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Rätsel um Red Bull-Stallregie

3 Stopps jemals eine Alternative für Vettel?

Red Bull - GP China 2014 Foto: xpb 77 Bilder

Red Bull bat Sebastian Vettel zum zweiten Mal um einen Platztausch mit Daniel Ricciardo. In Bahrain war die Aufforderung nachvollziehbar. In China nur bedingt. Deshalb ließ sich Vettel auch etwas Zeit mit der Befehlsausführung. Doch war das Manöver freiwillig? Die Erklärung des Teams konnte nicht hundertprozentig überzeugen.

26.04.2014 Michael Schmidt

Mit Stallregie hat man bei Red Bull schlechte Erfahrungen gemacht. 2013 kam es in Malaysia zum Eklat. Doch damals ging es im Duell zwischen Sebastian Vettel und Mark Webber um den Sieg. Vettel überholte Webber, obwohl das Team für den letzten Stint einen Nichtangriffspakt ausgegeben hatte.

In Shanghai sollte Vettel für einen vierten Platz für Daniel Ricciardo zur Seite rücken. Und das schon beim vierten Rennen der Saison. Doch Vettel weigerte sich. Und es ist nicht ganz sicher, ob er seinem Teamkollegen zwei Runden später wirklich freiwillig den Vortritt ließ. Und ob die Informationen, die er ins Cockpit bekam um den Platztausch zu beschleunigen, den Tatsachen entsprachen.
 
Hat Red Bull da den Teamfrieden riskiert in der vagen Hoffnung, dass der schnellere Ricciardo noch an Fernando Alonso vorbeikommt? Der Ferrari-Pilot lag zu dem Zeitpunkt bereits über 10 Sekunden in Front. Red Bull musste wissen: Einholen und überholen sind zwei Paar Stiefel.
 
Vielleicht wäre Ricciardo an Alonso herangefahren, wenn Vettel zwei Runden früher Platz gemacht hätte. Aber dann hätte er den Spanier erst einmal überholen müssen. Unmöglich mit identischem Top-Speed. Alonso ist der ausgekochteste Pilot im Feld.

Auf dem Papier die gleiche Strategie

Für Vettel war es ein Déjà-vu. Schon beim GP Bahrain hörte er den Befehl, Ricciardo vorbeizulassen. Da machte die Stallorder Sinn. Ricciardo war auf einer anderen Reifensorte unterwegs. Vettel stand seinem Teamkollegen nicht im Weg. Beim GP China waren beide Fahrer jedoch mit der gleichen Reifenfolge und einer ähnlichen Strategie unterwegs: soft-medium-medium.
 
Ricciardos Reifen waren um drei Runden frischer, und der Australier hielt seine Pirelli-Sohlen über die Distanz deutlich besser in Schuss. Bevor Ricciardo in der 23. Runde zu Vettel aufschloss, war er im Schnitt eine Sekunde pro Runde schneller. Es ging hinter Hamilton, Alonso und Rosberg um Platz 4. Der eigentliche Gegner hieß Alonso, der aber 10,5 Sekunden Vorsprung hatte. Die Mercedes-Piloten waren für Red Bull außer Reichweite.

Erste Stallregie-Begründung überzeugt Vettel nicht

Red Bull musste klar sein, dass Vettel der Aufforderung zum Platztausch diesmal nicht unwidersprochen nachkommen würde. Der Weltmeister wollte im Detail wissen, warum er Ricciardo vorbeiwinken sollte.
 
Die erste Antwort überzeugte ihn nicht. Der Reifentyp war der gleiche. Die Differenz betrug drei Runden. Vettels kurze Antwort: "Tough luck". Einfach übersetzt: "Pech gehabt." Teamberater Helmut Marko verteidigt Vettels anfängliche Verweigerung: "Sebastian war sich zu dem Zeitpunkt der Situation nicht ganz bewusst."
 
Die wurde dem Weltmeister in der Folge am Funk erklärt. "Sebastians Reifenverschleiß war zu hoch. Deshalb gingen wir bei ihm von einem Dreistopp-Rennen aus", erklärt Marko. Teamchef Christian Horner fügte hinzu: "Als Seb verstanden hat, was wir wollten, hat er Daniel durchgewunken."

Vettel-Manöver sah nicht freiwillig aus

Das zweifeln Experten an, auch wenn Vettel in den TV-Interviews erklärte, dass es sinnlos gewesen sei, den schnelleren Teamkollegen aufzuhalten. Zu viele Indizien sprechen gegen ein freiwilliges Manöver. Nicht einmal Ricciardo selbst hätte dafür seine Hand ins Feuer gelegt: "Ich bin mir nicht sicher, ob er mich vorbeigelassen hat. Vielleicht hat er einfach nur zu spät gebremst."
 
Das sieht auch TV-Experte Martin Brundle so: "Wenn es freiwillig passiert, hätte er Ricciardo noch auf der Zielgeraden vorbeigelassen. So aber ist er außen in den Dreck der ersten Kurve gefahren. Keiner tut das absichtlich. Für mich sah es so aus, als hätte er zu spät gebremst."
 
Tatsächlich brauchte Vettel eine Runde, seine Reifen wieder sauber zu bekommen. Allein im 26. Umlauf verlor er deshalb 1,9 Sekunden auf den Kollegen. Eine Runde später schrumpfte die Differenz wieder auf drei Zehntel. Hat der Champion da gute Miene zum bösen Spiel gemacht, um das betriebsinterne Klima nicht zu beschädigen?

Keine Lücke im Feld? Die gab es vorher auch nicht

Als er der Titelverteidiger nach dem Überholmanöver seinen Reifenwechsel einforderte, wurde er damit vertröstet, dass er wieder auf zwei Stopps zurückgesetzt worden sei. Die Antwort der Teamleitung wirkte nicht wirklich souverän. "Es gab keine Lücke im Verkehr. Mit unserem schlechten Top-Speed wäre Seb im Feld hängengeblieben."

Das aber wusste der Kommandostand schon vorher. Die Strategieprogramme berechnen zu jeder Sekunde, wo sich freie Plätze im Pulk auftun. Eine Lücke, die in Runde 23 noch da war, hätte auch in Runde 26, 27 oder 28 noch Bestand gehabt. Zumal in den fraglichen Runden nur Fahrer zum Reifenwechsel kamen, mit denen Vettel sowieso nichts zu tun hatte: Button, Bianchi, Ericsson und Gutierrez. Der Rest rollte mit nahezu gleich bleibenden Abständen um den Kurs.

Marko lieferte eine andere, etwas plausiblere Erklärung als Horner: "Sebs Reifen haben sich wieder erholt. Deshalb sind wir zurück zu zwei Stopps." Zweifel bleiben trotzdem. Am Ergebnis hat der Platztausch nichts geändert. Red Bull kam auf den Plätzen 4 und 5 ins Ziel.

Was meinen Sie: Hätte Vettel die Stallregie verweigern sollen? Hat er freiwillig Platz gemacht? Hat man ihn mit falschen Informationen aufs Glatteis geführt? Schreiben Sie uns.

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