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Radio Fahrerlager GP Brasilien: Weiter Zweifel an USF1

GP Brasilien 2009

Die kleinen aber nicht weniger interessanten Nachrichten abseits der Rennstrecke von Interlagos lesen Sie wie immer in unserer Rubrik "Radio Fahrerlager". Heute unter anderem mit USF1, Robert Kubica, Tonio Liuzzi, Mark Webber, Sebastian Vettel und  Pedro de la Rosa.

Nur Monatsverträge bei USF1?

Eine Visite der FIA-Prüfer Tony Purnell und Nick Craw in der USF1-Fabrik in Charlotte lässt weiter Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Projekts offen. Die auf Fotos zur Schau gestellten Fertigungsanlagen in der Fabrik reichen nach Expertenaussagen für eine Formel 1-Produktion nicht aus. Angeblich wolle man die Teile in der Rennstadt Charlotte im Auftrag bauen lassen. Doch dort weiß keiner etwas von Aufträgen. Wunschpilot Alexander Wurz hat den Glauben an das Team bereits aufgegeben.

Teammanager Dave Stubbs soll wie die meisten der bislang 60 Mitarbeiter nur eine Anstellung auf Monatsbasis bekommen haben. Es kursieren Gerüchte, dass USF1 den Vertrag mit Cosworth auflösen will. Und als Standort in Europa haben die Teamchefs Ken Anderson und Peter Windsor angeblich Andorra im Auge. Aber das Catering von USF1 soll nächstes Jahr ja auch ausschließlich mit Hamburgern aufwarten. Sollte sich das Team als Luftblase erweisen, wäre es ein Skandal, wenn es die FIA zuließe, dass Windsor und Anderson ihren Startplatz verkaufen.

Kubicas eingebildete Reifenprobleme

Robert Kubicas zweiter Platz bestätigte BMW-Technikchef Willy Rampf in seiner Meinung, dass beim Rennfahrer die Psychologie eine große Rolle spielt. Bei der technischen Besprechung vor dem Rennen hatte Kubica die Ingenieure beschworen, den letzten Turn mit den weichen Reifen so kurz wie möglich zu planen. Die BMW-Strategen lehnten das ab. Ein langer Mittelturn hätte sich negativ auf das Renntempo niedergeschlagen. Deshalb musste Kubica 25 Runden auf den weichen Reifen fahren.

"Unmöglich", schimpfte der Pole vor dem Start. "Mit dem wenigen Abtrieb, den wir hier fahren, sind die weichen Dinger sofort kaputt." Tatsächlich lief alles wie geschmiert. Kubica kam ohne Probleme durch den letzten Turn. Rampfs Erklärung: "Robert musste seinen zweiten Platz verteidigen. Da gibt es plötzlich keine Schwierigkeiten mehr. Wäre er zu dem Zeitpunkt Zehnter gewesen, hätte er am Ende des Rennens bestimmt über die Reifen geklagt."

Vettel spät da, dafür früh wieder weg

Die drei WM-Kandidaten kamen und gingen auf getrennten Wegen zum vorentscheidenden Rennen nach Brasilien. Jenson Button schwebte von einem Kurzurlaub aus Hawaii ein. Rubens Barrichello spielte zuhause in Sao Paulo den Hausmann, fuhr die Kinder zur Schule, machte Verwandtschaftsbesuche. Sebastian Vettel lag mit einer Erkältung nach seinem Sieg in Japan krank im Bett. Der Vierte des GP Brasilien kam als Letzter nach Sao Paulo und war auch als Erster wieder weg. Vettel hatte auf dem Swiss-Flug LX93 nach Zürich am Abend des Grand Prix zwölf Stunden Zeit, Frust abzubauen. Jenson Button und Rubens Barrichello trafen sich kurz auf der Brawn GP-Siegerparty im Stadtteil Vila Olympia. Button fuhr aber überraschend schnell wieder ins Hotel zurück.

Kimi will weiter Rallyefahren

Interlagos-Sieger Mark Webber hatte für die Gerüchte, er werde nächstes Jahr durch Kimi Räikkönen ersetzt, nur ein kaltes Lächeln übrig. "Wenn sie das wollen, sollen sie mich auszahlen, und weg bin ich." Die Aufregung war völlig umsonst. Das Management von Räikkönen war nicht an einem Cockpit bei Red Bull interessiert, sondern daran, ob es für Kimi eine Möglichkeit gibt, im Red Bull-Juniorteam hin und wieder mal eine Rallye zu bestreiten.

Liuzzi fürchtet sich

Die Fahrer echauffierten sich noch am Sonntag über das Regenchaos vom Samstag. "Sie hätten die Qualifikation bei den Bedingungen nie starten dürfen", wetterte Vitantonio Liuzzi, eines der Unfallopfer. "Ich kam im siebten Gang an, und plötzlich dreht es das Auto ohne Vorwarnung auf der Geraden. Dabei habe ich noch nicht mal die Bremse angetippt. Ich habe mich noch nie so gefürchtet wie in diesem Moment."

Liuzzi beschwor Pedro de la Rosa, einen der Chefs der Fahrervereinigung GPDA: "Wir müssen verhindern, dass so etwas noch einmal passiert." Als Liuzzi dann mit dem Medical-Car vom Unfallort weggebracht wurde, verstand er, warum die Rennleitung die Strecke trotz Inspektion freigegeben hatte. "Mit einem normalen PKW spürst du die Pfützen gar nicht. In einem Formel 1 schwimmst du sofort auf."

Boxenstart kurzfristig abgesagt

Sebastian Vettel, Lewis Hamilton und Heikki Kovalainen hatten überlegt, am Sonntag aus der Boxengasse zu starten. Die Regenwahrscheinlichkeit für das Rennen lag bei 40 Prozent. Ihre Autos waren auf Trockenheit abgestimmt. Einen Fahrzeugwechsel muss man bei der Rennleitung jedoch bis drei Stunden vor dem Start beantragen. Zu dem Zeitpunkt brannte die Sonne auf den Kurs von Interlagos nieder. Das Risiko eines Regenpokers war den drei Piloten dann doch zu hoch und die Aktion wurde wieder abgeblasen.

Lenkrad-Klau bei Force India

Nach dem Unfall von Vitantonio Liuzzi trug einer der Streckenposten das Lenkrad davon. Der Force India-Pilot war zwar von dem Einschlag noch etwas benommen, doch den Lenkradklau hatte er bemerkt. Er rannte dem Streckenposten hinterher und kassierte das teure Stück wieder ein. "Im Team haben sie mir eingeschärft: Egal, was bei einem Unfall passiert. Das Lenkrad darfst du nie aus der Hand geben." Die Multifunktions-Schaltzentralen sollen bis zu 30.000 Euro teuer sein.

De la Rosa auf Nummer sicher

Pedro de la Rosa hat bei Campos noch nicht unterschrieben. Dem McLaren-Edeltester ist die Lage zu heiß. "Solange das Sponsorpaket nicht steht, warte ich ab. Das gilt für alle neuen Teams. Wenn Du dich jetzt festlegst, und im Januar heißt es plötzlich, dass kein Geld da ist, stehst du auf der Straße. Da bleibe ich lieber erstmal bei McLaren. Wer weiß, vielleicht springt da ja mehr als nur ein Testfahrerjob heraus?" Das Team und Kimi Räikkönen konnten sich bislang immer noch nicht auf das Gehalt einigen. Und Heikki Kovalainen muss wohl gehen.

Flügel-Salat in Sao Paulo

Der Entwicklungswettlauf war in diesem Jahr intensiver als je zuvor. Red Bull brachte die Frontflügel Nummer 18, 19 und 20 nach Sao Paulo, griff aber dann auf die älteste Variante zurück. McLaren hatte die Wahl zwischen 5C und 6B. "Insgesamt hatten wir dieses Jahr zwölf verschiedene Spielarten", verriet McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh.

Kleider machen Leute

Der neue Force India-Geschäftsführer Otmar Szafnauer musste gleich an seinem zweiten Arbeitstag nach Sao Paulo reisen. Er übernimmt auch die Aufgaben von Technik-Koordinator Simon Roberts, den McLaren zurückbeordert hat. Ex-Honda-Rennleiter Szafnauer lief in Zivil durch das Fahrerlager von Interlagos: "Meine Ernennung kam so kurzfristig, dass es noch keine Teamkleidung für mich gibt."

Standard-KERS ab 2011?

KERS bleibt als Option im technischen Reglement. Williams besteht darauf, einigte sich aber mit den anderen Teams darauf, KERS im nächsten Jahr nicht einzusetzen. Die Ferrari-Lieferanten MTS (Generator, Leistungselektronik) und Saft (Batterien) könnten ab 2011 ein Standardsystem für zwei Millionen Euro pro Team anbieten.

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Michael Schmidt

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