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Formel 1: Sebastian Vettel exklusiv im Interview

"Das Team wollte, dass ich aufhöre"

Sebastian Vettel Foto: xpb 30 Bilder

Sebastian Vettel erlebte ein aufregendes Rennen in Spanien. Am Ende rettete er Platz drei, obwohl ihn sein Team schon zur Aufgabe aufforderte. Im Interview mit auto-motor-und-sport.de spricht  der Heppenheimer noch einmal über die entscheidenden Szenen.

09.05.2010 Michael Schmidt

Das war nicht Ihr Rennen. Was ist Ihnen heute alles passiert?
Vettel: Platz drei ist ja nicht schlecht, aber auf soviel Chaos kann ich verzichten. Der Start war noch ganz gut, aber es gab keinen Weg an Mark vorbei. Zwei Runden lang konnte ich seinen Speed halten, dann ist er mir langsam weggezogen. Ich wollte auch kein unsinniges Risiko eingehen. Dann habe ich aber schon gespürt, dass irgendetwas mit der Balance nicht stimmt. Das Auto war ganz anders als im Training. Ich hatte mal vorne, mal hinten keinen Grip. Den ersten Boxenstopp haben wir vielleicht eine Runde zu früh getimt, dann hatten wir ein Problem mit dem Rad, und ich musste mit dem Losfahren warten, weil Alonso und Button daherkamen. Für Hamilton hat es gerade nicht gereicht. Er hatte in der ersten Kurve die Innenseite, da war nichts zu machen. Ich konnte ihm folgen, kam aber nie nahe genug heran. Dann hat sich 15 Runden vor Schluss links vorne die Bremse verabschiedet und ich bin durchs Kiesbett gefahren.

War der Reifenwechsel danach berechtigt?
Vettel: Wir wollten checken, was da los ist. Als ich wieder auf die Strecke gehe, sagt mir das Team, dass ich das Rennen beenden soll. Ihnen war das Risiko wegen der kaputten Bremse zu groß.

Warum sind Sie der Aufforderung nicht gefolgt?
Vettel: Ich habe am Funk gefragt, ob dass wirklich notwendig ist. Ich könnte ja wenigstens noch langsam zu Ende fahren und zwei, drei Punkte holen.

Und dann?
Vettel: Ich bekam keine Antwort. Also bin ich weiter gefahren. Mitten in der Zielkurve kam dann der Funkspruch: Fahr weiter, aber pass auf. Da wäre es sowieso schon zu spät gewesen. Ich war an der Boxeneinfahrt gerade vorbei.

Wie haben Sie sich dann ins Ziel gerettet?
Vettel: Ich habe die Bremsbalance komplett nach hinten verstellt. Trotzdem waren sie an der Box ganz aufgeregt und haben mich immer wieder ans Langsamfahren erinnert. Da war ich noch mit 1.25er Zeiten unterwegs. Weil ich Alonso sowieso nicht mehr gekriegt hätte und das Polster zu Schumacher groß genug war, bin ich die letzten fünf Runden nur noch auf Ankommen gefahren. Ich habe kein einziges Mal mehr gebremst.

Wie geht das?
Vettel: Mit den weichen Reifen war der Grip unheimlich gut. Ich habe das Auto in den langsamen Passagen einfach in die Kurven rollen lassen.

Also Glück im Unglück?
Vettel: Was das Resultat angeht, ja. Aber trotzdem lässt mich etwas nicht in Ruhe. Mark ist ein super Rennen gefahren, keine Frage, aber ich konnte zu keiner Zeit im Rennen seine Zeiten fahren. Das verstehe ich nicht.

Sie sind fast die ganze Zeit im Verkehr gefahren. Vielleicht verliert der Red Bull da mehr Zeit als andere Autos?
Vettel: Es stimmt, dass ich nie freie Fahrt hatte, als das Auto noch in Ordnung war. Aber an die Theorie mit dem Verkehr glaube ich eigentlich nicht. Alle Autos verlieren vorne Abtrieb, wenn du ein Fahrzeug vor dir hast. Dazu kam noch ein ziemlich übler Rückenwind in einigen kritischen Passagen. In Kurve 7 hätte er mich ein paar Mal fast von der Strecke geweht.

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