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Porträt

Nick Heidfeld

Foto: Daniel Reinhard 9 Bilder

Formel 1-Fahrer haben ein umfangreiches PR-Programm zu absolvieren. Auch Nick Heidfeld lebt als nebenberuflicher Markenbotschafter von BMW und seinen Sponsoren mit einem vollgestopften Terminplan.

16.09.2008 Michael Schmidt

Ein Grand Prix-Wochenende besteht aus sechseinhalb Stunden Fahren, neun Stunden Briefings und rund einer Stunde Showbetrieb. Dann muss Nick Heidfeld Hände schütteln, für Fotos posieren, Autogrammkarten signieren, Rennstrecken und Lenkräder erklären. Zur Not auch zwei Stunden vor dem Start, dann, wenn Formel 1-Piloten nichts lieber als ihre Ruhe hätten. 15 Minuten Sponsorpflege am Morgen des Renntags sind ein fixer Termin für beide BMW-Piloten.

An den anderen Tagen des Wochenendes wechseln sie sich jeden zweiten Grand Prix ab. Mal muss Nick Heidfeld am Samstag nach der Qualifikation Gäste unterhalten, mal sein Teamkollege Robert Kubica. Ebenfalls alternierend ist der Formel 1-Pilot am Samstagabend für 30 Minuten dem Nachwuchs der Formel BMW leuchtendes Beispiel einer erfolgreichen Rennfahrerkarriere. Im gleichen Turnus müssen die Fahrer zum Medien-Dinner am Donnerstag erscheinen. Formel 1-Fahrer sind im weitesten Sinne Botschafter. Für ihren Arbeitgeber und ihre Sponsoren.

Teamhemd und Kappe sind Pflicht

Das Marketingprotokoll kennt keine Gnade. Die unvermeidliche blaue Kappe und das mit allen Logos drapierte weiße Teamhemd scheinen wie angewachsen, wann immer sich eine Kamera nähert. Man kann darüber streiten, ob es den eigentlichen Zweck nicht konterkariert, wenn sich die teuersten Angestellten auch für gestellte Fotos von Freizeitaktivitäten in ihre Uniformen werfen müssen. Segeln im Teamdress, das wirkt so gar nicht entspannt.

Nick Heidfeld hat in seinem Kalender pro Jahr 25 Termine stehen, die nicht direkt etwas mit seinem Job als Rennfahrer zu tun haben. Ein Drittel davon beansprucht BMW, der Rest ist für die Sponsoren reserviert. Die meisten PR-Aktivitäten machen Heidfeld sogar Spaß. Er fährt gerne Motorrad, bringt es beim Golfspielen auf Handikap 20 und interessiert sich für Mode. Wenn er den Nachwuchs oder Hobby-Rennfahrer für die erste Fahrt im Formel BMW instruiert oder verdiente Händler im M3-Taxi um die Rennstrecke chauffiert, ist er ohnehin in seinem Element.

Seit Rennfahren ein Fulltimejob geworden ist, achten die Teams darauf, dass ihre Vorzeigeathleten möglichst gut gelaunt durch ihre Pflichtauftritte kommen. Weil die Stammpiloten wegen des Testlimits von 30.000 Kilometern fast alle Fahrmöglichkeiten selbst wahrnehmen, ist Freizeit für sie noch wertvoller geworden. Wenn Heidfeld oder Kubica BMW-Gästen in gemieteten Appartements in Monte Carlo ihre Aufwartung machen, muss vorher der Aufzugführer sicherstellen, dass es am Lift keine Wartezeiten gibt. Alle Transfers werden so organisiert, dass keine Zeit verlorengeht. Die Sponsorgäste karrt man zum Cocktail mit den Fahrern an einen Platz, der strategisch günstig zwischen Rennstrecke und Hotel liegt. Zeit ist in dem Fall Lebensqualität.

Zu wenig Freizeit

Rennfahrer sind fast immer im Dienst. Deshalb kommen Hobbys viel zu kurz. Motorradfahren würde Heidfeld am liebsten viel öfter. Seine Wahlheimat Schweiz und ihre Alpenpässe laden dazu ein. Voller Bedauern gesteht der Zweiradfan: "Seit zwei Jahren bin ich praktisch gar nicht zum Fahren gekommen. Letztes Jahr habe ich in München meine BMW abgeholt und sie in die Schweiz gefahren. Ein paar Monate später wurde die Maschine auf dem Laster wieder abgeholt."

Sein Handikap beim Golf würde unter 20 liegen, wenn er mehr Zeit hätte, auf dem Grün zu stehen. "Ich habe schon im Alter von 15, 16 Jahren mit dem Golfspielen angefangen", verrät Heidfeld. "Heute spiele ich nur noch ein, zwei Mal im Jahr, meistens bei Wohltätigkeitsveranstaltungen." Auch Segelboote sind Heidfeld nicht ganz unbekannt. "Ich war als Kind hin und wieder beim Segeln, bin aber nicht versiert darin." Für einen Fototermin auf einer America’s Cup-Yacht aus den dreißiger Jahren durfte der Novize ans Ruder. "Ich habe auf Kommando gelenkt. Auf dem Boot tu ich mich schwer, die Geschwindigkeit einzuschätzen."

Freund schöner Dinge

Man sieht es ihm auf den ersten Blick vielleicht nicht an, doch Heidfeld sagt von sich selbst: "Ich bin ein Genießer. Dazu gehören für mich: Mode, Kunst, Design, Oldtimer, gutes Essen und Shoppen." Da nimmt er sich dann schon mal ein paar Stunden Zeit für ein Foto-Shooting mit einer Lifestyle-Zeitschrift. Der ansonsten eher bodenständige Mönchengladbacher lässt sich in Lederklamotten ablichten. "Das war für mich etwas Neues und deshalb interessant. Ähnlich wie in der Formel 1 taucht man da in eine Welt ein, die mit nichts zu vergleichen ist. Von außen kann man sich gar nicht vorstellen, dass da soviel dahinter steckt."

BMW-Fahren ist Pflicht, wenn der Pilot in offizieller Mission unterwegs ist. Im Halbjahresrhythmus bekommt Heidfeld neue Dienstfahrzeuge gestellt. Zurzeit stehen ein X6 und ein M3 in der Garage in seiner Wahlheimat Stäfa am Zürichsee. Heidfeld hat aber auch ein Faible für alte Autos anderer Marken. Zum Fuhrpark gehören ein Ford Mustang, Baujahr 1965, ein Fiat 500 von 1966 und ein 67er Käfer Cabrio. Den sportlichen Part übernehmen ein Porsche 959, ein Ferrari Testarossa und ein Lotus Exige.

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