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Probleme bei Renault

Renault im freien Fall

Formula One Grand Prix of Hungary Foto: Tamas Kovacs

Was ist nur mit Renault los? In Australien und Malaysia sammelten die beiden schwarzen Autos zwei Podestplätze. Zuletzt in Ungarn gab es erstmals keine WM-Punkte. Das Team wirkt ziemlich konfus. Vielleicht rächt es sich jetzt, dass Geschäftsleute und keine Racer das Sagen haben.

05.08.2011 Michael Schmidt

Das Bild hatte Symbolkraft. Der Renault R31 von Nick Heidfeld brannte so lichterloh wie es um das ganze Team bestellt ist. Renault befindet sich auf Talfahrt. Sechs Punkte aus den letzten vier Rennen. Der erste Nuller beim GP Ungarn. In Budapest qualifizierte sich weder Nick Heidfeld noch Vitaly Petrov für die Top Ten. Heidfeld rätselte noch: "Der Hungaroring ist ähnlich langsam wie Monte Carlo. Da waren wir schon schwach." Das ist aber keine Erklärung. Auch in Silverstone und am Nürburgring waren die schwarzen Autos keine Offenbarung.

Renault lebt vom Polster

Renault kann von Glück reden, in der ersten Saisonhälfte ein gutes Punktepolster angesammelt zu haben. Sonst wäre Platz fünf im Konstrukteurspokal ernsthaft in Gefahr. So aber liegt Sauber 31 Zähler zurück. Und die zuletzt so stark aufkommenden Force India sogar 40 Punkte. Auf der Strecke haben sowohl Sauber als auch Force India die lahmenden Renault überholt. Und es macht bei Renault keiner den Eindruck, als könnte er das Steuer herumreißen.

Eher im Gegenteil. Die jüngsten Modifikationen sind samt und sonders wirkungslos verpufft. Der Umbau des Windkanals von 50 auf 60 Prozent-Modelle sollte längst keine Ausrede mehr sein. Angeblich liefert der Kanal auch wieder verlässliche Daten. Aber Daten machen ein Rennauto nicht schnell. Da braucht es Ideen.

Problemfall Auspuff

Am Nürburgring begann Renault ein Projekt, das Force India schon in Monte Carlo in Angriff nahm. Der R31 soll nach dem Vorbild von Red Bull von vorne nach hinten angestellt werden. Dazu muss der Auspuff vor den Hinterrädern münden, damit die Auspuffgase den Diffusor abdichten können. Das ist bei Renault ein größeres Unterfangen, denn in der Basisversion treten die Auspuffendrohre vor den Kühlern ins Freie. Man kann von einem Totalumbau und einer Abkehr des Grundkonzepts sprechen. In dem Zusammenhang stellen sich zwei Fragen: Hätte man damit nicht wie Force India früher beginnen sollen? Und: Lohnt es sich bei diesem Auto überhaupt? Das Experiment am Nürburgring wurde abgebrochen und in Ungarn nicht wiederholt. Somit bleiben nur noch acht Rennen, den Trick zum Arbeiten zu bringen. Force India hat vier Grand Prix gebraucht, bis es endlich Klick gemacht hat. Da passte aber bereits das Grundkonzept besser.

Missmanagement im Team

Bei Renault herrscht derzeit eine starke Fluktuation. Mit Bob Bell, Tim Densham und Jason Somerville haben in den letzten acht Monaten drei leitende Ingenieure den Rennstall verlassen. Teammanager Steve Nielsen kündigte freiwillig. Angeblich, weil er der Meinung ist, dass die neuen Besitzer die falschen Prioritäten setzen. Gerade der Abgang von Bob Bell zu Mercedes tut weh. Ein Mann mit Organisationstalent. Einen, den Renault jetzt gut gebrauchen könnte.
Die Sponsoren haben das Marketingkonzept der neuen Besitzer nicht so akzeptiert, wie es sich die Weltverbesserer in der Teamleitung vorgestellt hatten. Da war von neuen Kommunikationsmöglichkeiten und Business-to-Business-Geschäften die Rede. Von der Bedeutung der neuen Medien. Der übliche Marketingschwachsinn, den schon keiner mehr hören kann.

Das Team lebt angeblich von der Hand in den Mund. Der einzige potente Geldgeber soll Lotus sein. Solange von dort noch Geld fließt. Es gingen sogar Gerüchte um, dass Renault nächstes Jahr mit Cosworth-Motoren fährt. Weil die Motorenrechnung für 2011 zu spät oder immer noch nicht bezahlt worden sei. Die Verantwortlichen dementieren. Das Team aus Enstone versucht Renault mit dem Angebot Gratis-Motoren gegen ein Gratis-Testchassis für die V6-Entwicklung zu ködern. Darauf wird sich Paris kaum einlassen. Wozu auch? Wenn nötig würden auch die anderen Kunden Red Bull, Williams und Lotus ein Chassis bereitstellen. Die wieder aufgefrischte Ehe mit Williams macht dem Ex-Werksteam Sorgen. Die Zentrale in Paris hatte sich die Hochzeit etwas kosten lassen und lud die ehemaligen Williams-Weltmeister Nigel Mansell, Damon Hill und Jacques Villeneuve dazu ein. Ein weiteres Indiz dafür, das Enstone bald nur noch das vierte Rad am Wagen ist.

Unausgegorene Personalentscheidungen

Auch die jüngsten Personalrochaden zeugen nicht gerade von Sachverstand. Wie kann man einen Bruno Senna am Freitag in Ungarn ins Auto setzen, wenn einem sowieso schon das Wasser bis zum Hals steht? Nichts gegen Senna, aber was soll der amre Kerl in 90 Trainingsminuten erreichen in einem Auto, das er kaum kennt? Welchen Nutzen hat der Test für die Ingenieure? Er bringt nur Unruhe und lenkt vom Wesentlichen ab. Nämlich die Abwärtsbewegung zu stoppen und das Auto schneller zu machen.

Auch der angebliche Plan, Romain Grosjean nach dem Gewinn der GP2-Meisterschaft in Heidfelds Cockpit zu setzen wäre ein Rohrkrepierer, sollte er wirklich so angedacht sein. Der Franzose wäre mit seiner Rolle als Teamleader völlig überfordert. Was dabei schiefgehen kann, weiß Grosjean aus eigener Erfahrung. Als er 2009 in den letzten sieben Rennen Nelsinho Piquet ersetzte, ist er total abgestürzt. Der Gefallen, einem Franzosen in einem französischen Team eine Chance zu geben wurde zum Boomerang. Grosjean verkaufte sich noch schlechter als Piquet. Und das Team wurde keinen Deut besser.

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