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Racheplan von Ron Dennis

Spielt McLaren nur mit Alonso?

Ron Dennis & Fernando Alonso - Formel 1 - 2007 Foto: xpb 94 Bilder

Für die Experten im Fahrerlager scheint der Fall klar zu sein. Fernando Alonso geht zu McLaren-Honda. Doch ist dieser Zug wirklich so klar? Manche vermuten, dass McLaren-Chef Ron Dennis nur mit dem Spanier spielt. Und ihn als Revanche für 2007 im letzten Augenblick über die Klinge springen lässt.

05.10.2014 Michael Schmidt

Fernando Alonso und McLaren war keine glückliche Ehe. Sie ging Ende 2007 im Unfrieden auseinander. Alonso hatte McLaren im Spionagefall zuerst erpresst und dann verpfiffen. Es hat McLaren die Rekordstrafe von 100 Millionen Dollar gekostet und alle Punkte im Konstrukteurs-Pokal. Was dem Team noch einmal an den Geldbeutel ging. Als Letzter der WM gab es statt 60 Millionen Dollar gar nichts.

Die interne Vertrauenskrise führte zu der absurden Situation, dass Alonso im WM-Finale zum Feind im eigenen Haus wurde. McLaren tat in den letzten Rennen alles, um zu verhindern, dass der Spanier den Titel einfahren konnte. Da war ein Weltmeister Kimi Räikkönen auf Ferrari noch das geringere Übel. Am Ende des Jahres trennten sich die Wege von Alonso und McLaren. Der 3-Jahresvertrag wurde aufgelöst.

Alte Fehde schon vergessen?

Sieben Jahre später treffen sich die Hauptdarsteller wieder. Auf der einen Seite McLaren-Chef Ron Dennis, auf der anderen ein zunehmend frustrierter Alonso. Der gescheiterte Transferpoker drängt den Spanier in die Defensive. Die Türen bei Ferrari und Red Bull sind zugefallen. Die Hoffnung darauf, dass Lewis Hamilton bei Mercedes absagt, verschwindend gering. Das Risiko, mit der neuen Kombination McLaren-Honda noch mehr zu leiden als derzeit mit Ferrari relativ groß.

Alonso soll von McLaren deshalb eine Freigabe-Klausel nach einem Jahr fordern, wenn das Projekt scheitert. Doch seit Alonso die Rückkehr zu Ferrari verbaut ist, hält McLaren die besseren Karten in der Hand. Wer Ron Dennis kennt, kann sich schwer vorstellen, dass er die alte Geschichte vergessen hat.

Bis jetzt hält er sich alle Optionen offen. Dennis erklärte in Suzuka, dass McLaren noch mit keinem Fahrer Verträge abgeschlossen hat. Inzwischen sickerte durch, dass er auch Lewis Hamilton ein Angebot gemacht hat. Für 2016, denn Hamilton ist bis 2015 bei Mercedes unter Vertrag. Da sollten Alonso die Alarmglocken schrillen.

In der Formel 1 ist nichts unmöglich. Auch nicht, dass Ron Dennis seinem früheren Fahrer den Köder hinhält, ihn im letzten Augenblick fallen lässt und doch noch ein Jahr mit Jenson Button und Kevin Magnussen weiterfährt. Es wäre die perfekte Retourkutsche für 2007.

Die Frage ist, ob Dennis dann noch im Amt ist. Ende Oktober muss er das Geld für die Anteile von Mansour Ojjeh und der Baharain Mumtalakat Holding aufgetrieben haben. Wenn nicht, besteht die Möglichkeit, dass ein anderer die Fäden zieht. Ojjeh soll den alten Teamchef Martin Whitmarsh favorisieren. Die Bahrainis wollen lieber frisches Blut. Da fallen Namen wie Christian Horner, Ross Brawn oder Gerhard Berger.

Gute Gründe gegen Alonso-Verpflichtung

Sollte die Theorie der Revanche stimmen, stellt sich eine Frage: Wie redet Dennis dem neuen Motorenpartner Alonso aus? Honda will unbedingt einen Starpiloten. Es gibt gute Gründe, gerade im ersten Jahr auf einen Superstar zu verzichten. Den bekommt man auch 2016, wenn die erste Saison vielversprechend ist. Und man ist ihn schnell wieder los, wenn das Projekt eine Pleite wird. Alonso lieferte gerade mit Ferrari das beste Beispiel.

Ein Superstar im eigenen Stall erhöht nur den Druck auf die Japaner. Wenn der McLaren-Honda kein Siegerauto ist, dann kann Alonso mit seiner fahrerischen Klasse vielleicht das Ergebnis etwas schöner gestalten als Button oder Magnussen, aber er kann keine Wunder wirken. Siehe Ferrari in diesem Jahr. Verliert man mit Alonso im Cockpit, tut die Niederlage doppelt weh. Weil dann alle Welt weiß, dass die Technik schuld ist.

Auch für Alonso ist McLaren-Honda ein Risiko mit ungewissem Ausgang. Dem 33-jährigen Ausnahmepiloten bleiben nicht mehr viele gute Jahre in der Formel 1. Der nächste Teamwechsel muss der richtige sein. Wenn er bei McLaren Magnussen um die Ohren fährt, schlägt das viel kleinere Wellen, als wenn er seine Wundertaten bei Ferrari vollbringt.

Alonso behauptet, dass er bereits seit drei Monaten an seiner Zukunft bastelt, und man seine Pläne erst begreifen wird, wenn sich mal alle Puzzlesteine zusammengefügt haben. Diese kryptische Aussage klingt eigentlich nicht nach der Option, die auf der Hand liegt. Darüber, dass Alonso zu McLaren-Honda gehen könnte, wird schon seit Monaten spekuliert.

McLaren hat seit zwei Jahren kein Siegerauto mehr gebaut. Der neue MP4-30 ist spät dran, weil der von Red Bull abgeworbene Chefaerodynamiker Peter Prodromou erst am 1. September mit seiner Arbeit beginnen durfte.

Vom Honda V6 erzählt man sich, er sei noch zu schwach, zu schwer und zu durstig. Das würde nicht verwundern. Honda begann jede neue Motoren-Ära mit einem konservativen Ansatz. Erst als man sich mit Mann und Maus in die Weiterentwicklung stürzte, setzte Honda die Maßstäbe. Doch das verbietet heute das Reglement.

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