Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Red Bull in Monza

Ein Fest für Verschwörungstheoretiker

Sebastian Vettel Foto: xpb 30 Bilder

Verschwörungstheoretiker hatten nach Platz vier und sechs ihre helle Freude am turbulenten Rennen der Red Bull-Piloten in Monza. Sie witterten Stallregie. Je nach Sympathie zugunsten von Sebastian Vettel oder Mark Webber.

16.09.2010 Michael Schmidt

Am Red Bull-Kommandostand haben sie in Monza ganz schön geschwitzt. Unter den Augen von Firmenchef Dietrich Mateschitz war jedem im Team klar: Das wird ein Fall für Schadensbegrenzung.

Webber zieht spielend an Vettel vorbei

Es ging gleich einmal schlecht los. In der ersten Kurve war der Trainingsvierte Mark Webber nur noch Siebter. Und Sebastian Vettel, in der Startaufstellung noch auf Rang sechs, kam als Neunter in der ersten Schikane an. Webber beklagte durchdrehende Räder beim Start, bei Vettel zögerte das Schnellschaltgetriebe vom ersten in den zweiten Gang zu schalten. Als das Feld zum ersten Mal an den Boxen vorbeikam hatte sich die Lage kaum gebessert. Die Red Bull-Piloten hatten nach einem Fehler von Webber in der zweiten Schikane nur die Plätze getauscht: Vettel war Siebter, Webber Neunter. Angesichts des Topspeedmankos konnte man vorne nur auf Ausfälle hoffen. Oder eine geniale Boxenstopp-Strategie. Webber schaffte es nach sechs Runden immerhin an Michael Schumacher vorbei und tauchte wenig später formatfüllend hinter seinem Teamkollegen auf, der wiederum hinter Nico Hülkenberg festhing.

In der 20. und 21. Runde passierte dann etwas, dass die Verschwörungstheoretiker auf den Plan rief. Vettel wurde plötzlich langsam, verlor in zwei Runden vier Sekunden. Webber zog mühelos vorbei. Dann war der Spuk vorbei und der Deutsche fuhr wieder Rundenzeiten wie zuvor. Vettels Funksprüche und unterschiedliche Aussagen zu dem Problem gleich nach dem Rennen nährten bei den Zweiflern den Verdacht, dass da einer am Regiepult ins Renngeschehen eingegriffen hatte. Vettel berichtete am Funk von starkem Leistungsverlust. "Ich dachte bereits, das war‘s." Teamberater Helmut Marko vermutete hinterher ein Feuer in der Airbox, was ziemlich plausibel klang, weil dieser Defekt Red Bull schon öfter ereilt hat - zuletzt Webber im dritten Training in Monza. Teamchef Christian Horner bot zwei mögliche Defekte an. Ein Abreißvisier habe sich in die Airbox verirrt oder die Bremsen seien festgegangen.

Die Bremsen des Red Bull waren schuld

Weil sich der Red Bull nach zwei Runden scheinbar von selbst reparierte, war das noch mehr Wasser auf die Mühlen derer, die vermuteten, Red Bull habe Vettel zwei Runden lang den Saft weggedreht, damit der in der WM vorne liegende Webber ohne Risiko vorbeifahren könne. Dabei gab es einen ähnlichen Vorfall schon einmal. 1999 verlor Mika Häkkinen beim GP Brasilien die Führung, weil das Getriebe verrückt spielte. Nach einer Runde Zittern lief der McLaren wieder perfekt und Häkkinen gewann das Rennen.

Renault-Ingenieur Fabrice Lom enttäuschte alle, die an einen Eingriff von außen glaubten: "Der Motor lief das ganze Rennen über perfekt." Mal abgesehen davon, dass es gar nicht erlaubt wäre, Parameter am Auto von der Box aus zu verstellen. Die Telemetrie ist eine Einbahnstraße. Vom Auto zur Box. Allein der Fahrer darf Motoreinstellungen verändern. Nach einer Untersuchung des Autos mit der Startnummer fünf ist das Rätsel fast gelöst. "Sebastians Bremsen gingen fest als er durch die Lesmokurven gefahren ist. Das gab ihm den Eindruck, die Motorleistung lasse nach. Warum die Bremsen sich nicht lösen wollten, obwohl Sebastian längst vom Bremspedal gegangen war, wissen wir nicht. Als er über einen Randstein rumpelte, löste sich das Problem von selbst und trat später nie wieder auf", verrät Christian Horner.

Warum stoppte Webber so früh?

In der zweiten Rennhälfte wurden die Webber-Fans misstrauisch. Sie verdächtigten das Team, nun Partei für Vettel ergriffen zu haben. Red Bull brachte den Deutschen mit einer Alles-oder-Nichts-Taktik noch auf Platz vier nach vorne. Der Heppenheimer blieb mit seinen weichen Reifen bis zur vorletzten Runde auf der Strecke und fuhr dabei genügend Vorsprung heraus, dass er dank seinem späten Boxenstopp noch Mark Webber, Robert Kubica, Nico Hülkenberg und Nico Rosberg überholen konnte. Was umgehend den Webber-Clan auf den Plan rief. Warum habe man den Australier schon in Runde 35 abgefertigt, wurde Horner gelöchert. Warum nicht auch bei ihm warten bis Runde 52? Da Webber vor Vettel lag, wäre er bei gleicher Strategie auch vor Vettel ins Ziel gekommen.

Horner verteidigte sich gegen Vorwürfe, man habe den neuen WM-Spitzenreiter zugunsten von Vettel früh stoppen lassen. "Sebastian fuhr eine Risikostrategie. Er hatte nichts zu verlieren. Wir wussten nicht wie sich die weichen Reifen über eine so lange Distanz entwickeln würden. Vor dem Rennen glaubten wir, dass sie nicht länger als 15 Runden halten würden. Mit Mark mussten wir die sichere Karte spielen und uns an seinen direkten Gegnern orientieren. Das waren zu dem Zeitpunkt Hülkenberg und Kubica." Wer in Monza eine Verschwörung sah, wurde also enttäuscht. Das Red Bull-Beispiel aber zeigt: Publikum und Medien schauen den Teams im WM-Finale genau auf die Finger.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden