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Mercedes-Psychokrieg

Rosberg und Hamilton verschießen Giftpfeile

Lewis Hamilton & Nico Rosberg - GP Italien 2014 Foto: xpb 110 Bilder

Die Weltmeisterschaft geht in ihre entscheidende Phase. Und damit auch das Titelduell zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton. Wer glaubt, dass der GP Italien ein Moment der Entspannung war, der irrt. Monza hat gezeigt, dass sich die Mercedes-Piloten weiter voneinander entfernt haben als je zuvor.

16.09.2014 Michael Schmidt

Mercedes war um Entspannung bemüht. Nach dem Hype um die Kollision von Spa sollten sich die Gemüter erst einmal wieder beruhigen. Das letzte, was passieren durfte, war ein weiterer Konflikt. So gesehen war Monza ein gutes Rennen. Lewis Hamilton und Nico Rosberg lieferten einen Doppelsieg ab. Sie kamen sich nur ein Mal richtig nahe. In der Startaufstellung. Im Rennen lag der Abstand immer bei mehr als acht Metern.

Trotzdem ist die Stimmung aufgeladen. Von wegen Versöhnung. Rosberg und Hamilton haben sich nicht mehr viel zu sagen. Das zeigte die Pressekonferenz am Donnerstag und die Siegerehrung am Sonntag. Ein Mal war Fernando Alonso der Puffer, das andere Mal Felipe Massa und Mercedes-Elektronikchef Evan Short. Die Mercedes-Stars blieben auf Distanz.

Im Vorraum zum Podium erwähnte Rosberg seinem Ingenieur gegenüber, "dass Lewis verdammt viel Glück hatte". Was er damit meinte, ließ er offen. Rosberg redete italienisch mit dem Techniker. Sein Konkurrent hatte keine Ahnung, was neben ihm geredet wurde.

Keine Strafen für Spa-Kollision

An seine eigenen Fehler am Ende der Zielgeraden hat Rosberg bestimmt nicht gedacht, als er von Glück redete. Damit hatte er dem Teamkollegen erst den roten Teppich zum sechsten Saisonsieg gelegt. Rosberg nahm offenbar auf die Szene beim Start Bezug, als sein Widersacher vor dem Verlöschen der Lichter kurz anrollte.

"Lewis hätte fast einen Frühstart hingelegt. Er ist in der Sekunde los, als die Ampel ausging. Absolut perfekt. So einen Start gibt es eigentlich gar nicht. Normalerweise hast du eine Reaktionszeit von zwei Zehnteln." Ein Bruchteil früher, und Hamilton hätte eine Strafrunde durch die Boxengasse drehen müssen. Das wäre der Sieg für Rosberg gewesen. Trotz der Fehler.

Doch warum hat sich Rosberg überhaupt verbremst, und das gleich zwei Mal? Teamchef Toto Wolff meinte: "Das war nicht Nico like." Experten glauben, dass die Vorfälle der letzten Wochen Rosberg mehr an die Nieren gehen, als er zugeben will.

Subjektiv sieht es für ihn so aus, als würde immer nur Hamilton Recht bekommen. Der Engländer ignoriert eine Stallorder in Budapest, und die Teamleitung kritisiert den Kommandostand. Die Kollision in Spa ist ein Allerweltsunfall, über den keiner ein Wort verloren hätten, wären andere Fahrer beteiligt gewesen. Doch Rosberg gerät ins Kreuzfeuer interner Kritik.

Schlimmer noch. Der Deutsche tritt zur Entschuldigung an, und es wird der Eindruck vermittelt, als hätte man ihn intern für die böse Tat von Spa bestraft. Und zwar nur ihn. Tatsächlich gab es keinerlei Strafen für die Fahrer. Nur eine Verwarnung.

Im Wiederholungsfall müssen die Piloten mit Konsequenzen rechnen. Weil im Vertrag steht, dass sie in erster Linie für das Team fahren. Die Abmahnung galt gleichermaßen für Rosberg und für Hamilton. Doch draußen verfestigte sich die Meinung, Rosberg habe eine Geldbuße über sich ergehen lassen müssen.

Fährt der Frust bei Rosberg mit?

Leute, die Rosberg kennen, glauben, dass die jüngsten Vorfälle den WM-Spitzenreiter in Monza aus dem Konzept gebracht haben. "Nico hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Er frisst solche Dinge manchmal in sich hinein. Die Fehler von Monza sahen so aus, als würde der Ärger darüber immer noch mitfahren. Normalerweise passiert ihm so etwas nicht. Es ist Unsinn, von einem inszenierten Fehler zu sprechen. Das war Unkonzentriertheit."

Jetzt, wo das Titelrennen in seine entscheidende Phase geht, muss Rosberg die bösen Geister aus seinem Kopf bekommen. Sonst spielt Hamilton seine psychologische Trumpfkarte aus. Der Engländer führt das Duell aktiv auch außerhalb seines Rennautos fort. Immer, wenn es nötig ist, schießt er kleine Giftpfeile auf seinen Gegner ab. Rosberg bezeichnet das Verhältnis nicht mehr als "Freundschaft". Er redet von einem "respektvollen Umgang".

Im Team wird die härtere Gangart zwischen den beiden Piloten bereits mit Sorge registriert. Der Informationsaustausch funktioniert nicht mehr so wie zu Saisonbeginn. Weil jetzt, wo es ernst wird, jeder seinen Vorteil sucht.

Daran wird sich auch in den letzten sechs Rennen nichts ändern. Singapur ist für Rosberg ein Schlüsselrennen. Ein Grand Prix, bei dem er immer stark gefahren ist. Und da kommt die Psychologie ins Spiel. In Monza darf man einen Sieg am Hamilton verschenken. In Singapur nicht.

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