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Lichtmaschinenproblem

Renault kommt Lösung näher

Sebastian Vettel GP Italien 2012 Monza Foto: xpb 46 Bilder

Red Bull muss weiter zittern. Eine Untersuchung der Lichtmaschine hat immerhin einen Verdachtsmoment geliefert. Man glaubt das Teil zu kennen, das den Schaden auslöst. Man weiß aber noch nicht warum. Renault hat deshalb für den GP Singapur eine Doppellösung ausgeheckt. Erst wird eine neue Lichtmaschine getestet, dann kommt eine alte zum Einsatz.

20.09.2012 Michael Schmidt

Sebastian Vettel kann noch nicht aufatmen. Die Lichtmaschine, die ihn schon zwei Rennen gekostet hat, wird ihn weiter beschäftigen. Renault und Hersteller Magneti Marelli haben die anfällige Lichtmaschine zwar erneut modifiziert, eine Gewissheit, dass sie hält, gibt es trotzdem nicht.

Wenn sie die Prüfung am Freitag besteht, dann kann sich Vettel bei Jérôme d‘Ambrosio bedanken. Dessen baugleiche Lichtmaschine konnte in Monza vor dem totalen Zusammenschmelzen gerettet werden. Und das ergab neue Verdachtsmomente.

Lichtmaschine zerstört sich selbst

Renault-Ingenieur Remi Taffin erklärt: "Wir haben bei einigen Komponenten im Innenleben der Lichtmaschine höheren Verschleiß festgestellt und sind uns ziemlich sicher, welches Teil zuerst kaputtgeht. Wir wissen aber immer noch nicht warum." Positive Erkenntnis: "Wir wissen jetzt, woran wir arbeiten müssen."

Den Schadensverlauf hat Renault so rekonstruiert: "Das besagte Teil läuft jenseits der vorgegebenen Toleranzen. Davon ist der Rotor betroffen, und es wird mehr elektrische Leistung abgefordert, was wiederum die Temperatur erhöht. Dann geraten die anderen Komponenten ans Limit und alles schaukelt sich hoch bis zum Defekt."

Die Lichtmaschine arbeitet zuverlässig in einem Temperaturfenster zwischen 50 und 150 Grad. Wird der Rahmen gesprengt, gibt es im Innenleben Kleinholz und eine Rekonstruktion des Problems ist unmöglich. Da Renault den Stromerzeuger mit Luft und Öl kühlt, besteht die Gefahr, dass mit dem Öl Partikel aus der Lichtmaschine in den Motorkreislauf geschwemmt werden.

Gerüchte, Vettel habe deswegen auch einen Motor verloren, bestätigt Taffin nicht: "Wir haben immer rechtzeitig abgestellt. Außerdem haben wir genügend Filter eingebaut, damit keine Metallspäne zurück in den Motor fließen." Eines stellt Taffin klar: "Vettel kann nichts dafür. Der Umstand, dass es ihn schon drei Mal erwischt hat liegt daran, dass er wegen der Schäden immer ein neues Teil eingebaut bekam. Da war statistisch gesehen die Chance größer, dass es ihn erwischt."

Red Bull testet neue Lichtmaschine am Freitag

Renault hat sich nach den jüngsten Erkenntnissen für eine Sicherheitspolitik entschieden. Im Freitagstraining zum GP Singapur wird in beiden Red Bull eine modifizierte Version der Lichtmaschine ausprobiert, wie sie zuletzt in Spa und Monza zum Einsatz kam. Selbst wenn der Härtetest gut geht, werden die neuen Alternatoren wieder ausgebaut und in Paris auf Herz und Nieren geprüft.

Fällt die Analyse zur Zufriedenheit aus, kommt die umgebaute Lichtmaschine in Suzuka zu ihrem ersten Renneinsatz. "Im Rennen fahren wir eine Version aus dem letzten Jahr. Unsere drei anderen Kunden werden das bereits ab Freitag tun", verrät Taffin. Sollte eine der 2011er Lichtmaschinen Ärger machen, dann muss Renault doch noch Plan B auspacken. "In dem Fall müssten wir doch die jüngste Version heranziehen."

Keine 100-prozentige Sicherheit

Versprechungen will Taffin nicht abgeben: "Als Ingenieur muss ich sagen, dass es eine hundertprozentige Sicherheit nicht gibt." Sebastian Vettel ist trotzdem zufrieden mit dem Krisenmanagement des Motorenlieferanten: "Wir haben alles getan, was möglich war und sollten das Problem im Griff haben."

Wirklich? Bei einem Pirelli-Test mit dem Renault von 2010 in der Woche nach dem GP Italien trat erneut ein Lichtmaschinenschaden auf. Taffin winkt ab: "Das Teil war über 6.000 Kilometer alt. Die Schäden von Valencia und Monza traten zwischen 500 und 1.000 Kilometer auf."

Die Geschichte der Lichtmaschine ist kompliziert. Es gibt 2011er Versionen, eine 2012er Variante, eine Modifikation nach Valencia und den jüngsten Versuch, das Problem zu lösen. Nach den Ausfällen von Valencia hatte Renault in einem ersten Schritt lediglich den Betrieb und die Laufzeiten der Lichtmaschine geändert und auf Komponenten der 2011er Spezifikation zurückgegriffen. Weil irgendwann die Teile ausgingen, baute Renault ab dem GP Belgien eine neue Lichtmaschine ein. Mit 30 Prozent mehr Stromkapazität und deshalb auch einem längeren Gehäuse.

Lagerschaden zerstört Lichtmaschine

Welches Teil im Verdacht steht, den Schadensprozess auszulösen, darüber wollte Taffin nicht sprechen. Nicht solange nicht ganz sicher ist, ob die Theorie richtig ist. auto motor und sport hat aber gehört, dass es sich um eines der beiden Lager handeln soll. Eine Lichtmaschine besteht im Prinzip aus zwei Lagern, Wicklungen und einem Rotor mit Magneten. Nach Formel 1-Normen ein simples Teil.

Werden die Wicklungen zu heiß, löst sich der schützende Lack auf, und es kommt zum Kurzschluss. Je kleiner der Durchmesser der Lichtmaschine, umso mehr Drehzahl braucht man, um den gleichen Strom zu erzeugen. Außerdem muss man bei der Kühlung nachbessern. Das geschieht in der Regel durch eine Verlängerung des Generators.

Renault will weiter mit Magneti Marelli arbeiten

Angebliche Forderungen von Red Bull, Renault solle den Lieferanten Magneti Marelli austauschen und so das Problem lösen, werden von Taffin zurückgewiesen: "An uns ist mit diesem Wunsch noch keiner herangetreten. Wir haben es auch nicht vor. Uns verbindet mit Magneti Marelli eine langjährige Partnerschaft. Wir kennen uns, was bei der Problemlösung von Vorteil ist. Eines kann ich Red Bull versprechen: Wir werden dieses Problem lösen." Die Frage ist nur wann.

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