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Dauerkrach bei Red Bull

Der Psychokrieg Vettel gegen Webber

Mark Webber und Sebastian Vettel Foto: Red Bull 18 Bilder

Red Bull hat ein Luxusproblem: Das beste Auto im Feld, aber zwei Fahrer, die sich nicht mögen und ein Team, das diese Animositäten nur schwer in den Griff bekommt. Am Ende kann das den WM-Titel kosten. Williams hat es 1987 mit Nelson Piquet und Nigel Mansell vorexerziert.

15.07.2010 Tobias Grüner

Zu Saisonbeginn galt Red Bull als das Team mit dem geringsten Konfliktpotenzial. Doch nach zehn Rennen tobt im Camp der Bullen der Krieg. Trotz erneuter Friedensbekundungen aus der Ecke von Mark Webber wird es schwer sein, die Risse in der Beziehung mit Sebastian Vettel dauerhaft zu kitten. Eigentlich galten die beiden als perfekte Kombination. Supertalent Vettel und sein treuer Adjutant Webber.

Erfolge machen Mark Webber hungrig

Der Australier war in der vergangenen Saison meistens ein, zwei Zehntel langsamer, aber er war zur Stelle, wenn bei Vettel etwas nicht nach Plan lief. So war es letztes Jahr am Nürburgring und so war es auch in Interlagos. Webber konnte mit der knappen Niederlage leben, solange sie ihm hin und wieder mit einem Sieg versüßt wurde. Nachdem er sieben Jahre lang das harte Brot des Mittelmaßes kauen musste, eröffnete ihm 2009 das Wunderauto RB5 endlich die Chance zum Durchbruch. Webber hatte die Chance fast schon aufgegeben, jemals einen Grand Prix zu gewinnen.

Doch mit dem Geschmack des Erfolges kommt der Hunger nach mehr. In den ersten vier Rennen des Jahres schien sich die Situation aus dem Vorjahr fortzusetzen. Vettel zementierte seine inoffizielle Nummer eins Position mit drei Pole Positions, einem Sieg und zwei Beinahe-Siegen. Für Webber reichte es gerade Mal zu einem zweiten Platz und zu jeder Menge Frust.

Webber nicht mit Nummer-zwei-Rolle zufrieden

Als er zum Europa-Auftakt flog war er bereit, am Ende des Jahres hinzuschmeißen. Mehr als Zweiter hinter Vettel schien für ihn nicht möglich. "Und mit der Rolle des Zweiten will ich mich nicht zufriedengeben." Dann kamen die Siege von Barcelona und Monte Carlo, und die Idee vom Aufhören war ad acta gelegt. Webber hatte Blut geleckt. Und noch herrschte Ruhe im Lager des österreichisch-englischen Teams.

Bis zu jener verhängnisvollen Kollision zwischen Vettel und Webber in Istanbul. Egal, wer nun Sprit sparen musste und wer nicht. Egal, welcher Funkspruch an wen ging oder nicht. Am Ende war dieser Zweikampf bis zum bitteren Ende ein Psychokrieg. Webber wollte unbedingt sein drittes Rennen in Folge gewinnen, in der Hoffnung, dass dies Vettel moralisch das Genick brechen würde. Vettel wollte genau dies verhindern.

Red Bull in zwei Lager gespalten

Es war ein Zweikampf, in dem keiner nachgeben konnte. Erst die Aussagen von Teamchef Christian Horner, Helmut Marko und der Renningenieure machten aus diesem Duell eine Frage der Stallregie. Es entstand der Eindruck, dass Red Bull auf Vettels Seite stand. Und der Webber-Clan schürte diese Theorie. Weil sie seine Lebensversicherung ist. Die Sympathien kippten auf eine Seite: Auf die von Webber.

Daraus entstand ein Lagerwettkampf, den Webber für sich als Motivationsspritze nutzt. Wann immer etwas gegen ihn läuft, wittert er Verrat. Um das in seinen Ansätzen zu ersticken, geht er offen mit dem Thema um. Es ist nach seiner Meinung die einzige Chance, in einem vermeintlichen Vettel-Team zu bestehen.

Vettel mit mehr Technikpech

Red Bull-Berater Helmut Marko sieht diese Verdächtigungen ohne Grundlage: "Wenn Mark sich einbildet, dass es da eine Verschwörung zwischen uns und Vettel gegen ihn gibt, dann ist er auf dem Holzweg. Wäre ich Vettel, dann müsste ich den umgekehrten Verdacht haben. An welchem Auto ging denn dauernd etwas kaputt? Hat Mark die defekte Zündkerze in Bahrain vergessen, das lose Rad in Australien, den nicht richtig justierten Stabi und die gebrochene Bremsscheibe in Barcelona, das defekte Chassis in Monte Carlo, die Getriebeprobleme in Montreal und jetzt die abgefallene Nase in Silverstone? Dagegen ist Webber mit einem blauen Auge davon gekommen."

Marko freut sich zwar insgeheim, dass Webber dem deutschen Kollegen das letzte Hundertstel herausquetscht, doch er ist die Nummer-zwei Geschichte des Australiers leid: "Mark fährt eine super Saison, und er hat sich auch unglaublich gesteigert, aber er sollte nicht vergessen, dass er diesem Team auch viel verdankt. Wo war er denn vor zwei Jahren? Da konnte er von GP-Siegen nicht mal träumen. Heute sind wir in der Lage, ihm ein Auto hinzustellen, mit dem er aus eigener Kraft gewinnen kann. Für uns spielt es wirklich keine Rolle, wer Weltmeister wird, Hauptsache er sitzt in einem Red Bull."

Wie lange hält der Red Bull-Frieden diesmal?

Nach dem Krach von Silverstone wurde in der Fabrik von Milton Keynes Friedenspfeife geraucht. Horner erklärte Webber noch einmal die Gründe für den verhängnisvollen Flügeltausch. Sein australischer Schützling bedauerte daraufhin öffentlich einige Äußerungen die in der Hitze des Gefechts gefallen waren. Man darf gespannt sein, wie lange der Frieden diesmal hält. Schon nach der Kollision von Istanbul hatten Webber und Vettel eine medienwirksame Aussprache zelebriert. Drei Rennen später brannte im Red Bull-Lager wieder der Baum.

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