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Radio Fahrerlager: GP Kanada 2010

Schumacher geht freiwillig baden

Michael Schumacher mit Dummy Foto: dpa 37 Bilder

In unserer Rubrik "Radio Fahrerlager" haben wir wie immer die kleinen, aber nicht minder interessanten Geschichten rund um den Grand Prix von Kanada gesammelt. Die Themen: Schumi geht baden, WM-Fieber im Fahrerlager, Dinner-Einladungen, Ohrringe bei McLaren und KERS.

16.06.2010 Michael Schmidt, Tobias Grüner

Schumi-Bad mit Zigarre

Michael Schumacher hatte sich von der Enttäuschung des GP Kanada schnell erholt. Nach der technischen Besprechung mit den Ingenieuren saß er mit Freunden und Mitarbeitern des Teams in fröhlicher Runde mit einer Zigarre und einem Bier im Fahrerlager. Zum Abschluss der kleinen Party flogen alle ins olympische Regattabecken, das direkt ans Fahrerlager angrenzt. Das Wasser soll nur 15 Grad warm gewesen sein.

Doppelte Niederlage für Webber

Mark Webber machte beim Verlassen des Fahrerlagers nach dem GP Kanada ein langes Gesicht. Es war nicht sein Tag. Am Morgen wurde er wegen eines Getriebewechsels um fünf Startplätze zurückgestuft. Im Grand Prix verlor er mit einem fünften Platz seine WM-Führung. "Und danach verloren unsere Fußballjungs auch noch 4:0 gegen Deutschland", lachte der Australier gequält. Einverstanden war er nur mit dem Getriebewechsel, der eine reine Vorsichtsmaßnahme war. "Ich hätte das Getriebe auch gewechselt. Lieber ein paar Plätze verlieren, dafür aber ins Ziel kommen. In meiner Situation brauche ich jeden Punkt", antwortete Webber auf Verschwörungstheorien, Red Bull wollte ihn durch diese Maßnahme in der Startaufstellung möglichst weit weg von Sebastian Vettel platzieren.

Button verhöhnt Konkurrenz

Jenson Button hatte für die Fahrer, die mit harten Reifen ins Rennen gegangen waren, nur Spott übrig. "Am Samstag haben uns alle gesagt, wir hätten mit den weichen Reifen gepokert. Ich frage mich, wer da mehr gepokert hat. Mit hart zu starten war die viel riskantere Strategie."

Crash-Piloten laden ein

Mark Webber und Sebastian Vettel haben in Montreal am Mittwoch Abend das gesamte Red Bull-Team zum Italiener eingeladen. Teamchef Christian Horner flachste: "Ich habe mir das Teuerste von der Karte bestellt, weil ich weiß, wie schwer sich Rennfahrer von ihrem Geld trennen."

Brawn falsch übersetzt

Ross Brawn bestreitet, dass er Mercedes abgeraten habe, Konkurrent Red Bull im nächsten Jahr keine Motoren zu geben. "Ich wurde von einem italienischen Journalisten gefragt, ob Mercedes ein viertes Team verkraften könne. Darauf habe ich geantwortet, dass bei Vakanzen auf dem Motorensektor erst einmal Cosworth zum Zug kommen sollte. So war es auch von der FIA geplant. Sie will Cosworth im Geschäft halten, um im Ernstfall unabhängiger von den Werken zu sein. Bei der Übersetzung vom Italienischen ins Englische hat da wohl jemand eins und eins zusammengezählt und das Ganze auf Red Bull gemünzt." Mercedes-Rennleiter Norbert Haug wurde auf Anfrage konkreter: "Ein viertes Team übersteigt unsere Kapazitäten. Wie es im Moment aussieht, müssen wir uns wieder um KERS kümmern."

McLaren sauer auf Eddie Jordan

BBC-Reporter Eddie Jordan spielt seine Rolle als Provokateur im Expertentrio mit Martin Brundle und David Coulthard perfekt. In Montreal wetterte der frühere Formel 1-Chef am Mikrofon: "Red Bull und McLaren denken nicht an die Fans. Sie geben Stallorder aus und erzählen uns hinterher Märchen." Bei McLaren kam die Kritik offenbar nicht besonders gut an. Das Siegerteam von Montreal hatte schon öfter Zoff mit Jordan. Im vergangenen Jahr kritisierte der redselige Ire die Rennstrategie von McLaren. "Was soll der Unsinn, dass die echten Strategen zuhause in Woking sitzen und ihre Entscheidungen an die Rennstrecke übermitteln?"

Podolski sorgt für Jubel bei Virgin

Am Wochenende von Kanada grassierte im Formel 1-Fahrerlager das große WM-Fieber. Nach dem Qualifying sah man vor allem die englischen Mechaniker vor den Fernsehgeräten, wie sie Rooney, Lampard und Co. beim Spiel gegen die USA die Daumen drückten. Während das McLaren-Team dank des verschobenen Briefings komplett versammelt vor dem TV fieberte, schaute man bei Williams in die Röhre. Ein Problem mit der Stromversorgung sorgte für schwarze Bildschirme. Am Sonntag nach dem Rennen blickten dann die Deutschen gebannt nach Südafrika. Auch im Virgin-Lager lief das Spiel auf den Monitoren. Gerade als der auto motor und sport-Reporter Timo Glock ein paar Worte zum Rennen entlocken wollte, fiel das 1:0 gegen Australien. Mit einem lauten "Podolski" streckte Glock seinem Teamkollegen Lucas di Grassi die Faust entgegen, der ob des plötzlichen Gefühlsausbruchs etwas verdutzt dreinschaute.

Kubica kritisiert Aktionismus

Robert Kubica kritisiert die Pläne mit dem verstellbaren Heckflügel. Der Pole kann die Aufregung nicht verstehen, die es plötzlich ums Überholen gibt. Erstens ist diese Saison auch ohne künstliche Hilfe gut genug, und zweitens: "Wieso hat man bis heute gebraucht um zu merken, dass Überholen schwierig ist? Ich habe mir 1997 mein erstes Formel 1-Rennen angeschaut. Schon damals ist nicht viel überholt worden."

Neue Ohrringe bei McLaren

Nachdem Lewis Hamilton in Istanbul mit gepiercten Ohrläppchen aufgetaucht war, sah man bei McLaren in Montreal plötzlich überall Ohrringe. Die Mechaniker des englischen Starpiloten signalisierten damit ihre Solidarität mit dem Weltmeister von 2008.

Sauber will kein BMW-KERS

Im nächsten Jahr fährt die Formel 1 wieder mit KERS. Wer keinen eigenen Hybridantrieb hat, muss sich einen kaufen. Der Maximalpreis ist in der Kostenbremse der Teams festgelegt: eine Million Euro pro Jahr. Bietet sich da für Sauber nicht an, auf das System seines Ex-Partners BMW zurückzugreifen? Peter Sauber winkt ab: "Bloß nicht. Das war ein luftgekühltes System und hat viel zu viele Nachteile." Er wird wohl bei Ferrari einkaufen. Hoffentlich funktioniert das KERS aus Maranello besser als die Motoren. Sauber beklagte in Montreal den vierten Motorschaden mit dem Ferrari V8.

Reglement macht Williams konkurrenzfähig

Williams-Technikpapst Patrick Head sieht im Sparwillen der Formel 1 eine Chance für die Privatteams. "Die Macht des Geldes ist schon geringer geworden. Wenn alle nur 15 Tage testen, kannst du auf dem Gebiet weniger rausholen." Wenn bald auch die Personalstärke auf 350 Mitarbeiter heruntergefahren wird, bricht den Top-Teams ein weiterer Vorteil weg. "McLaren hat 2009 aus einem mittelmäßigen Rennauto ein Siegerfahrzeug gemacht. Das geht nur mit einer gewissen Mannschaftsstärke im Technikbüro."

Force India spielt nicht mit

Force India laufen die Ingenieure davon. Zuerst wanderte der Technische Direktor James Key zu Sauber ab, dann unterschrieb Chefdesigner Mark Smith mit einem Jahr Vorlauf bei Lotus. "Lotus bietet das doppelte Gehalt", stöhnt Force India-Geschäftsführer Otmar Szafnauer. "Da musst du entweder mitspielen oder dir anderweitig Ersatz suchen." Der dritte Mann Andy Green soll nun in die erste Position des Technikbüros aufsteigen.

Selänne meets Kovalainen

Von vielen Medienvertetern unerkannt stattete der finnische Eishockey-Star Teemu Selänne der Formel 1 einen Besuch ab. Der sympathische Flügelspieler der Anaheim Ducks, der immer noch den Rookie-Rekord für Tore in der NHL hält, schaute am Samstag und Sonntag im Fahrerlager bei Lotus vorbei, um Landsmann Heikki Kovalainen viel Glück zu wünschen. "Ich wollte schon immer zu einem Formel 1-Rennen. Nach der Nordamerika-Pause im Vorjahr hat sich jetzt endlich die Gelegenheit ergeben", sagte der Bronzemedaillen-Gewinner von Vancouver.

Früher Feierabend im Fahrerlager

Normalerweise bleibt für die meisten Teammitglieder am Sonntag keine Zeit zum Abendessen. Bis in die Nacht dauert gewöhnlich der Abbau und das Zusammenpacken des Materials. In Kanada begann das Rennen allerdings schon zwei Stunden früher als gewöhnlich um 12 Uhr Ortszeit. Bei Williams war dadurch schon um 20 Uhr Zeit für das Feierabend-Bier.

Spendabler Schotte

Ex-Formel 1-Weltmeister Sir Jackie Stewart feierte in Montreal seinen 71. Geburtstag. Bei einem großen Dinner im besten Restaurant der Stadt "Queue de Cheval" genoss der 27-fache Grand Prix-Sieger mit britischen Journalisten den Abend. Dass Stewart am Ende großzügig die Rechnung übernahm, war von dem als sparsam geltenden Schotten nicht unbedingt zu erwarten.

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