steckt in der Zwickmühle. Einerseits garantiert ihnen Ecclestone gute Geschäfte, andererseits steht er ihnen bei einem Börsengang im Weg. Doch eine Formel 1 ohne den Mann, der diesen Sport zu einer Gelddruck-Maschine gemacht hat, ist auf dem Markt auch nur halb so viel wert. Egal wie der Nachfolger dann heißt.

FIA könnte 100-jährigen Vertrag zurückfordern

Für Todt wäre eine Anklage ein Geschenk, denn das könnte das dringend benötigte Concorde Abkommen beschleunigen. Käme es später zu einer Verurteilung, ergäbe sich sogar die Möglichkeit, die Vermietung der TV-Rechte über 100 Jahre rückgängig zu machen.

In diesem Fall müsste die Ethik-Kommission der FIA einberufen werden. Käme diese zu dem Schluss, dass man den Deal seinerzeit mit einer dafür nicht befugten Person abgeschlossen hätte, könnten die Rechte an die FIA zurückfallen. Zur Erinnerung: Der Vertrag wurde zwar 2002 ausgehandelt, trat aber erst Anfang 2012 in Kraft. Aus Sicht von CVC ist dies ein weiteres Damoklesschwert.

Michael Schmidt

Autor

Foto

xpb

Datum

23. Juli 2013
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