Nächstes Rennen: 10. Juni 2012
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Probleme mit F1-Hybridtechnik: Ist KERS ein Flop?

Bis jetzt ist die neu eingeführte Hybrid-Technik (KERS) nicht der Matchwinner in der Formel 1. Im Gegenteil: Bei den ersten vier Rennen schaffte es nur Nick Heidfeld im Regen von Sepang mit KERS auf das Siegerpodest.

Das KERS-Konto steht nach vier Rennen auf 25 Punkten. Von den insgesamt 136,5 bislang vergebenen WM-Zählern haben Autos mit KERS an Bord also nur 18,3 Prozent der Ernte eingestrichen.

Der zweite Platz von Nick Heidfeld in Malaysia stellte das beste Resultat eines Autos mit KERS dar. Das Podium war im Regen allerdings äußerst glücklich, am Ende gab es auch nur halbe Punkte. Den Löwenanteil der Ausbeute trägt McLaren-Mercedes bei. Die Silberpfeile traten als einziges Team in allen vier Rennen mit beiden Autos mit dem Hybridantrieb an. 13 Punkte bedeuten die Hälfte aller KERS-Punkte. Renault steuert bei sechs von acht möglichen KERS-Einsätzen fünf Zähler bei, BMW (5 Einsätze) vier und Ferrari (7 Einsätze) drei.

Ist das Experiment fehlgeschlagen? Bis jetzt auf jeden Fall. Trotzdem glaubt BMW-Teamchef Mario Theissen: "Am Ende des Jahres hat das schnellste Auto im Feld KERS an Bord." Es ist aber noch nicht anzusehen, wann das Pendel Richtung Hybridantrieb ausschlagen wird. "Erst wenn die KERS-Autos in der Startaufstellung weiter vorne stehen, wird sich der strategische Vorteil der 82 Extra-PS durchsetzen", prophezeit Nick Heidfeld.

KERS-Vorteil am Start und im Zweikampf

Einen ersten kleinen Vorgeschmack gab es in Bahrain bereits. Wegen des langen Anlaufs in die erste Kurve gewannen die KERS-Piloten Lewis Hamilton, Kimi Räikkönen, Felipe Massa, Fernando Alonso und Nelsinho Piquet beim Start viele Plätze. "Die kamen wie aus dem Nichts angeflogen", staunte Nico Rosberg. Der Williams-Pilot beteuerte: "Dabei hatte ich einen Super-Start." Auch im Rennen konnten die mit Hybridpower ausgerüsteten Piloten die Vorteile des Systems nutzen. "Ich war klar schneller als Piquet", stöhnte Mark Webber nach dem Rennen, "aber Nelson konnte sich mit seiner Extraleistung immer wieder retten."

Das größte Problem für die KERS-Liga ist die Qualifikation. Wenn sie alleine unterwegs sind, verlieren die KERS-Piloten zuviel Zeit. Der theoretische Vorteil durch das Boosten an strategisch günstigen Stellen wird durch die Nachteile des Systems wieder aufgefressen. Das sind: Ungünstigere Gewichtsverteilung, höherer Schwerpunkt, schwer kalkulierbare Bremsbalance und Zeitmangel beim Abstimmen des Autos. "Genau diese Punkte kannst du in deine Simulation nicht mit einfließen lassen, weil sie in Daten schwer zu fassen sind", berichtet Heidfeld.

Renault in Barcelona und Monaco ohne KERS

Einer der größten Kritiker in der KERS-Armada ist Renault-Teamchef Flavio Briatore: "KERS verdreht meinen Fahrern den Kopf. Sie können sich vor lauter Knöpfedrücken nicht mehr aufs Fahren konzentrieren. Ich kann die endlosen Diskussionen zwischen den Fahrern und Ingenieuren nicht mehr hören." Briatore hat bereits entschieden: Renault wird bei den nächsten beiden Rennen in Barcelona und Monte Carlo ohne den Hybridantrieb im Auto fahren.

McLaren-Mercedes dagegen hält daran fest. Obwohl man dem System aus Kostengründen zunächst kritisch gegenüberstand, hat man im Lager der Silbernen Gefallen daran gefunden. Das liegt auch daran, dass Mercedes das beste System entwickelt hat und davon am meisten profitiert. Die KERS-Einheiten wiegen nur 25 Kilogramm. Wegen der liegenden Batterien ist der Schwerpunkt des Autos nicht so stark beeinflusst wie bei BMW, wo die Batteriepakete in den Seitenkästen stehen. Und man hat bei Mercedes ein Procedere entwickelt, dass es den Fahrern vereinfacht, die Bremsbalance mit wenigen, überschaubaren Handgriffen zu tunen. "Das ist bei unseren Fahrer inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen", sagt Mercedes-Ingenieur Michael Wilson.

KERS-Technik relativ zuverlässig

Trotz der komplizierten Technik gab es bislang kaum Schäden. Bei Nick Heidfeld stellte das System in Shanghai zeitweise ab, weil es im Regen zu starke Temperaturschwankungen gab. Ferrari musste in China pausieren, weil zwei Kurzschlüsse die Techniker vor Rätsel stellten.
 
Das Problem konnte in Maranello mittlerweile reproduziert werden. Es lag an den Batterien selbst. Deshalb gab es am Samstag in Bahrain bei beiden Autos wieder grünes Licht. Auch McLaren ist nicht kugelsicher. Heikki Kovalainen musste sein KERS im Freitagstraining abschalten. Die Leistungselektronik schaltete wegen Überhitzung ab. Einige Transistoren waren durchgeschmort. Erst als man neue Hitzetauscher aus Karbon installierte, lief das Steuergerät, das die Ströme taktet wieder einwandfrei.

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Michael Schmidt

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KERS Schild Hat sich KERS für die Formel 1 gelohnt?
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