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Red Bull fassungslos

Mercedes mit 160 PS weniger Zweiter

Lewis Hamilton - GP Kanada 2014 Foto: xpb 66 Bilder

Red Bull hat die Siegesserie von Mercedes unterbrochen. Weil bei den Silberpfeilen die Technik streikte. Nico Rosberg wurde Zweiter, obwohl er das halbe Rennen lang mit 160 PS weniger fuhr. Was Red Bull-Technikchef Adrian Newey fassungslos machte.

09.06.2014 Michael Schmidt

Es passierte am Ende der 36. Runde und am Anfang der 37. Runde. Zuerst meldete Lewis Hamilton an seine Box: "Ich verliere Power." 20 Sekunden später schickte Nico Rosberg den selben Funkspruch ab. Er selbst glaubte, sein Rennen sei vorbei. "Wenigstens mein Duell mit Lewis. Aber dann merkte ich, dass auch er langsamer wurde. Ich dachte: Was passiert denn hier?" Beide Mercedes verloren von einer Sekunde auf die andere 160 PS. Und das kam so.

Steuereinheit CE-CUK wurde zu heiß

Mercedes-Motorenchef Andy Cowell klärte auf. "Die Steuereinheit, die für die MGU-K zuständig ist, hat überhitzt. Dabei schaltet sich der Elektroantrieb aus. Die Elektronikbox ist zwar im Verlauf des Rennens wieder abgekühlt, aber das System lässt sich nicht mehr neu starten."
 
Teamchef Toto Wolff fügte hinzu: "Das Problem trat zum ersten Mal auf. Wir haben die fatalen Konsequenzen so nicht erwartet, sonst hätten wir rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen. Unsere Ingenieure haben an der Telemetrie gesehen, dass die Temperatur ansteigt, aber bevor wir etwas tun konnten, sind die Elektromotoren in beiden Autos ausgestiegen."

Ohne MGU-K leiden die hinteren Bremsen

Wenn die MGU-K nicht arbeitet, dann fehlen 160 PS Zusatzleistung beim Beschleunigen. Und es kann keine Energie in die Batterie gespeichert werden. Deshalb bremst der Generator beim Laden nicht mit, was nach kurzer Zeit die Hinterradbremsen überfordert. Wegen der Bremswirkung beim Laden der Batterie sind die hinteren Bremsen in diesem Jahr kleiner dimensioniert und auch nicht mehr so effizient gekühlt wie in der Vergangenheit.
 
Die Fahrer mussten als Gegenmaßnahme die Bremsbalance nach vorne verstellen. Rosberg schaffte es irgendwie damit klarzukommen. Bei Hamilton wurden die hinteren Bremsen zu heiß. Als er zu einem Notstop in der Mercedes-Box erschien, wurde das Bremspedal immer weicher und fiel schließlich ganz durch.

Lauda lobt Rosberg "wie der liebe Gott"

Für Rosberg gab es im Cockpit viel zu tun. Er musste auf ein aggressiveres Motorprogramm schalten, weil er nun praktisch allein von seinem V6-Turbo abhängig war. Gleichzeitig wurde er angewiesen, die Bremskraft nach vorne zu transferieren. Das alles mit Hamilton im Getriebe: "Ich musste mich erst an die neuen Bremspunkte gewöhnen, weil ich ja viel langsamer auf die Kurven zugefahren bin. In der Umstellphase habe ich ein paar Mal die Vorderräder blockiert. Aber als ich meinen Rhythmus gefunden hatte, konnte ich mich wieder aufs Fahren konzentrieren. Dann haben mir meine Ingenieure auch weniger Kommandos gegeben."
 
Kaum war Hamilton aus dem Rückspiegel verschwunden, musste sich Rosberg erneut umstellen. "Die Bremsbalance war so weit nach vorne gestellt wie möglich. Und ich musste eine Qualifikationsrunde nach der anderen drehen." Niki Lauda applaudierte: "Nico ist gefahren wie der liebe Gott."

Perez war Rosbergs Abschirmdienst

Rosbergs größter Mitspieler war Sergio Perez. Der Mexikaner verlor wegen stark abgenutzter Reifen in den Kurven, war aber auf der Geraden schnell genug, um die Red Bull und die Williams in Schach zu halten. Die Schlussphase zeigte: Als Daniel Ricciardo sich endlich an Perez vorbeipresste, war er im Handumdrehen an Rosberg dran und hat ihn auch ohne Probleme auf der Geraden überholt. Einer bei Red Bull spottete: "Wenn bei Mercedes die Elektro-Power ausfällt, ist unser Renault-Motor stärker."
 
Der Zweikampf Rosberg gegen Perez bestimmte deshalb auch den Ausgang des Rennens. Rosberg gab zu: "Ich wusste: Wenn einer vorbeigeht, fallen alle über mich her." Deshalb konnte seine Strategie nur lauten, am DRS-Messpunkt vor der Haarnadel mehr als eine Sekunde vor Perez zu liegen. Im ersten Sektor machte Rosberg trotz eines Defizits von 160 PS immer 0,6 Sekunden auf den Force India-Piloten gut. "Da wird die MGU-K am wenigsten genutzt", erklärte Wolff. Im zweiten Sektor herrschte Gleichstand. Auf der langen Geraden büßte Rosberg manchmal bis zu einer Sekunde auf seine Verfolger ein.

Die MGU-H als Helfershelfer

Bei Red Bull herrschte trotz des Sieges von Ricciardo Sprachlosigkeit. "Wie kann Rosberg mit 160 PS weniger so lange an der Spitze fahren?", wunderte sich Technikchef Adrian Newey. Schlussfolgerung: "Das zeigt, wie gut dieser Mercedes-Motor ist."
 
Tatsächlich hatte Rosberg in der Stunde der Not einen kleinen Helfershelfer. Motorenchef Andy Cowell lächelte verlegen: "Die MGU-H hat uns gerettet. Sie konnte wegen der abgeschalteten MGU-K zwar keine Power direkt in den Antrieb einspeisen, aber sie hat die Batterie gefüllt. Damit konnten wir weiter das Turboloch stopfen und alle anderen Systeme, die dem Motor normalerweise Power wegnehmen, über die Batterie antreiben. Das gab uns ein bisschen Leistung zurück." Wie viel, wollte Cowell nicht sagen. Nur so viel "160 PS PS waren es nicht."

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