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Formel 1 Favoriten-Analyse

Red Bull: Bestes Auto für Restprogramm

Mark Webber Foto: Red Bull 23 Bilder

Red Bull hat für die letzten sieben Grand Prix das beste Auto als Trumpfkarte in der Hand. Der RB6 ist das ausgeglichenste Auto im Feld. Nur in Shanghai und Montreal hatte man keine Siegchance. Das Testprogramm favorisiert Red Bull leicht vor Ferrari und McLaren.

16.08.2010 Michael Schmidt

Die Formel 1-WM biegt langsam in die Zielgerade ein. Noch sieben Rennen, und eine Frage: Wer wird Weltmeister?

Das Beispiel Hockenheim-Budapest hat gezeigt, dass die Streckencharakteristik nicht zu unterschätzen ist. Obwohl sich die Autos in den sieben Tagen zwischen den Grand Prix von Deutschland und Ungarn kaum verändert haben, wurde Red Bull ein Mal von Ferrari geschlagen und fuhr das andere Mal in einer Klasse für sich. "Der einzige Unterschied war die Rennstrecke", kommentierte Sebastian Vettel das auf den Kopf gestellte Kräfteverhältnis.

Mit Spa und Monza winken Red Bull zwei Angststrecken. Dort rechnen sich Ferrari und McLaren echte Chancen aus, die Red Bull zu schlagen. Dafür dürften die Autos des WM-Spitzenreiters in Singapur und Suzuka wieder in ihrem Element sein. Korea ist offen, ähnelt aber vom Streckentyp her Istanbul. Also Gegenwind für Red Bull, zumindest von McLaren. Auch Brasilien und Abu Dhabi lassen einen offenen Schlagabtausch erwarten. auto-motor-und -sport.de hat das Restprogramm im Detail analysiert.

Spa

In der Abtriebsskala liegt Spa hinter Monza gleichauf mit Montreal. Die Berg- und Talbahn in den Ardennen fordert ein mittleres Abtriebsniveau. 5 von 10, sagen die Experten. Generell gilt: Je weniger Anpressdruck gefordert ist, umso geringer der Vorteil für Red Bull. Das zeigte sich schon in Montreal. Da waren Ferrari und McLaren stark. Das wird auch in Spa so sein. Schon im Vorjahr strauchelte Red Bull in Belgien. Sebastian Vettel wurde nur Dritter. "Im kurvigen  Sektor zwei müssen wir unsere Zeit machen", betet Teamchef Christian Horner. "Den Berg hoch zu Eau Rouge und dem langen Geradeausstück zurück zu Start und Ziel werden wir sie wieder verlieren."

Bei Ferrari hängt viel davon ab, wie die Technik-Offensive mit dem neuen Diffusor einschlägt. Und bei McLaren, ob man den angeblasenen Diffusor endlich in den Griff bekommt.

Prognose: 1. Ferrari, 2. Red Bull, 3. McLaren

Monza

Die ideale Spielwiese für Ferrari. Nicht nur wegen des Heimvorteils. Mit 2 von 10 verlangt der schnellste Kurs im Kalender ein eigenes Aerodynamikpaket. Die roten Autos sind schnell auf der Geraden, gut auf der Bremse, haben eine exzellente Traktion. Alles, was man in Monza braucht. McLaren kann im Autodrom voll auf den F-Schacht Vorteil bauen. Red Bull beklagt nicht nur ein PS-Manko mit dem Renault V8. Der RB6 baut in der Version mit den Miniflügeln auch mehr Luftwiderstand auf als der Ferrari oder McLaren. Und sein F-Schacht ist von allen drei Autos am wenigsten ausgereift.

Prognose: 1. Ferrari, 2. McLaren, 3. Red Bull

Singapur

Singapur ist wie Monte Carlo. Wellig, langsam, wenig Grip. Die Autos werden mit dem vollen Flügelsortiment bestückt. Vorteil Red Bull. Kein Auto hat ein so effizientes Paket für maximalen Abtrieb. Kein Auto kommt so gut über die Bodenwellen und Randsteine. McLaren hat auf diesem Typ Rennstrecke eine Schwäche. Der Vorjahressieg von Lewis Hamilton ist irreführend. Beim aktuellen MP4-25 ist das Aerodynamikfenster zu klein. Die Autos müssen hart gefedert werden, um Abtrieb zu generieren. Siehe Monte Carlo. Siehe Budapest. Ferrari sollte besser sortiert sein. Vor allem, weil die Kurven in Singapur rechtwinkeliger sind als in Monte Carlo. Viel Stop and Go tut den roten Autos gut.

Prognose: 1. Red Bull, 2. Ferrari, 3. McLaren

Suzuka

Eine Rennstrecke wie gemalt für Adrian Neweys Red Bull. Sebastian Vettel fuhr im Vorjahr in einer eigenen Liga. Und er wird seine Show auf der schwierigsten Strecke im Kalender wiederholen. Lange, flüssige Kurven sind das Revier der Red Bull. Die dunkelblauen Autos werden schon im ersten Sektor mit seinen endlosen S-Kurven soviel Boden gutmachen, dass sie auf der Bergaufgeraden im rückwärtigen Teil der Strecke ruhig zwei, drei Zehntel abgeben  können. In den mittelschnellen und schnellen Kurven sollte McLaren den Ferrari leicht überlegen sein, immer vorausgesetzt, die Engländer bekommen ihr Diffusorproblem in den Griff. Der perfekt funktionierende F-Schacht wird es McLaren erlauben, die Flügel eine Stufe steiler zu stellen als der Rest. Und das hilft ihnen dann in den schnellen Kurven.

Prognose: 1. Red Bull, 2. McLaren, 3. Ferrari

Korean Valley Circuit

Die große Unbekannte im Formel 1-Schach der Titelanwärter. Der Blick auf die Streckenskizze zeigt drei lange Geraden, eine davon misst 1.250 Meter. Gut für McLaren. Die Geraden sind durch enge Kurven unterbrochen. Also viel Bremsen und Beschleunigen. Gut für Ferrari. Die zweite Hälfte des 5,621 Kilometer langen Kurses besteht aus einer Aneinanderreihung von 14 Kurven zwischen 105 und 280 km/h. Dieser Teil erinnert stark an den Hungaroring. Also top für Red Bull. Im Mix ähnelt die Strecke von Korea am ehesten Istanbul. Am geringsten sind die Vorteile für Ferrari, am größten für Red Bull. Doch Vorsicht vor McLaren. Sie könnten auf den langen Geraden aufholen, was sie im Kurvenlabyrinth gewinnen. Also ein Kopf- an Kopf-Rennen wie beim GP Türkei.

Prognose: 1. Red Bull und McLaren, 3. Ferrari

Interlagos

Dieses Rennen ist schwer planbar. Weil das Wetter so häufig verrückt spielt. Der Regen, wann immer er kommt, kann entscheidend sein. Bleibt alles trocken, sollte McLaren einen leichten Vorteil haben. Der Anteil an Geraden ist größer als der an Kurven. Red Bull wird im engen Infield unantastbar sein, doch die elend lange Bergaufpassage bei Start und Ziel ist Gift für Neweys Raketen. McLaren kann hier seinen F-Schacht-Vorteil noch besser einsetzen als in Suzuka. Selbst wenn man den Kurven im Infield zuliebe etwas Top-Speed opfert, ist man dank des Mercedes-Motors immer noch bei der Musik. Ferrari wird ebenfalls bei der Musik sein. Das Wetter und die Strategie werden diesen Grand Prix entscheiden.

Prognose: 1. McLaren, 2. Red Bull, 3. Ferrari

Abu Dhabi

Echte Kurven fehlen in Abu Dhabi. Dafür gibt es drei lange Geraden und viele harte Bremspunkte. Obwohl der Kurs im Wüstensand von Yas Island einen Kilometer länger ist als der Hockenheimring, sind Ähnlichkeiten nicht von der Hand zu weisen. Das spricht für Ferrari. Red Bull hat mit seinem Sieg im Vorjahr gezeigt, dass man trotz der langen Geraden auf Ballhöhe sein wird. McLaren machte 2009 dank KERS-Vorteil eine gute Figur. Doch das Vorjahresauto hatte auch eine bessere Traktion als sein Nachfolger. Das könnte trotz F-Schacht zum Killer für McLaren werden. Fünf Mal wird aus Geschwindigkeiten zwischen 60 und 140 km/h auf Top-Speed beschleunigt. Da sind Ferrari und Red Bull klar überlegen.

Prognose: 1. Ferrari, 2. Red Bull, 3. McLaren

Fazit

Red Bull hat im Schnitt die besten Karten. Das Team und Mark Webber gehen mit einem kleinen Punktevorsprung ins letzte Saisondrittel. Auf drei der sieben Strecken im Restprogramm sollte Red Bull das beste Auto haben. Singapur, Suzuka und Korea sollten Red Bull-Land sein. Eigentlich können nur Fehler und Defekte den Titelgewinn verhindern. Oder ein technischer Coup von Ferrari und McLaren. Der Vorsprung auf der Strecke ist allerdings zu knapp, als dass Red Bull beruhigt in die letzten sieben Rennen gehen könnte.

Die Taktik von Ferrari und McLaren heißt: Dranbleiben und Red Bull in Fehler hetzen. Mit der Quersumme 12 liegt Red Bull knapp vor Ferrari (14) und McLaren (15). Ferrari wird in Spa, Monza und Abu Dhabi echte Siegchancen haben. Bei den Roten hängt viel davon ab, wie die nächste Ausbaustufe des Diffusors funktioniert. Anlaufschwierigkeiten wie McLaren kann sich Maranello nicht leisten. Für das Team ist bei 74 Punkten Rückstand jedes schlechte Ergebnis tödlich. Auch Alonso kann sich bei 20 Zählern Differenz zu Webber keine Nullrunde mehr leisten. McLaren muss hoffen, dass der angeblasene Diffusor ab Spa so arbeitet, wie es der Windkanal verspricht.

Drei Rennen haben Lewis Hamilton und Jenson Button schon verschenkt. Drei Mal mit Schadensbegrenzung. Soviel Glück geht auf Dauer nicht gut. Wenn die Entwicklungsmaschinerie in Woking wieder wie gewohnt läuft, muss man auf McLaren in Korea und Brasilien aufpassen. Die chromfarbenen Autos können aber auch schon in Spa und Monza ein Wort um den Sieg mitreden.

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