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Powerplay zwischen FIA und FOTA

Foto: Wolfgang Wilhelm

Die großen Hersteller in der Formel 1 fahren erstmals gemeinsame Politik. Mit einer Stimme wurde der Ruf nach Einheitsmotoren von FIA-Präsident Max Mosley abgelehnt. Doch eine langfristige Antriebsformel ist noch immer nicht gefunden.

23.10.2008 Michael Schmidt

Die Pressemitteilung war nur zwei Zeilen lang und wenig aussagekräftig. FIA und die Teamvereinigung FOTA hätten sich auf bedeutsame Sparmaßnahmen für 2009 und 2010 verständigt, und die FOTA würde an weiteren Kostensenkungen für 2010 und darüber hinaus arbeiten. Nähere Details gäbe es auf der FIA-Website. Wer dort nachschaut, findet aber nichts.

Der kurze Text und die Verschwiegenheit der Beteiligten sind ein gutes Indiz dafür, dass bei dem Treffen von Max Mosley, Luca di Montezemolo und John Howett vergangenen Dienstag (21.10.) in Genf nicht alles so gelaufen ist, wie sich das FIA-Präsident Mosley vorgestellt hat. Es gibt Gerüchte, wonach FOTA-Chef di Montezemolo dem Verbandspräsidenten klipp und klar erklärt hat, dass die Hersteller Mosleys Idee von Einheitsmotoren ablehnen, mehr noch, in diesem Falle sogar mit Ausstieg drohen. 

Motorenkosten senken

Ferrari, Mercedes, BMW, Toyota und Honda fahren zum ersten Mal eine gemeinsame Politik. Nur Renault könnte mit Einheitsmotoren leben, schloss sich aber den anderen Teams an. Einigkeit herrscht über die Sofortmaßnahmen für 2009. Die Lebensdauer der aktuellen Triebwerke wird von zwei auf drei GP-Wochenenden ausgedehnt. Damit sinkt die Zahl der Motoren pro Saison und Team von 40 auf 25.

Die Hersteller erklärten sich bereit, die Leasingpreise für Kunden auf zehn Millionen Euro zu senken. Zurzeit zahlen die Ferrari-Kunden Force India und Toro Rosso rund 17 Millionen. Red Bull überweist 16 Millionen an Renault. Auch Frank Williams Leasingrate liegt im zweistelligen Millionenbereich. Den Kundenteams und der FIA ist das zuwenig. Sie wollen die Motorenpreise bis spätestens 2011 auf fünf Millionen Euro drücken. Am besten inklusive KERS-System.

Dazu müsste aber eine neue Motorenformel her. Die Triebwerke der Zukunft sollen bis zu zehn GP-Wochenenden am Stück ihren Dienst verrichten. Favorisiert werden kleinvolumige Turbomotoren. Hier herrscht noch Gesprächsbedarf. Käme die neue Motorenformel schon 2011, müsste praktisch in diesem Winter mit der Entwicklung begonnen werden. Das würde zunächst einmal die Kosten in die Höhe treiben. 

Neuentwicklungen aufschieben

Flavio Briatore fürchtet, dass der Renault-Vorstand derzeit nicht gewillt ist, einen größeren Scheck für eine Neuentwicklung auszustellen, selbst wenn dadurch die Einsatzkosten deutlich unter die 50 Prozentmarke gedrückt würden. BMW-Teamchef Mario Theissen schlägt deshalb vor, den Beginn der neuen Motorenformel auf 2012 zu verschieben, um die Entwicklungskosten über einen längeren Zeitraum zu strecken.

In diesem Disput sieht Mosley seine Chance, die Idee des Einheitsmotors umzusetzen. Trotz des Vetos der Hersteller läuft die Ausschreibung weiter. Bei der FIA heißt es, man sei für alle Vorschläge der Teams offen. Deshalb habe man den Herstellern in der Motorfrage auch drei Optionen angeboten. Wenn die FOTA garantieren könne, dass die Lieferung des kompletten Antriebsstranges maximal fünf Millionen Euro pro Jahr kostet, könnte jeder Hersteller auch weiterhin seinen individuellen Motor bauen.

Weitere Sitzungen geplant

Die FOTA Will sich beim GP Brasilien erneut treffen, um über die Sparmaßnahmen ab 2010 zu beraten. Dabei wird es nicht nur um Motoren gehen. Auch Standardteile für das Auto, Beschränkungen für die Aerodynamikentwicklung und die Größe der Teams werden zur Sprache kommen.

Wie auto motor und sport in seiner neuesten Ausgabe berichtet, ist im Gespräch, dass die Personalstärke der Teams in Zukunft auf 250 Angestellte zurückgefahren wird. Es soll auch Restriktionen für die Fracht und die Anzahl der am Fahrzeug arbeitenden Personen an der Rennstrecke geben. Denkbar wären 35 Mitarbeiter pro Team mit Boxenpässen, 20 Tonnen Fracht und nur noch zwei Transporter bei Europa-Rennen pro Rennstall.

Mehr zum Thema Formel 1 lesen Sie im neuen auto motor und sport, Heft 23/2008, ab dem 23. Oktober im Handel.

  • Rückblick: GP China
  • Radio Fahrerlager News
  • Technik: Das Renault Wunder
  • Interview: Bernd Schneider
  • Deutsche Hersteller in der ALMS

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