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Problem mit 2014er F1-Motoren

Benzinmess-Sonden zu unpräzise

Renault F1 Motor 2014 V6 Foto: Renault 28 Bilder

Dem neuen Motorenreglement der Formel 1 droht erster Ärger. Voraussetzung für die Überprüfung des Spritverbrauchs sind funktionierende Messsonden für die Durchflussmenge. Doch die ersten Versionen funktionieren nicht.

21.10.2013 Michael Schmidt

Scheitert das neue Motorenreglement der Formel 1 an seiner Komplexität? Die drei Motorenhersteller Ferrari, Mercedes und Renault stöhnen über die größte technische Herausforderung in der Geschichte der Formel 1. Keiner der drei ist zum augenblicklichen Zeitpunkt bereit, ein Rennen mit 100 Kilogramm Benzin (135 Liter) bei einer Leistung von 750 PS zu überstehen.

Keine der drei Antriebseinheiten würde bei dieser Leistungsabgabe 4.000 Kilometer schaffen, die Mindestdistanz, die man braucht um mit fünf Triebwerken pro Fahrer durch die Saison zu kommen. Es hakt aber noch an anderen Stellen. Die Benzindurchflussmengen-Sensoren funktionieren nicht. Und sie sind die Versicherung dafür, dass keiner betrügt.

Benzinmess-Sonden weichen 1,5 Prozent ab

Die FIA hat den Auftrag an den englischen Hersteller Gill Sensors vergeben. Beim Young Drivers Test wurden bei drei Teams die Messgeräte an den bestehenden V8-Motoren unter Realbedingungen getestet. Mit einem erschreckenden Ergebnis. Statt der maximal erlaubten Abweichung von 0,5 Prozent für die angegebene Durchflussmenge wurden Fehler von bis zu 1,5 Prozent festgestellt.

Ergebnis: Gill muss nachbessern. Ende Oktober soll eine zweite Lieferung bei der FIA eintreffen. Wenn die auch versagt, steht der Verband vor einem Problem. Auch in der Langstrecken-Weltmeisterschaft sollen die Durchflussmengen-Begrenzer zum Einsatz kommen. Hier sind sie sogar noch wichtiger als in der Formel 1, weil hier unterschiedliche Motorenkonzepte und Kraftstoffarten verwendet werden.

Aber auch in der Formel 1 wäre der Verzicht auf ein unabhängiges Messgerät ein Schlag ins Gesicht. Die FIA müsste sich dann auf die Angaben der Hersteller verlassen, die die Durchflussmenge selbst ermitteln.

135 Liter vom Startplatz bis zur Zielflagge

Viele werden fragen: Wozu braucht man überhaupt ein Gerät, dass die Durchflussmenge auf 100 Kilogramm pro Stunde begrenzt? Erstens, um Auswüchse in der Qualifikation zu verhindern. Da ist die Benzinmenge freigestellt. Es könnte also eine extreme Motorleistung dargestellt werden, indem man beliebig viel Sprit durch die Einspritzdüsen in die Brennräume einspritzt.

Das aber wäre noch zu verkraften, weil die Hersteller mit Rücksicht auf die Lebensdauer ihrer Antriebseinheiten ohnehin auf PS-Exzesse verzichten würden. Viel schwieriger ist das Problem im Rennen. Maximal 100 Kilogramm für die Renndistanz bedeutet nicht, dass damit auch die Tankgröße beschränkt ist.

Die 100 Kilogramm (135 Liter) gelten nur vom Start bis zur Zieldurchfahrt. Tatsächlich wird mehr Benzin im Tank sein. Für die Fahrt auf den Startplatz, die Formationsrunde, die Ehrenrunde. Ohne Benzindurchflussmengen-Sonde wäre Betrug Tür und Tor geöffnet.

Vibrationen und Hitze sind die größten Feinde

Was sich einfach anhört, ist höchst kompliziert. Die eingespritzte Kraftstoffmenge wird mit Ultraschall gemessen. Renault-Ingenieur Remi Taffin erklärt, was so schwierig an einer exakten Messung ist. "Im Fahrbetrieb treten starke Vibrationen und Temperaturschwanken auf. Dazu kommt die Dynamik eines Formel 1-Motors, der im Handumdrehen von null auf Maximaldrehzahl hochdreht."

Wo die modifizierten Messgeräte getestet werden sollen, ist nicht ganz klar. Möglicherweise bei dem von Pirelli geplanten Reifentest in Vallelunga oder bei einem der Freitagstrainings. Prüfstandstests allein reichen nicht aus. Sollten die Sensoren die Anforderungen erfüllen, kommt auf Gill eine große Aufgabe zu. Der Hersteller hat versprochen, seine Messgeräte bis drei Wochen vor dem ersten Test in Jerez an alle Hersteller zu liefern.

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Anmerkung: Ursprünglich hatten wir in diesem Artikel geschrieben, dass die Firma HySpeed zusammen mit Gill an der Entwicklung der Durchflussmengen-Messsonden (Fuel Flow Meter) beteiligt ist. HySpeed-Präsident Daniel Partel bittet uns jedoch Folgendes klarzustellen: "Seit Oktober 2010 waren wir an einem gemeinsamen Projekt mit Gill zur Entwicklung von Ultraschall-Sensoren beteiligt. Diese sollten zur Kontrolle des Benzindurchfluss-Reglements eingesetzt werden, das von der FIA 2014 eingeführt wird. Die Zusammenarbeit von Hyspeed mit Gill an diesem Projekt wurde allerdings im März 2013 beendet."

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