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Räikkönen als Königsfigur

Wie geht es weiter im Transferpoker?

Kimi Räikkönen - Lotus - Formel 1 - GP Australien - 16. März 2013 Foto: xpb 93 Bilder

Eigentlich wollte Red Bull seinen zweiten Fahrer für 2014 in der Sommerpause bekanntgeben. Dazu hätten sie noch eine Woche Zeit. Alle warten darauf, ob Kimi Räikkönen den Platz bekommt oder nicht. Davon hängt der Rest des Transfermarktes ab.

14.08.2013 Michael Schmidt

Wenn Stimmungsbarometer in der Formel 1 etwas taugen würden, dann hätte Daniel Ricciardo die besseren Chancen auf den zweiten Red Bull-Sitz neben Sebastian Vettel. Alle Auguren tippen auf den Australier. Selbst die aus dem größeren Red Bull-Umfeld.

Doch am Ende trifft Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz die Entscheidung ganz allein. Und der hat auch seine Mitarbeiter immer wieder überrascht. Zwei Mal hielt er an Mark Webber fest, obwohl ihm nicht nur Teamberater Helmut Marko geraten hatte, sich von dem Australier zu trennen.

Das spricht für die Loyalität von Mateschitz seinen teuersten Angestellten gegenüber. Demnach sollte ToroRosso-Pilot Ricciardo gute Karten haben. "Ich würde es ihm wünschen", sagt Nico Hülkenberg. "Daniel ist ein schneller Mann, und mit ihm bekäme endlich mal wieder ein junger Fahrer die Chance, sich zu beweisen."

Räikkönen gegen Vettel gut für die Fans

Bernie Ecclestone würde sich Kimi Räikkönen wünschen. Vettel gegen Räikkönen, was für ein Story. Das wäre aus Sicht der Vermarktung ein Fest, aus dem sich Schlagzeilen und Dramen stricken lassen. Beide sind zwar Freunde neben der Rennstrecke, aber bleiben sie das auch im Kampf Rad an Rad?

Räikkönen und Vettel sind Alphatiere. Keiner von beiden hat je gelernt, Niederlagen zu akzeptieren. Vettel meint gelassen: "Wenn zwei Fahrer um das gleiche Stück Strecke kämpfen, kann man sich schon einmal näherkommen. Aber dann muss man das von Angesicht zu Angesicht miteinander ausdiskutieren. Solange der Respekt voreinander da ist, sehe ich kein Hindernis."

Beim GP Ungarn gab es schon eine Kostprobe davon. Da beschwerte sich Vettel am Funk, dass ihm Räikkönen keinen Platz gelassen habe. Marko forderte sofort eine Strafe für den Finnen. Teamchef Christian Horner beschwichtigte: "Seb hätte sich genauso verteidigt." Man muss die beiden Aussagen zwischen den Zeilen lesen, dann weiß man, wen die beiden Herren ihrem Boss als Webber-Nachfolger ans Herz legen.

Lotus will Kimi im Preis drücken

Für Räikkönen ist Red Bull eine heiße Nummer. Fällt er dort durch den Rost, könnte ihn Lotus beim Preis drücken. Im letzten Jahr soll er dort samt Punkteprämien 17 Millionen Pfund kassiert haben und war hinter Fernando Alonso und Lewis Hamilton der drittbeste Verdiener. Räikkönen bekam seine Gage allerdings erst mit Verspätung.

Lotus zahlte ihm das Basisgehalt, hielt aber die Bonuszahlungen zurück. Man hatte vergessen sie zu deckeln. Keiner konnte ja ahnen, dass Räikkönen 2012 mit 207 Punkten Dritter in der WM-Wertung werden würde. Jetzt hört man, dass hatte es Räikkönen abgelehnt haben soll, den Auszahlungsmodus zu ändern. Damit würde er Lotus erneut eine Stange Geld kosten.

Der Weltmeister 2007 erzählte in Ungarn freimütig, dass man ihm schon wieder Geld schulde. Das kam bei Lotus nicht besonders gut an, zumal er zuvor zwei Werbe-Aktionen in Moskau und Tokio geschwänzt haben soll.

Mit Nico Hülkenberg hat Lotus einen Fahrer in der Hinterhand, der ein Viertel der Räikkönen-Gage kosten würde. Und Romain Grosjean scheint sich endlich zu stabilisieren. Ein konstanter Grosjean ist schlecht für Kimi. Umso geringer wird die Notwendigkeit, ihn zu halten, umso größer die Argumente, die Gehaltsforderungen des WM-Zweiten herunterzuschrauben.

Ferrari als Druckmittel gegen Lotus und Red Bull

Vor diesem Hintergrund ist es für Räikkönen wichtig, sich mit Ferrari eine dritte Option offenzuhalten. Egal wie seriös eine mögliche Rückkehr nach Maranello ist. Solange die Ferrari-Gerüchte weiter köcheln, hat Räikkönen ein Druckmittel gegen Lotus und Red Bull.

Es gibt schon Stimmen im Fahrerlager, die behaupten: "Wenn es dumm läuft, fällt Räikkönen ganz durch den Rost." Doch der 20-fache GP-Sieger hat ein gutes Argument auf seiner Seite. Es geht ja nicht nur um die Fahrer-WM. Bares Geld bringt nur die Teamwertung. Und da ist Mercedes mit Lewis Hamilton und Nico Rosberg optimal besetzt.

Das macht Räikkönen als zweiten Mann sowohl für Ferrari, als auch für Lotus und Red Bull attraktiv. Es gibt nicht viele Fahrer im Feld, die regelmäßig punkten. Komischerweise schrecken alle bis auf Lotus vor dem Image des lebenslustigen Finnen zurück. Weder Red Bull noch Ferrari scheinen zu kapieren, dass Kimi die meisten Fans hat. Gerade beim jungen Publikum, um das man so kämpft.

Alles wartet auf Räikkönen

Räikkönen ist die Königsfigur auf dem Markt. Erst wenn er auf seinen Platz rückt oder auch nicht, werden die anderen Bausteine verschoben. Ferrari hat Felipe Massa eine Galgenfrist bis zum GP Italien gegeben. Wieder einmal. Bis Monza wird es aus Maranello kein Statement zu den Fahrern geben.

Fernando Alonso ist nach den Verstimmungen im Anschluss an den GP Ungarn abgetaucht. Sogar auf seinem Twitter-Konto hielt sich der Spanier bedeckt. Bis auf die Bemerkung, dass in der Sommerpause viel Zeit wäre Geschichten zu erfinden, blieb es zum Thema Transfer ruhig.

Alonso weiß ganz genau, dass er bei Red Bull wenig Chancen hätte, selbst wenn er frei wäre. Vettel und Alonso, das funktioniert nie. Da wäre Krieg vom Tag 1 an. Weil jeder der Platzhirsch sein wollte. Mit Räikkönen könnte es zwar auch Ärger geben, aber erst später in der Saison. Kimi ist ein unpolitischer Mensch. Er hat sich mit Juan Pablo Montoya bei McLaren nie außerhalb des Cockpits angelegt. Nur auf der Rennstrecke. Die Story endete mit Montoyas Entlassung.

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