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Das Red Bull-Geheimnis von Suzuka

Red Bull mit Doppel-DRS-Trick

Red Bull Doppel DRS GP Japan 2012 Foto: ams 31 Bilder

Red Bull hat in Suzuka die Konkurrenz demoralisiert. Auf einer Strecke, die dem Auto nicht unbedingt liegt, fuhren Sebastian Vettel und Mark Webber plötzlich in einer eigenen Liga. Die Gegner rätselten einen Tag lang wie das möglich ist. auto motor und sport hat herausgefunden: Red Bull fährt heimlich mit Doppel-DRS.

07.10.2012 Michael Schmidt

Der Red Bull RB8 ist ein zickiges Rennauto. Schnelle Kurven und lange Geraden waren nicht seine Freunde. In der Top-Speed-Tabelle rutschte Red Bull noch weiter ab als im Vorjahr. Meistens lagen am Ende der Geraden nur noch die HRT hinter den Titelverteidigern.

Aber auch in den schnellen Kurven musste der Red Bull RB8 seine Vormachtstellung aufgeben. Das tat besonders im Training auf eine Runde weh. Im Rennen machte Red Bull dann vieles wieder mit gefälligem Reifenmanagement wieder wett.

Red Bull unerwartet schnell in Suzuka

Auf Strecken, die beide Kriterien vereinten wie Sepang oder Barcelona, war das Auto besonders verwundbar. Eigentlich zählt auch Suzuka in diese Kategorie Rennstrecke. Doch nach dem Training standen die beiden Red Bull einträchtig in der ersten Reihe. Man fühlte sich ins letzte Jahr zurückversetzt. Sebastian Vettel und Mark Webber schüttelten die schnellen Runden aus dem Handgelenk.

Die Leichtigkeit verwirrte die Konkurrenz. McLarens Überlegenheit der letzten fünf Rennen war mit einem Mal weggewischt. Ferrari hinkte eine Sekunde hinterher. Dass Red Bull vor zwei Wochen in Singapur auf Augenhöhe mit den McLaren fuhr, schrieb man noch der Streckencharakteristik zu. Im Stop and Go fühlte sich der Red Bull RB8 immer schon zuhause. Er hat eine exzellente Traktion.

Doch warum waren die Autos plötzlich auch in Suzuka so schnell? Und das noch mit einem alarmierenden Vorsprung? Jenson Button kam den Red Bull am nächsten, gab aber zu: "Mir fehlen vier Zehntel auf Vettel. Ich weiß nicht, woher ich die hätte nehmen sollen."

Red Bull auf der Geraden und in Kurven stark

Red Bull hatte offenbar über Nacht eine halbe Sekunde gefunden. Auf den ersten Blick sahen die blauen Autos aus wie immer. Lag es nur den verstellbaren Bremstrommeln, über die man die Reifentemperatur vorne besser kontrollieren kann? Den Trick hat man sich von McLaren abgeschaut. Der ist allerdings mehr im Rennen als im Training eine Hilfe.

Oder lag es an dem neuen Frontflügel, der in der Nacht zum Samstag aus Europa eingeflogen wurde? Wieder so ein Klappflügel?, fragten die Gegner genervt. Alles in Ordnung, ergaben die FIA-Untersuchungen. Der nach hinten klappende Flügel hätte nach Aussage einiger Ingenieure in Suzuka auch viel weniger gebracht als in Singapur.

Wer einen Blick in die Sektorzeiten und die Top-Speed-Tabelle warf, bekam eine Vorahnung, was Red Bull da aus dem Hut gezaubert hat. Vettel und Webber waren die schnellsten in Sektor eins. Jener Sektor, der ausschließlich aus schnellen und langen Kurven besteht. Eigentlich hätten dort McLaren, Ferrari und Sauber die Nase vorn haben müssen.

Wer jetzt Red Bull bei der Speedmessung auf der Geraden ganz hinten erwartet hat, wurde enttäuscht. Webber und Vettel belegten die Plätze sieben und neun. Nur drei km/h hinter den McLaren. Der Unterschied zu den Autos mit Mercedes-Motor betrug bei den Rennen zuvor im Schnitt acht km/h.

Red Bull mit Doppel-DRS unterwegs

Wer in so kurzer Zeit Top-Speed und Kurvengeschwindigkeit in einem nicht unbeträchtlichen Ausmaß gewinnt, der muss mehr als nur Detailarbeit betrieben haben. Beim Betrachten der Fotos vom Heck des Red Bull wurde den Technik-Experten schnell klar, was sich Adrian Newey ausgedacht hat. Der Red Bull ist mit einem Doppel-DRS ausgerüstet.

Drückt der Fahrer den DRS-Knopf reißt am oberen und am unteren Heckflügelelement die Strömung ab. Wenn der Flap über dem Hauptblatt hochklappt, werden wie beim Mercedes auf der Innenseite der Endplatten zwei Eintrittslöcher freigegeben. Man kann dies auch beim geschlossenen Flap erkennen. Die Umrandung des Flaps ist größer als zuvor, um die Löcher besser abzudecken.

Die eingesaugte Luft wird durch zwei Kanäle durch die Endplatten nach unten geleitet und unterhalb des unteren Heckflügelelements (Beam-Wing) wieder ausgeblasen. Man kann die Kanäle an Verdickungen in den Endplatten erkennen.

Luftkanal in der Heckflügel-Endplatte

Als Red Bull am Freitag mit Farbe am Heckflügel experimentierte, um die Strömung kenntlich zu machen, war an einer Stelle unterhalb des unteren Elements auf der Innenseite der Endplatte ein Bereich sichtbar, der nicht von der Farbe bedeckt wurde. Dort wird das Austrittsloch vermutet.

Durch den gezielten Luftstrahl von links und rechts werden im DRS-Betrieb die Strömung des unteren Flügels und des Diffusors gestört. Das ergibt in einer Trainingsrunde auf 3.316 von 5.807 Metern eine zusätzliche Reduzierung von Anpressdruck und Luftwiderstand. Das erklärt die besseren Top-Speeds. Damit konnte es sich Red Bull aber auch leisten, die Flügel steiler zu stellen als üblich. Und das wiederum erklärt die Bestzeiten im ersten Sektor. Dort holte man sich den Extraabtrieb über die Flügel. Schließlich kommt noch ein Vorteil hinzu. Red Bull hat jetzt mehr Freiheiten bei der Getriebeübersetzung.

Wie am Sonntag in Suzuka bekannt wurde, hatte Red Bull das neue System sogar schon in Singapur im Rennen eingesetzt, als Sebastian Vettel ebenfalls gewinnen konnte. Der jüngste Entwicklungsschritt könnte WM-entscheidend sein. Es wird zu lange dauern, bis die Gegner nachgerüstet haben. McLaren hatte das Doppel DRS-Projekt auf Eis gelegt. Lotus ist im vierten Versuch gescheitert. Nur von Ferrari hat man in der Richtung bis jetzt nicht viel gehört. Fernando Alonso kündigte jedoch in Suzuka große Fortschritte für die nächsten Rennen an. Meint er damit ein Doppel-DRS?

In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen Fotos und eine Zeichnung, die den neuen Red Bull-Trick erklären.

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