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Red Bull in Indien

Das Vettel-Geheimnis von Kurve 15

Sebastian Vettel GP Indien 2011 Foto: xpb 52 Bilder

Die Überlegenheit von Red Bull beim GP Indien war nicht so groß, wie es der Start/Ziel-Sieg und die schnellste Rennrunde von Sebastian Vettel vermuten lassen. In Sektor eins und zwei konnten McLaren und Ferrari mithalten. Doch im letzten Abschnitt packte Red Bull den Hammer aus. Das Geheimnis lag in einer einzigen Kurve.

02.11.2011 Michael Schmidt

McLaren-Chef Martin Whitmarsh blickte mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf den Grand Prix von Indien zurück: "Wir haben nicht gegen Red Bull verloren, sondern die Kombination von Red Bull und Vettel." Da ist etwas Wahres dran. Den zweiten Red Bull mit Mark Webber hatte Jenson Button locker im Griff.

Sogar Ferrari-Pilot Fernando Alonso kam vor dem Australier ins Ziel. Allerdings nur dank der besseren Strategie, die vom Reifenabbau bestimmt wurde. Webber verheizte den kritischen linken Vorderreifen früher als Alonso. Das alte Lied. Der Australier fährt aggressiver als Vettel.

Seziert man die Rundenzeiten, reduziert sich die Überlegenheit auf einen einzigen Streckensektor. Der dritte Abschnitt ist mit 21 Sekunden der kürzeste und er enthält vier Kurven. Eine 220 km/h schnelle Schikane, einen 130 km/h schnellen Rechtsbogen, der über eine Kuppe hinweg nach außen abfällt und die 90 km/h schnelle Linkskurve.

Entscheidung im dritten Sektor

Die Könige des ersten Sektors sind die McLaren und die Werks-Mercedes. Dem starken Motor sei Dank. "Wir sind aber auch etwas weniger Abtrieb gefahren als die Red Bull", wirft McLaren-Testpilot Pedro de la Rosa ein. Im zweiten Sektor mit insgesamt acht Kurven, die meisten davon jenseits von 180 km/h, können die McLaren und die Ferrari mit den Red Bull mithalten.

Erst im letzten Segment fällt der Hammer. Doch wo genau bei nur vier Kurven? "Ich kann es nicht sagen", war Button ratlos. "Der Sektor besteht aus zwei schnellen und zwei langsamen Kurven. Es kann also kein bestimmter Kurventyp sein."

Falsch, Jenson. Sebastian Vettel lüftete nach dem Rennen ein bisschen seine Trickkiste. "Den Großteil haben wir in Kurve 15 geholt, ein bisschen vielleicht auch in der Zielkurve", verriet der Premierensieger. In der superschnellen Schikane sind die McLaren und Ferrari dagegen auf Ballhöhe. Das bestätigt den Eindruck aus Sektor zwei, der hauptsächlich aus schnellen Passagen besteht.

Vettel findet die schnellste Linie

Doch was ist an besagter Kurve 15 so speziell, dass man dort regelmäßig zwischen drei und vier Zehntel auf die Konkurrenz gutmacht? Vettel klärt auf. "Du fährst über eine Kuppe auf den Einlenkpunkt zu. Am Ausgang fällt die Straße nach außen hin ab. Da kann man mit der richtigen Linienwahl viel gutmachen." Professor Vettel hat wieder einmal seinen Blick für das Detail gezeigt. Er hat das Potenzial dieser Kurve erkannt und im Training so lange mit der Linie experimentiert, bis er seinen Kollegen den entscheidenden Tick voraus war.

Nur Teamkollege Mark Webber kam in Vettels Nähe. Der Australier verlor nur eine Zehntelsekunde in Kurve 15. Das erklärt Teil zwei des Red Bull-Rätsels. Auch das Auto spielt eine Rolle. "So spät in der Runde hat keiner mehr KERS, und DRS ist dort verboten. Es kommt also auf die reinen Fahrzeugqualitäten an", bestätigt Ex-Pilot Alexander Wurz.

Red Bull profitiert besonders vom Auspufftrick

Dass der RB7 diese Qualitäten ausgerechnet an dieser Stelle so ausspielen kann, liegt am angeblasenen Diffusor. Keiner beherrscht den Strömungsverstärker über den Auspuff so wie Red Bull und Renault. Keine Motorsteuerung ist so trickreich wie die von Renault, die im Schleppbetrieb oder Halbgasbereich noch Auspuffgase produziert, als stünde der Pilot voll auf dem Gas. Und das bringt Abtrieb."

Pedro de la Rosa erklärt: "In so einer Kurve, in der die Straße nach außen abfällt, brauchst du ein stabiles Heck. Das gibt dem Fahrer Vertrauen. Da ist der Red Bull allen überlegen. Keiner hat so viel Anpressdruck im Heck. Das macht sich vor allem in Kurven im mittleren Geschwindigkeitsbereich bemerkbar. Die schnellen Kurven kann McLaren so gut wie Red Bull. In den langsamen sind sie sogar besser, weil der McLaren mehr mechanischen Grip entwickelt."

Martin Whitmarsh hatte mit seiner Analyse schon Recht. Nicht Red Bull schlägt McLaren, sondern das Paket Vettel und Red Bull. In einer Kurve und über die gesamte Runde.

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