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Red Bull-Attacke 2017

Newey wieder mehr involviert

Adrian Newey - Red Bull - GP Ungarn 2016 Foto: Red Bull 25 Bilder

Red Bull hat seit 4 Rennen das zweitschnellste Auto im Feld. In Hockenheim konnte das Team aus Milton Keynes Ferrari auch im WM-Stand überholen. Gegen Mercedes reicht es aber nur, wenn der Gegner Fehler macht. Red Bull setzt deshalb jetzt schon auf 2017. Technikguru Adrian Newey erhöht seine Schlagzahl.

07.08.2016 Michael Schmidt

Jetzt hat es Red Bull auch schwarz auf weiß. Der WM-Vierte des Vorjahres ist die Nummer 2 im Feld. Auf der Strecke und im WM-Stand. Mit den Plätzen 2 und 3 für Daniel Ricciardo und Max Verstappen hat Red Bull in der Punktetabelle Ferrari überholt. Die Bilanz der letzten 4 Rennen vor der Sommerpause spricht ziemlich eindeutig für den jüngsten Trend. Red Bull gewinnt den Vergleich mit Ferrari mit 116:65.

Zu Mercedes ist noch etwas Luft. Lewis Hamilton und Nico Rosberg haben in Spielberg, Silverstone, Budapest und Hockenheim 157 Punkte gesammelt. Die Silberpfeile sind nur zu schlagen, wenn sie Fehler machen. So wie in Hockenheim. Red Bull hielt Rosberg mit einem guten Rennspeed und schlauer Taktik in Schach. Vor allem auf den Supersoft-Reifen fuhren Ricciardo und Verstappen auf Mercedes-Niveau.

Red Bull 2017 wieder mit mehr Newey

Hamilton ließ zwar durchblicken, dass er bei Bedarf noch etwas in der Hinterhand hatte, doch die Mercedes-Ingenieure warnen: „Red Bull ist in den letzten 5 Rennen immer besser geworden. In Hockenheim hatten sie in bestimmten Phasen des Rennens das schnellere Auto, vor allem am Ende des zweiten Stints.“ Ferrari sah dagegen kein Land gegen Red Bull. Das ist nun schon seit dem GP Österreich so. Im Training wie im Rennen.

Red Bull-Teamchef Christian Horner vergleicht: „Wir sind wieder dort, wo wir 2014 waren. Und das obwohl sich Adrian Newey beim RB12 etwas zurückgenommen hat. Ich würde sagen, dass sein Anteil am aktuellen Auto nur 20 Prozent beträgt. Das zeigt, wie gut besetzt unser Technikbüro ist.“

Dann kommt die Warnung an die Konkurrenz. „Die neuen Regeln haben Adrian neu motiviert. Er ist wieder richtig angefixt. Am nächstjährigen Auto ist er wieder zu 50 Prozent dabei.“

Neue Regeln motivieren Newey

Neue Regeln bedeuten neue Ideen. Und da hat der Technikguru mit der leisen Stimme schon oft die zündenden Einfälle gehabt. So zum Beispiel 1998, als er auf die schmaleren Autos mit einem deutlich längeren Radstand antwortete. Um einerseits den Schwerpunkt zu senken und andererseits mehr Platz zwischen Vorderrad und Seitenkasten zu schaffen. So konnte er die Turbulenzen von den Vorderrädern besser abwehren.

Auch 2009 hatte Newey die passende Antwort auf eine dramatische Reduzierung des Abtriebs im Heck. Er rüstete die Hinterachse von Pushrod auf Pullrod um. Weil ihm das ein schlankeres und flacheres Heck erlaubte. Das Resultat: Mehr Platz auf der Oberseite des Diffusors, eine saubere Strömung, weniger Abtriebsverlust durch den vom Reglement vorgeschriebenen geringeren Anstellwinkel.

Zwei Alphatiere im Red Bull-Stall

Red Bull ist zuversichtlich, dass Motorenpartner Renault im nächsten Jahr einen weiteren großen Schritt auf Mercedes zu macht. Das Defizit wird derzeit auf knapp unter 50 PS geschätzt.

Mit Daniel Riccardo und Max Verstappen hat das Team aus Milton Keynes eine Fahrerpaarung, die es mit Hamilton und Rosberg aufnehmen kann. Doch zwei Alphatiere in einem Team können auch Probleme bedeuten. Siehe Hamilton und Rosberg. Oder Vettel und Webber aus der eigenen Geschichte.

Verstappen ist ein Hamilton-Typ. Immer volles Risiko, rücksichtslos, egoistisch. Ein Vollgastier auf und neben der Strecke, immer auf maximale Konfrontation aus. Motto: Gut ist, was mir nutzt und dem Gegner schadet. Ricciardo ist mehr der Teamplayer. Doch der Australier weiß auch auszuteilen. Man sieht es ihm nur nicht gleich an.

Erstaunlicherweise hat Verstappen in Hockenheim ohne Murren auf den Befehl zum Platztausch reagiert. Spötter behaupten: Weil sein Vater Jos nicht vor Ort war. Der hätte ihm die Ohren lang gezogen, weil sich ein Rennfahrer in seinem Weltbild keine Blöße geben darf. Bei Toro Rosso war Verstappen der Chef in Haus. Das wird beim großen Bruder etwas schwieriger werden. Da weht ein anderer Wind.

Beinahe-Crash beim Hockenheim-Start

Das Teamplay von Hockenheim kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das interne Duell bei Red Bull mit jedem Rennen verschärft. Ricciardo ist der Platzhirsch, und sein junger Kollege will ihn vom Thron stoßen.

Und er schießt dabei manchmal noch über das Ziel hinaus. So wie in Ungarn, als sich Verstappen in den ersten 2 Runden die Reifen ruinierte, weil er unbedingt an Ricciardo vorbei wollte. Der Australier hätte an einer weiteren Niederlage zu knabbern gehabt, und Verstappen wusste das.

In Hockenheim ging es im Teamduell am Start um Millimeter. So eine Aktion kann auch im Reifenstapel enden. Ricciardo zog rechtzeitig zurück. Als Verstappen im zweiten Stint auf Supersoft-Reifen gestellt wurde, kam schnell die frustrierte Reaktion: „Das ist kein guter Rennreifen, den ihr mir da gegeben habt.“

Da ahnte der Holländer schon, dass Ricciardo am Ende davon profitieren würde. Red Bull blieb allerdings nichts anderes übrig, als den Supersoft-Reifen auszupacken. Verstappen musste einen drohenden Undercut durch Rosberg abwehren.

Im Moment ist noch alles ruhig. Bei Sebastian Vettel und Mark Webber hat es auch 24 Rennen gedauert, bis allgemeines Wohlbefinden in Gewitterstimmung umschlug. Red Bull profitiert auf jeden Fall vom Duell seiner Fahrer. „Der eine treibt den anderen an. Wir können sicher sein, dass beide am Limit fahren“, freut sich Teamberater Helmut Marko.

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