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Red Bull im Dilemma

Renault oder eigener Motor?

Red Bull - GP England 2014 Foto: xpb 20 Bilder

Red Bull und Ferrari müssen bittere Pillen schlucken. Mercedes fährt in einer eigenen Liga. Und jetzt hat auch noch Williams zum Überholen angesetzt. Die entthronten Weltmeister der Vergangenheit planen eine interne Revolution. Und machen nebenbei noch ein bisschen Politik.

24.07.2014 Michael Schmidt

Aus Sicht von Red Bull und Ferrari ist die Saison 2014 ein Jahr zum Vergessen. Der WM-Titel geht an Mercedes. Und wenn man nicht aufpasst, fährt Williams auf Platz 2. Mit einem Mercedes-Motor im Heck. Doch auch die Perspektiven sind bei Red Bull und Ferrari nicht rosig. Auf dem Motor-Sektor gibt es massive Defizite. Beide fragen sich, ob die über den Winter aufzuholen sind.

Lotus ergreift schon die Flucht und will zu Mercedes. Aus gutem Grund. "Glauben Renault und Ferrari, dass Mercedes über den Winter die Hände in den Schoss legt? Die verbessern sich auch", sagt ein Ingenieur.

Das wissen auch Red Bull und Ferrari. Deshalb wird in den Hinterzimmern vorsichtshalber ein bisschen gezündelt. Es ist kein Zufall, dass Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo gerade jetzt eine Reform der Reform fordert. Und dass Bernie Ecclestone in Hockenheim eine Krisensitzung hält mit dem Versprechen, die Formel 1 wieder attraktiv zu machen. Und dass bei der gleichen Sitzung Red Bull-Vertreter die Rückkehr zu den Wurzeln und den alten V8-Motoren fordern.

Ist Red Bulls Fahrzeug-Konzept überholt

Red Bull schiebt die Niederlagen gegen Mercedes ausschließlich auf Renault. Dass der französische Motor Schwächen hat, zeigen die GPS-Messungen. Doch sind sie so groß, wie es Red Bull uns glauben lässt? Die schlechten Top-Speeds von Red Bull haben nicht nur etwas mit dem Power-Manko des Renault-Motors zu tun. Toro Rosso ist auf der Geraden mit identischem Motor schneller. Weil der STR9 vom Konzept her der genaue Gegenentwurf des RB10 ist.

Toro Rosso-Technikchef James Key setzt voll auf Effizienz. Lieber dem Top-Speed und dem Benzinverbrauch zuliebe auf Abtrieb verzichten. Williams macht es genauso. Red Bull ist noch in seinem alten Konzept gefangen, das Auto von vorne nach hinten stark anzustellen. Das liefert Abtrieb, kostet aber auch Luftwiderstand.

Williams-Technikchef Pat Symonds glaubt, dass Adrian Neweys Philosophie nicht mehr zukunftsweisend ist. "Wir haben das im Windkanal durchgespielt und sind zu dem Schluss gekommen, dass Anstellen in einer Effizienz-Formel der falsche Weg ist."

Sollte Red Bull für 2015 sein Fahrzeugkonzept ändern müssen, stehen die vierfachen Weltmeister vor einem Problem. Newey nimmt sich eine Auszeit. Der Rest der Mannschaft müsste bei Null beginnen. Das birgt angesichts der neuen Struktur an der Spitze des Technikbüros Risiken.

Infiniti prüft das Projekt eines eigenen Motors

Die Stimmung im Team der Titelverteidiger ist zum Zerreißen gespannt. Für 2015 braucht man einen Motor mit viel mehr Power. Die Pessimisten sprechen von bis zu 100 PS. Realisten von der Hälfte. Doch kann Renault die Lücke zu Mercedes im Rahmen des Erlaubten über den Winter wettmachen? In Summe dürfen nur 48 Prozent aller Bausteine modifiziert werden. Einige Ingenieure bei Red Bull zweifeln: "Dazu müsste man erst einmal wissen, wo die Fehler liegen."

Red Bull steht vor der Wahl. Entweder ein eigener Motor mit Infiniti oder die Partnerschaft mit Renault fortsetzen - allerdings noch enger verzahnt und mit mehr Eigenleistung. Eine komplette Neukonstruktion unter anderem Namen untersagt das Reglement. Renault-Motorenchef Rob White bestätigt: "Es ist nicht möglich, auf den Zylinderkopf ein anderes Siegel zu kleben und bei Null zu beginnen. Die Regeln in Anhang 4 der Sportgesetzes sind eindeutig. Du kommst nicht einfach so aus dem Gefängnis raus, in dem du den Namen des Motors änderst."

Der neue Renault-Sportchef Cyril Abiteboul musste nach dem GP Deutschland Farbe bekennen. Red Bull und Partner Infiniti wollten wissen, wie es um die Generalmobilmachung in Viry-Chatillon steht. Auf dem Prüfstand stehen Budget, Personal, Strukturen, Entwicklung.

Aus Sicht von Red Bull und Infiniti muss sich alles ändern. Sonst will man das eigene Projekt anschieben. Infiniti-Geschäftsführer Andy Palmer sprach in Silverstone mit Red Bull über die Kosten eines solchen Abenteuers und über die Möglichkeiten einer Partnerschaft mit Renault.

Der Infiniti-Vorstand in Hongkong ist offenbar dazu bereit, die Mittel für einen Neubeginn bereitzustellen. Doch das löst nicht Red Bulls akute Probleme. Ein eigener Motor wäre frühestens 2016 fertig, wahrscheinlich erst 2017. Auf den VW-Konzern oder BMW zu warten ist eine Wette mit ungewissem Ausgang.

Ferrari kämpft um Alonso

Auch bei Ferrari wird man langsam nervös. Technikchef James Allison nennt schonungslos die Schwächen des F14T: "Zu wenig Abtrieb, zu wenig Power, zu schwierig zu fahren. Das Heck ist zu nervös. Damit steigt der Reifenverschleiß." Präsident Montezemolo hat dem neuen Rennleiter Marco Mattiacci alle Mittel versprochen, die nötig sind, um Ferrari wieder zu einer Sieger-Marke zu machen. Doch Geld allein kauft keine Erfolge.

Ferrari wollte Adrian Newey und Mercedes-Motorenchef Andy Cowell nach Maranello locken und bekommt weder den einen, noch den anderen. Mattiacci setzt unbeirrt seine Umstrukturierung fort. Er wird Ingenieure einkaufen, die gerade nicht in der Formel 1 arbeiten oder aus der zweiten Reihe sind, und er wird auf Eigengewächse setzen müssen. Was gar nicht schlecht sein muss. Mittlerweile versucht man aus den Fehlern beim Motor zu lernen.

Marussia spielt das Versuchskaninchen. In Hockenheim wurden die Auspuffkrümmer des Ferrari V6-Turbo mit einem Hitzeschutz versehen. Das soll die Wärme im Auspufftrakt halten und der MGU-H mehr Energie liefern. Wenn es funktioniert, wird Ferrari bei einem der nächsten Rennen nachziehen.

Eine Notlösung, aber besser als nichts. Und ein Lehrstück für nächstes Jahr, wenn man wie bei Mercedes und Renault eine zweite Haut um die Auspuffkrümmer legen muss. Es heißt, dass Ferrari mehr Spielraum mit seinem Motor hat als Renault. Weil der Kern stimmt und nur die Peripherie krankt.

Ferraris größte Trumpfkarte bleibt Fernando Alonso. Der Spanier ist im Moment genauso frustriert wie Sebastian Vettel. Deshalb hat die Teamleitung seinem Superstar zwischen den Grand Prix von England und Deutschland den neuen WM-Fahrplan für 2015 präsentiert.

Man weiß in Maranello, dass Honda hinter Alonso her ist. Der japanische Autokonzern soll auch Sebastian Vettel und Lewis Hamilton für die Zeit nach ihrem Vertragsende hoch dotierte Angebote gemacht haben. In der Hoffnung, irgendwann einen der drei zu bekommen.

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