Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Ricciardo-Disqualifikation

Red Bull kündigt Berufung an

Daniel Ricciardo - GP Australien 2014 Foto: xpb 43 Bilder

Red Bull hat angekündigt, gegen die Melbourne-Disqualifikation von Daniel Ricciardo in Berufung zu gehen. Man habe nicht gegen Durchflussmengen-Begrenzung verstoßen. Für die FIA ist das aber nicht alleine entscheidend. Der Fall ist kompliziert.

16.03.2014 Michael Schmidt

Es wäre so eine schöne Geschichte gewesen. Daniel Ricciardo feiert bei seinem Red Bull-Debüt und bei seinem Heimspiel in Melbourne einen zweiten Platz. Nachdem Red Bull an zwölf Testtagen nur 1.780 Kilometer geschafft hatte und der Spitze um 2,5 Sekunden hinterherhinkte, kam die Auferstehung zurück in den Kreis der Mitfavoriten einem Wunder gleich. Jeder freute sich mit Ricciardo. Und auch mit den schwer gebeutelten Renault-Ingenieuren, die in den letzten drei Wochen wahrscheinlich ziemlich wenig geschlafen haben.

Red Bull kündigt Berufung an

Fünf Stunden und 15 Minuten nach der Zielflagge zerplatzte die schöne heile Red Bull-Welt. Daniel Ricciardo wurde disqualifiziert. Da ist es auch kein Trost, dass Red Bull die Absicht angekündigt hat, in Berufung zu gehen. Solche Verhandlungen gehen selten zu Gunsten des Betroffenen aus. Red Bull hat jetzt 96 Stunden Zeit, den Gang zum Berufungsgericht zu bestätigen.

Die Sportkommissare schlossen sich der Meinung des Technischen Delegierten der FIA, Jo Bauer, an, Red Bull aus der Wertung zu nehmen. Der Red Bull-Renault von Ricciardo lag während des GP Australien regelmäßig jenseits der erlaubten Durchflussmenge von 100 Kilogramm pro Stunde.

Da spielt es auch keine Rolle, dass er mit den 100 Kilogramm Benzin über die 57-Runden-Distanz kam. Wenn eine der beiden Regeln nicht erfüllt ist, reicht das für einen Ausschluss. Die relevante Größe wird von einem Sensor gemessen, der von der Firma Gill bereitgestellt wird, dessen Kontrolle aber dem Team unterliegt.

Red Bull wechselte zwei Mal die Sensoren

Das Red Bull-Drama nahm bereits im Training seinen Lauf. In einem dreiseitigen Bericht erklären die Sportkommissare ihre Entscheidung. Seit der ersten Trainingssitzung wurden in den Autos mit den Startnummern 1 und 3 Abweichungen von der maximalen Durchflussmenge gemessen. Deshalb setzte Red Bull am Samstag einen neuen Durchflussmengen-Sensor ein. Außerdem wurden die Motorkennfelder angepasst.
 
Bei Sebastian Vettel kam dabei etwas durcheinander. Man wählte das falsche Kennfeld für den neuen Sensor aus. Das führte zu Leistungsverlust und Problemen beim Ansprechverhalten. Erneut war die FIA nicht zufrieden mit den Durchflusswerten. Deshalb baute Red Bull unter den Parc fermé-Regularien in der Nacht zum Rennen auf die ursprünglichen Sensoren zurück.

Trotz größerer Messtoleranzen zu hohe Werte

Red Bull wurde angewiesen, das Limit nicht ganz auszuschöpfen, um auf der sicheren Seite zu bleiben. Das Team entschied daraufhin, sich auf seine eigenen Messungen zu verlassen, weil sie den offiziellen Sensoren nicht vertraute. Diese werden von den Einspritzmengen über die Direkteinspritzung des Renault V6-Turbo berechnet.

Dies ist für die FIA eine Art Sicherheitsnetz, für den Fall dass die Standardsensoren versagen. Soweit befand sich Red Bull noch im Rahmen des Reglements. Doch während des Rennens wurden an Ricciardos Auto erneut Spitzenwerte im roten Bereich festgestellt. Obwohl die FIA vor dem Rennen die Messfrequenz bereits halbiert hatte, so dass gelegentliche Spitzen aussortiert werden konnten.

Red Bull wurde gewarnt

Red Bull wurde im Verlauf des Grand Prix gewarnt, die Durchflusswerte zu senken. Das ist nicht geschehen. Daraus drehten die Sportkommissare dem Angeklagten einen Strick. In der Begründung heißt es: "Das Team entschied sich dafür, ihre eigene Verbrauchsmessung zu benutzen, ohne sich dabei an die Anweisungen der FIA zu halten. Das steht im Widerspruch zu der Technischen Direktive 016-14."
 
Der technische Delegierte der FIA konnte nachweisen, dass Red Bull im grünen Bereich gewesen wäre, hätte das Team seine Warnungen während des Rennens befolgt. Deshalb spielte die Einlassung des Teilnehmers, der Sensor sei fehlerhaft gewesen, keine Rolle. Das Verhalten des Bewerbers steht damit im Widerspruch zu Artikel 5.1.4 des Technischen Reglements.

Welchen Sinn hat die Durchflussmengen-Regel?

Das wirft eine Frage auf: Reicht es nicht aus, das im Rennen nur 100 Kilogramm Benzin verbraucht werden dürfen? Wenigstens dafür gibt es einen plausiblen Grund. Die Motoreningenieure hatten sich diese Zusatzbeschränkung gewünscht, weil ihre Aufgabe sonst noch schwieriger gewesen wäre. Ohne die beschränkte Durchflussmenge hätten die Motoren im Training wie vor 30 Jahren bis zu 1.500 PS entfesselt. Weil der Ladedruck nicht begrenzt ist. Das aber hätte zu viele Motoren gekillt.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden