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Red Bull im Umbruch

Wer ersetzt Newey?

Adrian Newey - GP Kanada 2014 Foto: xpb 25 Bilder

Jahrelang galt das Konstruktionsbüro von Red Bull als uneinnehmbare Festung. Doch in den letzten 18 Monaten sind fünf leitende Ingenieure zur Konkurrenz abgewandert. Und gerade jetzt nimmt sich Adrian Newey eine Auszeit. Die Aufgabe des Star-Designers wird auf mehrere Schultern verteilt.

16.06.2014 Michael Schmidt

Es gibt viele Gründe, warum Red Bull vier Mal in Folge die Weltmeisterschaft gewonnen hat und für viele immer noch als das beste Team in der Formel 1 gilt. Einer davon war die geringe Fluktuation im Technikbüro. Red Bull, das war über Jahre eine verschworene Gemeinschaft. Man kam zwar rein, aber nicht mehr raus. Was entfernt an eine Sekte erinnerte. Auch namhafte Headhunter konnten den Code nicht knacken. Doch dann begann im November 2012 der Aderlass. Chefingenieur Ian Morgan wechselte zu McLarens GT-Team.

Newey entwickelt Hybridauto statt Formel 1

Ende letzten Jahres bröckelte es im Erfolgsteam an allen Ecken und Enden. Zuerst dockten die Aerodynamiker Peter Prodromou und Dan Fallows bei McLaren an. Dann ihr Kollege Shaun Whitehead bei Williams. Gefolgt von Simulationschef Giles Wood und Mark Ellis aus dem Bereich Fahrzeugdynamik zu Mercedes. Fallows ist inzwischen wieder reumütig zu Red Bull zurückgekehrt. Red Bull und McLaren haben sich außergerichtlich geeinigt.
 
Der größte Einschnitt aber ist der Rückzug von Technikchef Adrian Newey. Das Superhirn ist frustriert. Die Regeln bremsen seine Kreativität. Newey verspottet die augenblickliche Formel 1 als "bessere GP1".
 
Der 55-jährige Engländer wird Red Bull wenigstens treu bleiben. Er soll in einem gerade entstehenden Technologie-Zentrum neue Ideen ausbrüten. Zum Beispiel ein Hybrid-Auto, das Red Bulls Partner Infiniti dann auf die Straße bringt. Damit würde die österreichische Getränkemarke nicht mehr nur mit Limonade, sondern auch mit High Tech assoziiert. Und Autos.

Kein Ersatz von außen für Newey

Newey wird seinen Formel 1-Kollegen nur noch als Mentor und Ratgeber zur Verfügung stehen. Aus dem Tagesgeschäft zieht er sich zurück. Für wie lange weiß keiner. Bei Red Bull hofft man, dass Newey bei dem eher beschaulichen Entwicklungsprozess eines Straßenautos bald die Decke auf den Kopf fällt. Die Tür zurück ist immer offen.
 
Red Bull konnte mit diesem Schachzug wenigstens verhindern, dass ihr Technikgenie dem Lockruf von Ferrari folgt. Bei Ingenieuren seiner Güteklasse ist es schon ein Trumpf, wenn andere nicht auf ihn zugreifen können.
 
Doch wer ersetzt den erfolgreichsten Formel 1-Konstrukteur aller Zeiten? Teamchef Christian Horner will keinen Ersatz von außen einkaufen: "Wir haben eine große Tiefe in unserem Ingenieursbüro. Deshalb wird es keinen direkten Ersatz für Adrian geben. Er hat ja noch eine Rolle bei uns und ist auch nicht ganz weg. Adrian wird sicher von Zeit zu Zeit in sein Büro in Milton Keynes kommen."
 
Das legt nahe, dass die technische Verantwortung in Zukunft auf mehrere Schultern verteilt wird. Zum Beispiel Chefdesigner Rob Marshall, den heimgekehrten Aerodynamikchef Dan Fallows und den im Winter von Sauber zu Red Bull gestoßenen Direktor für Fahrzeugdynamik Pierre Waché.

Gefahr für Red Bull bei nächster Regelreform

Zweite Frage: Was verliert Red Bull, wenn ihr genialer Kopf fehlt? Neweys Kollegen haben dessen Fahrzeugkonzept in all den Jahren verinnerlicht. Sie fallen nicht in ein schwarzes Loch. Sie wissen, wie man ein Auto stark anstellt und im Heck mit viel Federweg arbeitet, ohne dass die Strömung abreißt. Sie sind in der Lage, das vielleicht immer noch beste Chassis auf dieser Basis weiterzuentwickeln.
 
Gefährlich wird es erst, wenn im Chassisbereich wieder ein großer Regeleinschnitt kommt. Zum Beispiel die Rückkehr der aktiven Fahrwerke. Dann braucht man vielleicht wieder den ein oder anderen Geistesblitz und die Gesamtübersicht eines Adrian Newey, der viel mehr ist als nur ein brillanter Aerodynamiker. Neweys Stärke liegt darin, dass er auch etwas vom Fahrwerk, von den Reifen, von der Fahrdynamik versteht. Aber bis die FIA die nächste Regelreform ausgräbt, ist Red Bulls Star-Designer ja vielleicht schon wieder zurück.

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