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Reaktionen auf den Strategiegruppen-Gipfel

"Räume den Mist auf"

Formel 1 - GP England - Silverstone - FIA-PK - Freitag - 3.7.2015 Foto: xpb 92 Bilder

Die Strategiegruppe hat kein leichtes Leben. Nach jeder Runde wird das erste Gremium im Entscheidungsprozess zerpflückt. Auch diesmal mussten sich die Entscheidungsträger Kritik an hören. Doch sie war gemäßigter als beim letzten Mal.

04.07.2015 Michael Schmidt

Die Strategiegruppe steigert sich. Bei ihrer vorletzten Sitzung gab es außer Panikreaktionen, die inzwischen wieder zurückgenommen wurden, keinen vernünftigen Konsens. Diesmal wurden immerhin einige Entscheidungen getroffen. Manche nennen es Kosmetik, manche einen ersten Schritt in eine bessere Zukunft. Die entscheidenden Dinge wurden ohne Ergebnis diskutiert. Aber sie sind weiter auf der Agenda und werden dort auch bleiben. Die FIA sieht eine Kostendeckelung für alle immer noch als bessere Lösung als Kundenautos.

Sauber befürwortet Mosley-Idee

Force India-Chef Vijay Mallya brach nicht in Jubel aus über das, was der 1.Juli brachte, aber er sah immerhin kleine Fortschritte. "Wenn es darum geht, den Sport attraktiver zu gestalten, bin ich dafür. Ich habe aber auch immer den Standpunkt vertreten, dass sich die Strategiegruppe um unsere fundamentalen Probleme kümmern sollte." Lotus-Geschäftsführer Matthew Carter springt dem Paradiesvogel aus Indien bei: "Lotus ist frustriert, dass Siege oder Podiumsplatzierung heute ein Faktor des Geldes geworden sind. Dieser Zusammenhang muss gebrochen werden. Ein kleines Team muss in der Lage sein, mit innovativen Ideen Erfolg zu haben."

Auch Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn kritisiert, dass über die Kontrolle der Kosten zu wenig gesprochen wurde. Wieder einmal. "Nur den Preis der Motoren zu senken, ist nicht genug. Es ist der zur Zeit größte Kostentreiber, doch man muss auch ein Auge auf die Chassisentwicklung werfen. Wir waren immer für eine Budgetdeckelung. Deshalb unterstützen wir auch die Idee von Max Mosley, dass die Teams, die eine Kostenobergrenze akzeptieren mehr technische Freiheiten bekommen sollten als die Teams, die sich bei den Ausgaben nicht limitieren lassen wollen."

Grundstein für Probleme zwischen 2000 und 2009 gelegt

Mallya erklärt, wie er sich die Formel 1 vorstellt: "Wenn Williams Ferrari schlagen könnte, wäre das ein Aufreger. Wenn Sauber in der Lage wäre, Williams zu besiegen, wäre das noch besser. Und sollte Force India vor Mercedes ins Ziel kommen, wäre das die Sahne auf dem Kuchen. Was ich damit sagen will: Wenn alle Teams stark genug wären zu überleben, könnten sie sich darauf konzentrieren, ein Auto zu bauen, das wettbewerbsfäig ist. Das ergäbe einen besseren Sport. Stattdessen müssen wir uns Sorgen machen, wie wir überleben."

McLaren-Teamchef Eric Boullier hat das generelle Problem der Formel 1 erkannt: "Die Formel 1 hat im letzten Jahrzehnt einen Wandel erfahren. Geld war kein Problem, weil die Autohersteller genug ausgegeben haben, um ihre Marke gut zu verkaufen. Niemand stellte irgendetwas in Frage. Alle haben gut von diesem Modell gelebt. Jetzt sind die meisten Hersteller wieder weg. Aber wir sind mit den gleichen Kosten konfrontiert, die sich damals aufgeschaukelt haben. Leider ist heute bei vielen Teams nicht mehr das Geld da, sie zu begleichen. Aus diesem Ungleichgewicht entsteht Kritik und damit auch negative Berichterstattung."

Und wie lautet der Ausweg: "Wir müssen ein System schaffen, bei dem jeder überleben und Geld verdienen kann." Vor zwei Monoten hat McLaren noch ganz anders getönt. Findet da im Zuge der Probleme etwa ein Umdenken statt? Auch Mallya sieht in dem Unterschied zwischen Arm und Reich und der Unfähigkeit der Beteiligten eine Lösung zu finden, die Quelle für die aktuellen Nestbeschmutzung: "Wenn sich kein Team Sorgen um seine Existenz machen müsste, verschwindet auch die negative Grundstimmung."

Kehre vor deiner eigenen Tür

Auch Bernie Ecclestones Satz "Die Formel 1 ist Mist" wird in Teamkreisen heiß diskutiert. Im Gegensatz zu früher nehmen viele kein Blatt mehr vor den Mund, wenn es um den Chef der Königklasse geht. So wurden die Teamchefs gefragt, was sie tun würden, wenn ihr Chefkonstrukteur das eigene Auto als "Mist" bezeichnet.

Claire Williams wollte nicht den direkten Bezug zu Ecclestone herstellen. Doch ihre Antwort war durchaus auf den großen alten Mann des Motorsports gemünzt: "Würde Pat Symonds unser Auto so bezeichnen, würde ich ihm wahrscheinlich antworten: Du hast es gebaut. Also tu etwas, damit es besser wird." In die gleiche Kerbe schlug Boullier: "Ich würde meinem Designer sagen, dass er vor der eigenen Türe kehren soll."

Den größten Lacherfolg erntete wieder einmal Vijay Mallya. Der 59-jährige Inder antwortete aus der Sicht eines Verkäufers: "Ich würde meinem Geschäftsführer raten: Verkaufe das Produkt nicht, wenn du glaubst, dass es Mist ist. Doch wenn er das schlechte Produkt trotzdem verkauft und damit auch noch Milliarden verdient, dann muss er mit allen Beteiligten zusammenarbeiten, den Mist aufzuräumen."

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