Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Red Bull-Geheimnis beim GP Bahrain

Reifen und Temperatur passten zusammen

Sebastian Vettel - GP Bahrain 2013 Foto: xpb 26 Bilder

Der GP Bahrain hat viele Fragen aufgeworfen: Warum ging Sebastian Vettels Red Bull wie eine Rakete? Hätten Fernando Alonso und Kimi Räikkönen ohne ihre Probleme eine Chance gehabt? Sind bei Mercedes die Reifenprobleme zurückgekehrt? Wir liefern die Antworten.

22.04.2013 Michael Schmidt

Schauen Sie sich einmal das Ergebnis des GP Bahrain an. Eines fällt sofort auf. Das Podium war identisch mit dem Vorjahr. Sebastian Vettel vor Kimi Räikkönen und Romain Grosjean. Aber auch sonst gibt es viele Parallelen zu 2012. Der beste Mercedes landete auf Rang 5. Force India holte mit Paul di Resta viele Punkte. Letztes Jahr 8, diesmal 12.

Ferrari kämpfte wie schon 2012 mit McLaren um die Plätze 7 und 8. Sebastian Vettel führte vor 12 Monaten 55 der 57 Runden. In diesem Jahr brachte es der Weltmeister auf 51 Führungsrunden. Doch die Überlegenheit war größer. Vor einem Jahr gewann Vettel mit 3,3 Sekunden vor Räikkönen. Am letzten Sonntag trennten die beiden 9,1 Sekunden, und es gab für Vettel noch Luft nach oben.

Warum war Vettel so stark?

Die Überlegenheit des Red Bull mit der Startnummer 1 hat selbst die Red Bull-Strategen überrascht. "Ich hätte nie gedacht, dass ich dieses Tempo fahren kann", staunte Vettel. "Das war echt Wahnsinn. Ich wurde immer schneller. Die Reifen haben kaum abgebaut." Bei den Dauerläufen am Freitag sah es noch nicht nach einem Durchmarsch für Vettel aus. Da haben eher die Ferrari und Lotus das Tempo bestimmt. Was also ist da mit dem Auto und den Reifen passiert?

Ja, Vettel ist 55 Runden ohne Verkehr gefahren. Das hat geholfen. Er hatte sich 3  frische Satz Reifen aufgehoben, aber das hatte Mark Webber auch. Räikkönen und Grosjean waren abgesehen vom Anfangsstint ebenfalls immer auf neuen Reifen unterwegs. Es stimmt auch, dass die Strecke von Bahrain eine Red Bull-Strecke ist. Kein Auto hat eine so gute Traktion wie der RB9. Da kann man ruhig auf ein bisschen Top-Speed verzichten.

Red Bull-Reifen im Temperaturfenster

Das Geheimnis liegt eher in den verwendeten Gummimischungen und den Temperaturen. Kurzer Rückblick. Es ist ja nicht das erste Rennen, das Red Bull in diesem Jahr gewonnen hat. Auch in Malaysia dominierten die Titelverteidiger. Auf welchen Reifen? Auf "medium" und "hart". Bei welchen Temperaturen? Jenseits von 40 Grad auf dem Asphalt. Erst da kommt der harte Reifen in seinen Arbeitsbereich.

Dann reagiert er bei entsprechender Fahrweise auch ganz normal. Er baut im Bereich von 2 Zehnteln ab, aber es zieht ihm den Gummi nicht von der Lauffläche. Das passiert nur, wenn der Reifen außerhalb dieses Fensters eingesetzt wird. Der "Medium"-Reifen ist eher für tiefere Temperaturen gebaut, aber den ist Vettel ja auch nur beim Start gefahren. Der aber wurde in Malaysia sein Joker im Duell gegen Webber.

Auch dafür gibt es eine Erklärung. Dort waren die Asphalttemperaturen im Schlussabschnitt wieder dramatisch gefallen. Der "Medium"-Reifen kam in sein Fenster, und Red Bull konnte den Vorteil des besseren Autos ausspielen. Der RB9 hat immer dann ein Problem, wenn Streckentemperatur und Arbeitsbereich des eingesetzten Reifens nicht zusammenpassen. Dann wird der Anpressdruck des Autos zum Handikap, weil sich unter den Fliehkräften in schnellen Kurven der Gummi zu schnell auflöst.

Alonso hätte das perfekte Rennen gebraucht

Alonso und Räikkönen hätten unter den herrschenden Bedingungen gegen Vettel nur dann eine Chance gehabt, wenn ihnen das absolut perfekte Rennen gelungen wäre. Nämlich gleich nach dem Start in Führung zu gehen. Im Verkehr hätte Vettel mit ähnlichen Problemen zu kämpfen gehabt wie Webber. Wenn einem die Gegner das Tempo und den Fahrstil aufzwingen, kommen die Reifen nicht in ihr Arbeitsfenster. Und dann leiden sie. Beim Red Bull mehr als bei anderen Autos.

Alonso hätte also auch ohne sein DRS-Problem Mühe gehabt, Vettel zu folgen. Er selbst meinte: "Heute wäre nur Platz 2 drin gelegen." Für den Ferrari war es am Renntag auf dem Asphalt 3 Grad zu heiß. Kein Witz. Mit diesen heiklen Reifen kann jedes Grad zu viel oder zu wenig eine Rolle spielen. Nicht, dass dem Ferrari die Hitze geschadet hätte. Aber Red Bull hat sie geholfen.

Gleiches trifft auf Lotus zu. Wäre Räikkönen von Platz 5 oder besser gestartet, hätte ihn Lotus mit 3 Stopps auf die Reise geschickt. Dann hätte der Finne nicht den 20-Sekunden-Bonus von einem Stopp weniger gehabt. "Vettel war zu schnell für mich", gab Kimi zu. Fazit: Der Ferrari und der Lotus sind dem Red Bull immer dann überlegen, wenn Temperatur und Reifen nicht zusammenpassen. Wie in Melbourne oder Shanghai.

Sonderfall Mercedes

Mercedes enttäuschte und McLaren überraschte sich selbst. Die silbernen Autos fuhren auf Augenhöhe, was sie normalerweise nicht tun. Nicht auf einer Strecke wie Bahrain, wo Traktion das Hauptkriterium ist und McLaren mangels Federweg leidet. Auch hier liefern die heißen Bedingungen am Renntag die Erklärung.

Für McLaren haben sie den nötigen Grip geliefert. Wer an der Hinterachse zu hart fährt, bringt die Reifen nicht zum Arbeiten. Das hat die Asphalttemperatur für McLaren erledigt. Für Sergio Perez mehr als für Jenson Button, weil der Mexikaner seinen McLaren eine Spur weicher abgestimmt hatte.

Am Mercedes ist der Hinterreifen nach wie vor die kritische Größe. Lange nicht mehr so schlimm wie im Vorjahr, aber schlimm genug, um auf einer extremen Strecke wie in Bahrain in ein Abstimmungsdilemma zu kommen. Für Mercedes gab es nur 2  Optionen. Entweder langsam und nett zu den Hinterreifen. Oder schnell mit dem Fluch, dass jeder Gaseinsatz zu viel den Reifen bereits killen kann.

"Bei mir ging es nach drei Kurven schon los", bestätigte Nico Rosberg. Mercedes hatte sich für Speed und das Risiko entschieden, dass die Hinterreifen in die Knie gehen. Die Hitze am Sonntag hat den hinteren Sohlen den Rest gegeben. Die Oberflächentemperatur stieg einfach zu stark an. Das kostet Grip. Als die Asphalttemperatur im letzten Renndrittel von 42 auf 37 Grad fiel, konnte Mercedes wieder Gas geben. Auch hier zeigt sich: Jedes Grad zählt.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden