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Rätselraten bei Mercedes

Silberpfeile zu langsam im Renntrim

Rosberg Schumacher GP Deutschland 2011 Foto: Wolfgang Wilhelm 25 Bilder

Der Aufwärtstrend von Mercedes gerät immer wieder ins Stocken. Kaum glaubt man, einen Schritt nach vorne getan zu haben, kommt wieder irgendetwas dazwischen. Am Nürburgring war ein sechster Platz möglich. Es wurde aber ein siebter und achter daraus.

28.07.2011 Tobias Grüner

Wo steht Mercedes? Vom Speed über eine Runde auf Platz vier. Nico Rosberg zementierte den Ehrenplatz hinter dem Spitzentrio mit Startplatz sechs. Damit lag der Deutsche acht respektive neun Zehntel unter der schnellsten Runde eines Force India und Renault. Das ist die eine Wahrheit. Die andere sieht nicht so rosig aus. Auf Red Bull fehlten am Nürburgring 1,2, auf McLaren 1,1 und auf Ferrari 0,8 Sekunden.

Soweit das Training. Unter Rennbedingungen wird der Rückstand auf die Top-Teams größer, und der Vorsprung auf die Verfolger schrumpft. Im Ziel waren Nico Rosberg und Michael Schumacher überrundet. Und Mercedes-Kunde Force India kam vor dem Werksteam an. Die Generalüberholung des MGPW02 zeigt bislang nur bruchstückweise Resultate. Um die Hinterreifen am Leben zu halten, müssen immer noch zu viele Kompromisse gemacht werden, die auf den Speed im Rennen drücken.

Mercedes verliert im Rennen überdurchschnittlich

Hätte Rosberg wie im Training pro Runde 1,2 Sekunden auf die Spitze verloren, hätten ihm nach 60 Runden 72 Sekunden gefehlt. Er wäre demnach in der gleichen Runde mit dem Sieger abgewunken worden. Es kamen aber noch einmal rund 30 Sekunden Zeitverlust hinzu, pro Umlauf also 0,5 Sekunden. An der Taktik kann es nicht gelegen haben. Rosberg fuhr wie Hamilton, Alonso und Webber eine Dreistoppstrategie. Auch die Boxenstopps funktionierten tadellos. Rosberg gewann auf den Sieger Hamilton bei drei Stopps sogar 0,511 Sekunden. Wenigstens da ist Mercedes schon weltmeisterlich.

Das Problem liegt darin, dass sich die Ingenieure im silbernen Lager in der Experimentierphase befinden. Der neue Auspuff, der dazugehörige Diffusor und die modifizierte Hinterachse versprechen Potenzial, doch jetzt ist erst einmal Feintuning angesagt. Auch Mercedes geht den Weg des kopflastigen Autos, das vorne deutlich tiefer als hinten auf den Rädern steht. Damit verschiebt sich die komplette Anströmung des Autos. Der Frontflügel muss angepasst, das Motormanagement adaptiert werden, damit die Auspuffgase zuverlässig den Diffusor abdichten.

Mercedes muss Sprung wie Force India machen

Ferrari und Force India haben jeweils vier Rennen gebraucht, bis der Knoten endgültig aufgegangen ist. "Das neue Paket ermöglicht uns völlig neue Freiheiten bei der Fahrzeugabstimmung", erzählt Ross Brawn. "Bisher waren wir in diesem Punkt stark eingeschränkt." Der Sprung, den Ferrari und Force India gemacht haben, gibt Mut. Jetzt muss Mercedes beweisen, dass man selbst auch die richtigen Schlüsse aus der Datenflut zieht.

Prinzipiell spricht laut Brawn nichts dagegen: "An unserem Auto ist nichts grundsätzlich falsch." Die Tatsache, dass Ferrari, Red Bull und McLaren mit mehr Personal operieren, kann keine Entschuldigung sein. Force India hat deutlich weniger Leute an Bord als die Truppe in Brackley. Quantität allein ist noch kein Erfolgsgeheimnis.

Manchmal sind es ganz banale Gründe, warum Mercedes die Trainingsergebnisse nur hin und wieder in gleichwertige Rennresultate umsetzt. Zum Beispiel Michael Schumachers Dreher in der 23. Runde. "Michael wäre Sechster geworden. Der Speed war da", beharrt Ross Brawn. Rosberg verlor zu viel Zeit im zweiten und dritten Abschnitt, was ihn schließlich hinter den Zweistopper Sutil warf.

Je länger das Rennen, desto größer der Zeitverlust

Das ist ein neues Phänomen. Bislang verloren die Mercedes die meiste Zeit im Anfangsturn, wenn die Fahrer mit vollem Tank Rücksicht auf die Hinterreifen nehmen mussten. Der Rückstand bis zur 13. Runde hielt sich diesmal in Grenzen. 16,3 Sekunden, obwohl Rosberg ständig mit einem drängelnden Felipe Massa im Rückspiegel Kampflinie fahren musste. Macht im Schnitt 1,25 Sekunden Verlust pro Runde.

In Runde 29 war die Lücke zu Spitzenreiter Mark Webber auf 40,1 Sekunden angewachsen. Rosberg büßte damit im zweiten Turn 1,48 Sekunden pro Runde auf den D-Zug an der Spitze ein. Nach der Serie der zweiten Stopps in Runde 37 war der Abstand auf 60,7 Sekunden geklettert. Zwölf Runden später stand er auf 78,8 Sekunden. Also satte 1,51 Sekunden Verlust pro Runde für Abschnitt drei.

Das war nur zum Teil mit Verkehr zu begründen. Rosberg klagte über ein "nicht perfektes Setup. Das Auto benahm sich schlechter als in der Qualifikation." Deshalb die logische Schlussfolgerung: "Wir müssen daran arbeiten, die Fortschritte auch im Rennen umzusetzen."

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