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Saisonstart mit Problemen

McLaren sucht Wege aus der Krise

McLaren F1 Technik 2013 Foto: Grüner 22 Bilder

McLaren ging mit einem Fehlstart in diese Saison. Es ist nicht das erste Mal, dass der Rennstall aus Woking zu Saisonbeginn verzockt hat. Doch bis jetzt fanden die Erben von Bruce McLaren fast jedes Mal den Weg zurück. Auch diesmal?

04.04.2013 Michael Schmidt

McLaren hat zuletzt 2008 mit Lewis Hamilton einen Fahrertitel gewonnen. Die letzte Konstrukteurs-WM liegt datiert vom Jahr 1998. "Wir waren oft knapp dran. Das ist frustrierend", gibt Teamchef Martin Whitmarsh zu. Der Rennstall aus Woking ist neben Ferrari das beständigste Team der letzten 15 Jahre. Nur in der Saison 2006 gab es keinen Sieg. Die McLaren zeigten nicht immer ihr wahres Gesicht zu Saisonbeginn. Nur 1998, 1999, 2000, 2003, 2007, 2008 und 2012 starteten die seit 15 Jahren silber-glänzenden Autos als Favoriten in die Saison.

Neun Saisonstarts mit Problemen

Die Jahre 2001, 2002, 2004, 2005, 2006, 2009, 2010 und 2011 begannen mit Problemen. 2013 ist auch so ein Jahr. Dem McLaren MP4-28 fehlten im Training zwei Sekunden auf die Red Bull. Im Renntrim verkürzte sich der Abstand auf knapp eine Sekunde im Durchschnitt aller Rundenzeiten. Das ließ Erinnerungen an 2009 und 2011 wach werden, als den McLaren mehr als eine Sekunde auf die Red Bull fehlten. Beide Male hatten die Ingenieure zu viel riskiert.

Es gehört zur Kultur dieses Teams, dass die Konstrukteure selten dem Mainstream folgen. Getreu der Devise, dass Kopien selten besser sind als das Original. Manchmal jedoch ist die Innovation nur Selbstzweck. So wie 2009, als McLaren lange an einem Frontflügelkonzept festhielt, das die Luft innen statt außen an den Vorderrädern vorbeileitete. Alle anderen machten es andersherum. Den Doppeldiffusor hatte man auch noch verpennt.

2011 entwickelten die Ingenieure einen Auspuff, dessen länglich geformten Endrohre in den Unterboden eingelassen waren. So wollte man den Diffusor in seiner ganzen Breite anblasen. Prinzipiell keine schlechte Idee, doch sie scheiterte an der Physik. Auspuffgase lieben runde Rohre. Werden sie in ultrabreite eckige gepresst, schaden sie der Motorcharakteristik. Und die Endrohre gingen laufend zu Bruch. 3 Wochen vor Saisonbeginn beendete Whitmarsh das ehrgeizige Projekt. McLaren kopierte in Rekordzeit die Red Bull-Lösung.

McLaren mit zu vielen Neuerungen?

In diesem Jahr ist das Problem komplexer. Der McLaren ist in vielen Details neu. Zum ersten Mal trägt er eine hohe Nase, um mehr Luft unter dem Auto zum Diffusor zu transportieren. Zum ersten Mal ist das Auto nach vorne angestellt. Zum ersten Mal arbeitet die Vorderachse mit Zugestreben. Zum ersten Mal wurden die Querlenker der Hinterachse nach Red Bull-Vorbild angehoben. Und so schlank war das Heck noch nie.

Tim Goss und seine Truppe hat dem MP4-28 eine extreme Flaschenhalsform im Heck verpasst. Ein bisschen viel auf einmal in einem Jahr, in dem die Reifen neue Konturen bekamen und sich wegen der weicheren Seitenwände beim Bremsen und in Kurvenfahrt stärker verformen.

Man hat plötzlich vorne zu wenig und hinten zu viel Abtrieb. Früher war es umgekehrt. Die hecklastige Balance wird bei Lastwechseln erheblich gestört. Der Diffusor liefert noch nicht konstant Abtrieb, wenn das Auto beim Bremsen hinten ausfedert. Diese Technik hat bis jetzt nur Adrian Newey perfekt raus. Er hat auch 20 Jahre dafür geübt. In der Not wird das Fahrwerk hinten auf hart getrimmt. Das aber wiederum killt die Traktion. Auf einer Strecke wie Melbourne ein Todesurteil. Je schlechter der mechanischer Grip, umso weniger heizen sich die Reifen auf. Genau das war das Problem in Australien.

Es kommt aber noch eine zweite Baustelle dazu. Der sind Tim Goss, Neil Oatley, Simon Lacey und Co. jetzt auf der Spur. Im Verdacht stehen die neuen Pirelli-Reifen. Die Aerodynamik des McLaren harmoniert nicht mit den neuen Reifenformen. Man kam darauf, weil sich der neue McLaren mit den Intermediates viel besser anfühlte. Die aber haben auch eine andere Kontur.

Daraufhin begannen die Techniker in Sepang den Unterboden rund um die Hinterräder mit grobem Werkzeug zu modifizieren. "Mit Messer und Gabel", stöhnte Whitmarsh gequält. Dazu gab es neue Bremsbelüftungen. McLaren fand sofort eine halbe Sekunde. Jetzt wird fieberhaft im Windkanal gearbeitet, um den Einfluss der Reifen auf die Strömung nach hinten besser darzustellen.

Neues Konzept vorläufig ein Eigentor

Gut möglich, dass der Ansatz auf ein völlig neues Konzept zu setzen, mit Hinblick auf die Reifenentwicklung vorläufig ein Eigentor war. Sauber und Toro Rosso klagen über ähnliche Probleme. Auch sie haben kaum etwas von ihren Vorjahresautos übernommen. Wer wie Red Bull, Lotus, Mercedes oder Ferrari bekannte Technik nur weiterentwickelt hat, war offenbar davon weniger betroffen.

McLaren-Sportdirektor Sam Michael hofft weiter darauf, dass der neue Ansatz im Verlauf der Saison doch noch zum Erfolg führt. "Mit einem weiterentwickelten Vorjahresauto hätten wir vielleicht bei den ersten Rennen besser abgeschnitten. Unser neues Konzept eröffnet uns für später viel mehr Entwicklungspotenzial."

Kriegt McLaren die Kurve?

Mit Ausnahme von 2006 hat McLaren jedes Mal die Kurve gekriegt. 2001 musste das Team nur bis zum dritten Rennen warten, bis der Knoten platzte. 2002 bis zum siebten Grand Prix. In der Saison 2004 dauerte es bis zum 14.Lauf, bis zum ersten Mal ein McLaren-Fahrer auf dem Siegerpodest stand. 2005 kam der erste Sieg beim fünften Lauf in Spanien. Im Jahr der Frontflügelmisere musste sich Lewis Hamilton bis zum GP Ungarn, dem zehnten Saisonrennen gedulden. 2011 war man bereits im dritten Rennen siegfähig.

Und 2013? Viel Zeit bleibt McLaren nicht mehr, wenn man um die Weltmeisterschaft mitfahren will. Red Bull hat bereits 66 Punkte auf dem Konto. McLaren erst vier. Beim GP China soll ein Technikpaket folgen und die Lücke weiter schließen. Wenn die Aerodynamiker dem Reifenrätsel schnell auf die Spur kommen, könnte der McLaren vielleicht schon bei den nächsten Rennen ein Siegkandidat sein.

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