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Formel 1: Illegaler McLaren-Flügel?

Konkurrenz rätselt über McLaren-Trick

McLaren MP4-25 Foto: xpb 30 Bilder

Die Technische Abnahme in Bahrain könnte der erste Höhepunkt des Saisonauftakts der Formel 1 werden. Red Bull zweifelt, ob der Trick des McLaren-Heckflügels legal ist. Noch weiß allerdings keiner genau, was McLaren da eigentlich macht.

08.03.2010 Michael Schmidt

Die Nummer erinnert an den Diffusorstreit vom Vorjahr. Einer hat eine Idee, und die anderen versuchen dagegen vorzugehen. Ohne exakt zu wissen, was der eine tatsächlich macht. Nur das Ergebnis ist bekannt: McLaren lässt bei Top-Speed auf der Geraden die Strömung am Heckflügel abreißen. Die Geschwindigkeitsmessungen beim letzten Test in Barcelona beweisen: McLaren ist auf der Zielgeraden um mindestens fünf km/h schneller als der Rest. Das hat die Konkurrenz alarmiert. Red Bull bombardierte die FIA mit Anfragen.

Auch andere haben sich bei FIA-Rennleiter Charlie Whiting gemeldet, bleiben vorsichtshalber aber in der Deckung. McLaren hat Whiting vergangene Woche eingeladen, um sich selbst von der Legalität des Systems zu überzeugen. Die Untersuchung wurde aber auf Bahrain vertagt.

FIA darf nichts verraten

Was McLaren genau macht, um die Strömung am Flügel abreißen zu lassen, um damit den Luftwiderstand zu verringern, weiß keiner so genau. Es gibt nur Vermutungen. Die Teams versuchen durch gezielte Anfragen an die FIA Antworten auf das Rätsel zu finden. Das geht in der Regel so: "Ist es legal, wenn wir ... machen?" Die FIA-Kommissare dürfen nur mit ja und nein antworten. Folgt ein "nein", weiß man zumindest, dass man mit seiner Theorie auf dem Holzweg ist.

Mehrere Details am McLaren MP4-25 erregen den Argwohn der Gegner. Da gibt es diese komisch geformte Airbox, deren oberer Steg ungewöhnlich breit ist, was die Vermutung nahelegt, dass sich darin ein Luftkanal befindet. Aus besagtem Steg wird offenbar Luft auf das obere Heckflügelelement geblasen. Doch nach welcher Methode? Das Element hat im unteren Drittel einen feinen, geschwungenen Schlitz. Wenn er nicht über die gesamte Breite verläuft, ist das erlaubt. Ansonsten gilt. Der obere Teil des Heckflügels darf aus maximal zwei Elementen bestehen. Soviel ist klar: Der Schlitz gehört zu dem System. Er lässt unter bestimmten Bedingungen mal mehr, mal weniger Luft, mal gar keine durch.

Lufteinlass vor dem Cockpit

Dann gibt es da noch schräg vor dem Cockpit, vom Fahrer aus betrachtet auf der linken Seite, einen kleinen Lufteinlass, dessen Form im Verlauf der Testfahrten drei Mal geändert wurde. Die Konkurrenz hat herausgefunden, dass McLaren bei einem Test in Jerez mit Farben am Heckflügel der Strömungsverlauf sichtbar gemacht hat und dabei gleichzeitig Messinstrumente an der Luftschleuse angebracht worden sind. Komischerweise wurde die Farbe auch nur auf der linken Seite des Flügels angebracht. Deshalb der Verdacht: Das eine hat mit dem anderen zu tun. 

Die Frage aller Fragen ist: Wie weiß das System, ob sich das Auto in einer schnellen Kurve oder auf der Geraden befindet? Ein Strömungsabriss in Kurven wie Eau Rouge oder Blanchimont (Spa) wäre fatal. Man könnte in der Luftschleuse ein Ventil anbringen, das erst öffnet, wenn ein gewisser Staudruck vorhanden ist. Doch das wäre illegal, weil man dabei von einem beweglichen aerodynamischen Hilfsmittel sprechen könnte. Und das Ventil weiß nicht, ob das Auto auf der Geraden oder in einer Kurve fährt. Auf Spa bezogen: Der Staudruck in Eau Rouge oder der nachfolgenden Kemmel-Geraden ist praktisch identisch.

Steuerung mit dem Knie?

Jetzt glauben viele, dass der Fahrer den Auslöser spielt, ob die Strömung am Heckflügel abreißt oder nicht. Da hat es den Zweiflern vor allem jene kleine Lufthutze vor dem Cockpit angetan. Warum ist sie auf der linken Seite und nicht in der Mitte angebracht? Was hat sie für eine Funktion? Zur Cockpitkühlung ist sie bestimmt nicht da, denn der Aufsatz ist aerodynamisch nicht optimal. Wenn das der einzige Grund wäre, dann müssen die Fahrer lieber schwitzen.

Die Rivalen von McLaren haben jetzt den Verdacht, dass der Fahrer mit dem Knie den Auslöser gibt, ob der Luftfluss in dem geheimnisvollen Kanal nach hinten unterbrochen wird oder nicht. Er könnte auf der Geraden das linke Knie in eine bestimmte Stellung bringen, die eine Schleuse öffnet oder schließt.

Fahrer darf Aerodynamik nicht beeinflussen

Aber auch das wäre nicht reglementskonform. Der Fahrer darf die Aerodynamik nicht durch primäre Bewegungen beeinflussen. Etwas anders verhält es sich mit dem Kopf, der schon aufgrund der Fliehkräfte dauernd in Bewegung ist. Manche Piloten ziehen ihn auf der Geraden ein, um eine bessere Anströmung der Airbox zu garantieren. Das wird als sekundäre Bewegung gesehen und wäre dementsprechend erlaubt.

Noch ist das McLaren-Rätsel nicht gelöst. Doch in Bahrain werden die Spione der anderen Teams ganz genau hinschauen. Man kann jetzt schon darauf wetten, dass in der Startaufstellung die meisten Kiebitze um den McLaren herumstehen. Da kann McLaren nämlich nichts abdecken.

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