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Bremsprobleme in Österreich

Nicht nur Rosberg am Limit

Sergio Perez - GP Österreich 2016 Foto: xpb 62 Bilder

Manche hielten es für eine Ausrede. Doch die Bremsprobleme am Mercedes von Nico Rosberg gab es wirklich. So gravierend, dass sogar das Brake-by-wire System ausgestiegen ist. Rosberg war kein Einzelfall. Auch Williams und Force India hatten dramatischen Bremsverschleiß.

05.07.2016 Michael Schmidt

Lewis Hamilton brachte das Thema als erster ins Spiel. Als er die Kollision mit Nico Rosberg aus seiner Sicht erklären musste, ließ er durchblicken. „Ich habe von den Ingenieuren gehört, dass Nico Bremsprobleme hatte. Wahrscheinlich ist er deshalb so weit rausgerutscht.“

Teamchef Toto Wolff bestätigte: „Nicos Bremsen waren am Limit. Da war nicht mehr viel übrig. In der vorletzten Runde stieg auch noch das Brake-by-wire aus. Nico versuchte mit einem Auto spät zu bremsen, das nicht mehr ganz in Ordnung war.“

Das eine hängt mit dem anderen zusammen, wie uns ein Ingenieur erklärt: „Wenn das Bremssystem zu heiß wird und die Scheiben zu stark abgenutzt sind, schaltet die Elektronik auf einen Modus, der das Brake-by-wire umgeht.“

Damit ist die elektrische Bremskraftverteilung gemeint. Sie regelt die Bremsbalance in Abhängigkeit vom Laden der Batterie. Immer wenn die MGU-K gegen den Verbrennungsmotor arbeitet, um Strom zu produzieren, entsteht ein Verzögerungsmoment, das die Hinterradbremsen entlastet. Zum Ausgleich wird an der Hinterachse Bremskraft weggeregelt.

Fahrer stehen 17 Prozent der Runde auf der Bremse

Auch Hamilton hatte Bremsprobleme, aber lange nicht so schlimm. „Sie haben sich schnell wieder stabilisiert.“ Was überraschend ist, weil Hamilton in der zweiten Rennhälfte häufiger Windschatten fuhr und die Bremsen weniger Kühlluft abbekamen.

Rosberg hörte den ersten „Take it easy“-Funkspruch bereits 30 Runden vor Schluss. Da wissen die Piloten, dass sie auf ihr Display schauen müssen. So sehen es die Regeln vor. Die Box darf den Fahrer über Funk nicht spezifisch warnen oder instruieren. Dafür gibt es die Anzeige auf dem Lenkrad.

Ein FIA-Mann erklärt, warum für sicherheitsrelevante Komponenten wie die Bremsen keine Ausnahme gemacht wird. „Wenn wir damit anfangen, werden uns die Teams bei jedem Problem mit der Sicherheit daherkommen. Es steht ihnen frei, Warnsignale auf dem Display zu zeigen. Bremsprobleme kündigen sich ja auch dadurch an, dass das Pedal immer länger wird.“

Mercedes war mit den Bremsproblemen nicht allein. Auch Williams und Force India lagen am Limit. Felipe Massa musste wegen zu hoher Bremstemperaturen aufgeben. Bei Nico Hülkenberg gingen ebenfalls die Warnlampen an. „Das Team hat gesehen, dass der Bremsverschleiß kritisch wurde. Deshalb haben sie mich aus dem Rennen genommen.“ Wie kritisch, zeigte sich bei Teamkollege Sergio Perez. Dem Mexikaner fiel beim Anbremsen der dritten Kurve das Bremspedal durch. Perez landete unsanft im Reifenstapel.

Doch warum waren die Bremsen plötzlich so ein Problem? Die Fahrer stehen laut Brembo 17 Prozent der Runde auf der Bremse. Zwischen den sieben Bremspunkten bekommen Scheiben und Sättel kaum Erholungsphasen.

Dazu kam bei diesem Grand Prix eine Besonderheit, wie die Mercedes-Ingenieure erklären: „Die Hausaufgaben vom Freitag waren am Sonntag wegen des Wetterwechsels nicht mehr viel wert. Wenn du blind in ein Rennen unter völlig anderen Bedingungen als am Freitag und Samstag gehst, dann bist du mit dem ein oder anderen Faktor am Limit. Das Kurslayout erlaubt es tief und hart in die Kurven hineinzubremsen. Das stresst die Bremsen. Hätten wir am Freitag unsere Hausaufgaben bei realistischen Bedingungen gemacht, wäre es nicht passiert.“

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